. Organakzeptanz

Lebertransplantation: Hepatitis-Infektion stimuliert das Immunsystem

Chronische Hepatitis C-Infektionen gehören zu den häufigsten Gründen für Lebertransplantationen. Obwohl die Viren auch das neue Organ infizieren, wird es nicht abgestoßen. Forscher fanden jetzt heraus, warum: Die Virusinfektion ruft das Immunsystem auf den Plan.
Lebertransplantation: Hepatitis-Infektion stimuliert das Immunsystem

Hepatitis C: Marker für die Toleranz von Spenderorganen gefunden

Die Hepatitis C-Infektion einer transplantieren Leber unterstützt den Körper bei der Organakzeptanz – zumindest bei einer bestimmten Gruppe von Patienten. Diesen Fund machten Wissenschaftler aus München. Ihre Erklärung ist schlüssig: Das körpereigene Immunsystem wird durch das Virus so stimuliert, dass eine Abstoßungsreaktion unwahrscheinlich wird. Das funktioniert allerdings nur bei bestimmten Patienten und nur dann, wenn das Immunsystem nicht durch Immunsuppressiva unterdrückt wird.

In einer Studie mit 34 Lebertransplantierten konnten die Forscher vom Helmholtz Zentrum und der TU München nun zwei neue Biomarker identifizieren, mit der sich möglicherweise eine Organtoleranz vorhersagen lässt. Während der Studie wurden bei den Patienten die Immunsuppressiva abgesetzt. Anschließend wurden sie für zwölf Monate beobachtet, um zu sehen, wer sein Organ auch ohne Immunsuppressiva tolerierte und wer nicht. Vor und nach dem Absetzen der Medikamente entnahmen die Wissenschaftler Gewebe aus der Leber und dem Blut der Patienten.

Anti-viraler Mechanismus erhöht die Toleranz der transplantierten Leber

Das Ergebnis: Nur in Lebern von toleranten Patienten war eine bestimmte Gruppe von Genen sehr aktiv. Es handelte sich dabei um Gene des Typ I Interferon Systems, das als Teil des angeborenen Immunsystems gegen Viren wie das HCV gerichtet ist. Ein eigentlich anti-viraler Mechanismus erlaubt den Patienten somit ein fremdes Organ besser zu tolerieren, wie die Ergebnisse zeigten. Prof. Ulrike Protzer von der TU München liefert eine mögliche Erklärung: „Wenn das Interferon-System wie in einigen chronisch-infizierten Patienten ständig aktiviert wird, reguliert es andere Immunreaktionen nach unten, um den Körper zu schützen. Dieser Zustand könnte wie ein natürliches Immunsuppresivum wirken und die Abstoßung des Organs verringern.“

Neben den Genen des Typ I Interferon-Systems kam zudem ein zweiter bereits zuvor entdeckter Faktor als möglicher Marker in Frage. Patienten waren mit hoher Wahrscheinlichkeit tolerant, wenn sie zwei verschiedene Untergruppen von Immunzellen in einem bestimmten Verhältnis im Blut hatten.

 

Biomarker versus Immunsuppressiva

„Wenn durch bestimmte Marker eine Toleranz zuverlässig vorhersagbar wäre, könnten viele Patienten nach einer gewissen Zeit ihre Immunsuppressiva absetzen“, erklärt Dr. Felix Bohne, führender Wissenschaftler der Studie. Diese starken Medikamente müssen Patienten nach einer Transplantation einnehmen. Sie unterdrücken das Immunsystem, damit das neue Organ nicht als körperfremd erkannt und abgestoßen wird. Für Patienten mit einer Hepatitis C ist das eine besondere Belastung, weil sie nach der Transplantation eigentlich ein stabiles Immunsystem brauchen. Denn ihre chronische HCV-Infektion wird auch durch die neue Leber nicht beseitigt.

Foto: © fotoliaxrender - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Leber , Lebertransplantation , Organspende , Transplantation
 

Weitere Nachrichten zum Thema Transplatationen

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Nachdem KBV-Chef Andreas Gassen Maßnahmen gegen das Ärzte-Hopping in Deutschland gefordert hat, meldet sich nun auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) zu Wort. Er plädiert dafür, allzu häufige Arztbesuche von Eltern mit ihren Kindern zu begrenzen.
Wird sie nicht rechtzeitig erkannt, endet eine Sepsis in der Regel tödlich. Die Schwierigkeit liegt jedoch darin, dass die Anzeichen einer Sepsis häufig den Symptomen von harmlosen Infektionskrankheiten ähneln. Dennoch gibt es Hinweise für eine Sepsis, die mit den richtigen diagnostischen Maßnahmen zu erkennen sind.
. Top-Termine
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.