. Schilddrüsenunterfunktion

Leicht erhöhte TSH-Werte im Alter normal

Erhöhte TSH-Werte deuten auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin. Doch nicht immer steckt ein krankhafter Befund dahinter. Bei älteren Menschen sind die Werte von Natur aus erhöht. Eine Behandlung brauchen die wenigsten, wie eine neue Studie zeigt.
Ältere Menschen mit leicht erhöhten TSH-Werten haben meist keine behandlungsbedürftige Schilddrüsenunterfunktion

Überflüssiger Hormonersatz? Ältere Menschen mit leicht erhöhten TSH-Werten haben meist keine behandlungsbedürftige Schilddrüsenunterfunktion

Das thyreo-stimulierende Hormon (TSH) gilt als Marker für Erkrankungen der Schilddrüse. Sind die Werte zu hoch, liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor. So steht es jedenfalls im Lehrbuch und viele Ärzte halten sich an die Formel. Zu berücksichtigen ist allerdings das Lebensalter. Denn bei Menschen über 65 ist der TSH-Wert  altersbedingt höher als bei Jüngeren. „Höher heißt nicht unbedingt, dass die Unterfunktion behandelt werden muss“, sagt Professor Dr. Dr. med. Dagmar Führer von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Auch könne es zu einer spontanen Normalisierung der TSH-Werte kommen. „Die Leitlinien empfehlen hier deshalb ein sehr zurückhaltendes Vorgehen“, so die Expertin vom Universitätsklinikum Essen.

Kein Benefit vom Hormonersatztherapie

Diese Zurückhaltung wurde nun in der TRUST-Studie bestätigt. In der Studie wurde bei Personen ab 65der Einfluss des Lebensalters auf den Behandlungsnutzen einer Schilddrüsenhormonsubstitution untersucht. Bei den Teilnehmern lagen die TSH-Werte zwischen 4,60 und 19,99 mU/l. Eine Hälfte der Gruppe erhielt zur Hormonsubstitution den Wirkstoff Levothyroxin, die andere Hälfte ein Placebo. Nach einem Jahr Therapie wurden keine Verbesserungen von Lebensqualität und Müdigkeitsempfinden beobachtet. Die Autoren der TRUST-Studie kamen zu dem Schluss, dass ältere Menschen von einer medikamentösen Behandlung mit Levothyroxin nicht profitieren, denn am Befinden der Patienten änderte sich nichts.

Die Studie zeigte außerdem, dass sich bei vielen Teilnehmern die Werte von alleine wieder normalisierten. 60 Prozent der Studienpopulation mit TSH-Erhöhung – das waren 2.647 Personen – hatten bei einer Wiederholungsuntersuchung zu einem späteren Zeitpunkt normale Schilddrüsenwerte. Leicht erhöhte TSH-Werte bis 7 mU/l normalisierten sich häufig spontan. Diesen Fund hatten schon frühere Untersuchungen gemacht.

Ältere Patienten nachkontrollieren

Dagmar Führer rät darum, bei gering erhöhtem TSH-Wert, die Untersuchung nach zwei bis drei Monaten zu wiederholen. „Erst danach ist eine weitere Abklärung auf eine ursächliche Schilddrüsenerkrankung angezeigt.“

Liegt der TSH-Wert bei 10 mU/l oder höher, besteht durchaus ein erhöhtes Risiko für Fettstoffwechselstörungen, kardiovaskuläre Ereignisse und eine beeinträchtigte Lebensqualität. Leiden die Patienten bereits an anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht, einer koronaren Herzkrankheit oder Diabetes, sollte ab diesem Wert eine Schilddrüsenhormonsubstitution gestartet werden, meint die Schilddrüsenexpertin. „Der zu erzielende Wert sollte altersbezogen eingestellt werden; also bei älteren Patienten durchaus auf TSH-Konzentrationen von 4 bis 6 mU/l“, so Führer. „Die Teilnehmer der TRUST-Studie hatten übrigens im Mittel – vor Therapiebeginn – TSH-Werte um 6,4 mU/l. Das dürfte miterklären, warum kein Behandlungsbenefit eintrat“, meint die Expertin aus Essen.

Für jüngere Erwachsene liegen die Referenzwerte bei etwa 0,4 bis 4,0 mU/l. Eine Schilddrüsenunterfunktion äußert sich durch Symptome wie Kälteempfindlichkeit, Müdigkeit oder depressive Verstimmungen.

Foto: AOK Mediendienst

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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