Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Lebertransplantation: Hepatitis-Infektion stimuliert das Immunsystem

Mittwoch, 9. Juli 2014 – Autor:
Chronische Hepatitis C-Infektionen gehören zu den häufigsten Gründen für Lebertransplantationen. Obwohl die Viren auch das neue Organ infizieren, wird es nicht abgestoßen. Forscher fanden jetzt heraus, warum: Die Virusinfektion ruft das Immunsystem auf den Plan.
Lebertransplantation: Hepatitis-Infektion stimuliert das Immunsystem

Hepatitis C: Marker für die Toleranz von Spenderorganen gefunden

Die Hepatitis C-Infektion einer transplantieren Leber unterstützt den Körper bei der Organakzeptanz – zumindest bei einer bestimmten Gruppe von Patienten. Diesen Fund machten Wissenschaftler aus München. Ihre Erklärung ist schlüssig: Das körpereigene Immunsystem wird durch das Virus so stimuliert, dass eine Abstoßungsreaktion unwahrscheinlich wird. Das funktioniert allerdings nur bei bestimmten Patienten und nur dann, wenn das Immunsystem nicht durch Immunsuppressiva unterdrückt wird.

In einer Studie mit 34 Lebertransplantierten konnten die Forscher vom Helmholtz Zentrum und der TU München nun zwei neue Biomarker identifizieren, mit der sich möglicherweise eine Organtoleranz vorhersagen lässt. Während der Studie wurden bei den Patienten die Immunsuppressiva abgesetzt. Anschließend wurden sie für zwölf Monate beobachtet, um zu sehen, wer sein Organ auch ohne Immunsuppressiva tolerierte und wer nicht. Vor und nach dem Absetzen der Medikamente entnahmen die Wissenschaftler Gewebe aus der Leber und dem Blut der Patienten.

Anti-viraler Mechanismus erhöht die Toleranz der transplantierten Leber

Das Ergebnis: Nur in Lebern von toleranten Patienten war eine bestimmte Gruppe von Genen sehr aktiv. Es handelte sich dabei um Gene des Typ I Interferon Systems, das als Teil des angeborenen Immunsystems gegen Viren wie das HCV gerichtet ist. Ein eigentlich anti-viraler Mechanismus erlaubt den Patienten somit ein fremdes Organ besser zu tolerieren, wie die Ergebnisse zeigten. Prof. Ulrike Protzer von der TU München liefert eine mögliche Erklärung: „Wenn das Interferon-System wie in einigen chronisch-infizierten Patienten ständig aktiviert wird, reguliert es andere Immunreaktionen nach unten, um den Körper zu schützen. Dieser Zustand könnte wie ein natürliches Immunsuppresivum wirken und die Abstoßung des Organs verringern.“

Neben den Genen des Typ I Interferon-Systems kam zudem ein zweiter bereits zuvor entdeckter Faktor als möglicher Marker in Frage. Patienten waren mit hoher Wahrscheinlichkeit tolerant, wenn sie zwei verschiedene Untergruppen von Immunzellen in einem bestimmten Verhältnis im Blut hatten.

 

Biomarker versus Immunsuppressiva

„Wenn durch bestimmte Marker eine Toleranz zuverlässig vorhersagbar wäre, könnten viele Patienten nach einer gewissen Zeit ihre Immunsuppressiva absetzen“, erklärt Dr. Felix Bohne, führender Wissenschaftler der Studie. Diese starken Medikamente müssen Patienten nach einer Transplantation einnehmen. Sie unterdrücken das Immunsystem, damit das neue Organ nicht als körperfremd erkannt und abgestoßen wird. Für Patienten mit einer Hepatitis C ist das eine besondere Belastung, weil sie nach der Transplantation eigentlich ein stabiles Immunsystem brauchen. Denn ihre chronische HCV-Infektion wird auch durch die neue Leber nicht beseitigt.

Foto: © fotoliaxrender - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Leber , Lebertransplantation , Organspende , Transplantation
 

Weitere Nachrichten zum Thema Transplatationen

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Das zeigt sich auch in der Sommerhitze. Ihre Haut ist im Verhältnis zur Körpermasse doppelt so groß. Das macht sie anfällig für Flüssigkeitsverlust und bietet eine enorme Angriffsfläche für die Einwirkung von Sonne und Hitze.

 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin