. Speiseröhrenkrebs

Leitlinie für Ösophaguskarzinom aktualisiert

Die Therapie des Ösophaguskarzinoms (Speiseröhrenkrebs) ist komplex. Um Patienten und Behandler auf den neuesten Stand zu bringen, wurde jetzt die Leitlinie zur Diagnose und Behandlung aktualisiert. Auch zu den Risikofaktoren gibt es neue Erkenntnisse.
Ösophaguskarzinom, Leitlinie

Zu den Risikofaktoren für Speiseröhrenkrebs gehören Alkohol, Rauchen und chronisches Sodbrennen

Speiseröhrenkrebs wird oft spät entdeckt, da er erst im fortgeschrittenen Stadium Symptome wie Schluckbeschwerden verursacht. Wie bei fast jeder Krebserkrankung verschlechtert eine späte Diagnose jedoch die Überlebenschancen, im Fall des Ösophaguskarzinoms sogar erheblich. Etwa 5700 Männer und 1700 Frauen sind nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts im Jahr 2018 neu an Speiseröhrenkrebs erkrankt. Damit zeigen die Erkrankungszahlen eine steigende Tendenz.

Aufgrund seiner Lage und wegen häufiger Begleiterkrankungen ist die Therapie des Ösophaguskarzinoms komplex und der Krebs muss interdisziplinär behandelt werden. Daher kommt der Leitlinie, die das Vorgehen beim Ösophaguskarzinom regelt, eine besondere Bedeutung zu. Drei Jahre nach der Erstfassung wurde sie nun von einem Expertengremium im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie und unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) aktualisiert. Das teilt die Deutsche Krebsgesellschaft mit.

Leitlinie soll jährlich überprüft werden

Zukünftig soll die Leitlinie jährlich auf Basis aktueller Studiendaten, neuer Publikationen und Rückmeldungen aus den Leitliniengruppen geprüft und gegebenenfalls überarbeitet werden, erklärt Professor Rainer Porschen, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Klinikum Bremen Ost und Koordinator der aktuellen Leitlinie. „So stellen wir sicher, dass aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse rasch in den klinischen Alltag überführt werden und unsere Patienten von einer Behandlung nach neuestem wissenschaftlichem Standard profitieren.“

Da die Erstfassung der Leitlinie erst drei Jahre alt ist, waren in der aktuellen Fassung keine grundlegenden Veränderungen notwendig. „Gleichwohl haben wir einige Empfehlungen an die aktuelle Studienlage angepasst“, so Porschen. So liegen etwa neue Erkenntnisse zu Risikofaktoren vor, die die Entstehung eines Ösophaguskarzinoms begünstigen.

 

Alkohol und Rauchen steigern Risiko für Speiseröhrenkrebs

Die beiden häufigsten Formen von Speiseröhrenkrebs sind das Plattenepithelkarzinom und das Adenokarzinom, die sich aus unterschiedlichen Zelltypen entwickeln. Aktuellen Studien zufolge erhöht Alkohol das Risiko für ein Plattenepithelkarzinom. Die Evidenz hierfür wurde daher von Stufe 3a auf 2b angehoben. „Ausschlaggebend hierfür war eine Studie aus Südafrika, die einen deutlichen, dosisabhängigen Anstieg des Karzinomrisikos durch Alkohol belegt“, erläutert Porschen. Wer im Tagesdurchschnitt mehr als 53 g Alkohol zu sich nimmt, hat demnach ein rund 5-fach erhöhtes Karzinomrisiko. Bei Menschen, die zusätzlich stark rauchen, steige das Risiko sogar auf das 8,5-Fache.

Refluxkrankheit kann zu Läsionen führen

Auch das Risiko durch eine Refluxkrankheit wird nun mit einem höheren Evidenzgrad bewertet. „Die aufsteigende Magensäure schädigt und verändert die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre“, sagt Porschen. Aus den so verursachten Läsionen entwickele sich deutlich leichter ein Tumor als aus gesundem Gewebe. Die Analyse einer US-Datenbank hat diesen Zusammenhang nun mit weiteren Zahlen untermauert: Etwa 13 Prozent der Adenokarzinome, neben dem Plattenepithelkarzinom der zweite Tumortyp im Ösophagus, gehen demnach auf einen chronischen Reflux zurück.

Diagnose soll sicherer werden

Auch im Bereich der Diagnose gibt es leichte Veränderungen. Wie Studien gezeigt haben, lassen sich Tumorherde oder Krebsvorstufen deutlich zuverlässiger erkennen, wenn die Schleimhaut vor der Untersuchung angefärbt wird (Färbe-Spray-Chromoendoskopie) oder das verwendete Farbspektrum im Rahmen einer virtuellen Chromoendoskopie digital verändert wird. „Um maligne Veränderungen sicher zu diagnostizieren, ist aber immer auch eine Biopsie notwendig“, betont Porschen und weist auf eine weitere Modifikation der Leitlinie hin: Ist bei einem Patienten die Schleimhaut bereits durch eine Refluxkrankheit verändert, soll die schwierige Beurteilung der Biopsie immer durch mindestens zwei Ärzte vorgenommen werden, um Fehldiagnosen zu vermeiden.

Auch die Empfehlungen zur chirurgischen Therapie wurden in der neuen Leitlinie etwas modifiziert: Hier wird nun explizit auch auf die Resektion von subkardialen Tumoren eingegangen, die hauptsächlich die Magenschleimhaut knapp unterhalb der Speiseröhre betreffen (AEG Typ III). In diesem Fall wird eine operative Entfernung des kompletten Magens empfohlen.

Foto: © momius - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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