. Wechselwirkungen bei Medikamenten

Lebensmittel können die Wirkung von Arzneimitteln ungeahnt schwächen – oder ungewollt verstärken

"Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein“: Wenn dieser Satz von Hippokrates, dem berühmtesten Arzt der Antike, stimmt, dann nehmen wir mit der Nahrung täglich kiloweise Arzneimittel zu uns. Keine Überraschung eigentlich, dass es da zu Wechselwirkungen mit eingenommenen Medikamenten kommen kann.
Frisches Obst und Gemüse auf Teller mit Medikamenten in Blisterverpackung

Biotop für Wechselwirkungen von Lebensmitteln und Medikamenten: Schon eine einzige Mahlzeit kann hunderte potenziell interagierende chemische Verbindungen enthalten.

Jeder kennt sie von den Beipackzetteln in Medikamentenpackungen: die Rubrik „Wechselwirkungen mit anderen Mitteln“. Und dass man Medikamente nicht mit Alkohol einnehmen soll, gilt als allgemein bekannt. Doch dass auch harmlose Lebensmittel mit Medikamenten gefährlich reagieren können, beginnt man verwundert zu ahnen, wenn der Arzt einem ausdrücklich davon abrät, Antibiotika mit Milch einzunehmen: das in Milchprodukten enthaltene Calcium nämlich kann die Wirkungen bestimmter Antibiotika stören. Dass aber „Lebens“-Mittel, erst recht solche populären und als gesund geltenden wie Vollkornprodukte, die Heilwirkung von Medizin torpedieren können – das klingt für die meisten unglaublich. Aber Fakt ist zu Beispiel: Ballaststoffe binden nicht nur Giftstoffe im Darm an sich, sondern auch pharmakologische Wirkstoffe wie die von Schmerzmitteln.

Bio-Reaktor Mittagessen: Hunderte miteinander reaktionsfähige Stoffe

„Viele Patienten wissen gar nicht, dass die Medikamente, die sie regelmäßig einnehmen, Wechselwirkungen mit bestimmten Nahrungsmitteln haben können", sagt Karoline Kulke, Ärztin und Mitglied des medizinischen Beirats beim Telemedizinportal „Fernarzt“. „Deshalb sei es wichtig, Patienten über mögliche Wechselwirkungen zu informieren, da sie unter Umständen weitreichende Folgen für die Wirkung ihrer Medikamente und damit für die Krankheitsentwicklung haben könnten. Das Verblüffende sei, so sagen die Experten von Fernarzt.com: „Bereits eine einzige Mahlzeit kann mehrere hundert potenziell interagierende chemische Verbindungen enthalten.“

 

Grapefruit, Pfeffer, Schokolade: Vorsicht, Wechselwirkungen!

Die Grapefruit gilt in diesem Zusammenhang als besonders mit Vorsicht zu genießen, weil sie die Wirkung von Schmerzmitteln, Verhütungsmitteln und Blutdrucksenkern verstärkt. Bei bestimmten Cholesterinsenkern kann die Konzentration bereits durch ein Glas Grapefruitsaft pro Tag deutlich erhöht werden. Auch bei Mineralwasser ist demnach Vorsicht geboten. Abgefülltes Wasser enthält häufig viel Calcium: ein Mineral, das die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen und Antibiotika hemmt. Der Genuss von schwarzem Pfeffer, der laut Bundeszentrum für Ernährung eine positive verdauungsfördernde Wirkung hat, kann – wie leider auch Schokolade – im Zusammenspiel mit Asthma-Medikamenten, die den Wirkstoff Theophyllin enthalten, zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen: Beide Lebensmittel können in Kombination mit Theophyllin zu Herzrhythmusstörungen führen.

Wichtig: Zeitabstand zwischen Mahlzeiten und Medizin-Einnahme

Hilfreich gegen unerwünschte Wechselwirkungen kann oft schon die zeitlich getrennte Einnahme von Mahlzeiten und Arzneimitteln sein, wie sie im Beipackzettel formuliert ist. „Vor dem Essen“ bedeutet: ca. 30 Minuten davor. „Zum Essen“ bedeutet: während der Mahlzeit. „Nach dem Essen“ bedeutet: ca. zwei Stunden nach einer Mahlzeit. „Nüchtern“ heißt: in er Regel nur morgens vor dem Frühstück. Medikamente in Tablettenform sollten vorzugsweise mit Leitungswasser eingenommen werden, wegen seiner Wirkneutralität.

Die sieben am häufigsten verschriebenen Medikamentengruppen
und ihre Wechselwirkungen mit Lebensmitteln:

Schmerzmittel:

Alkohol behindert die Wirkung von Schmerzmitteln und belastet die Leber.
Ballaststoffe aus Vollkornprodukten umschließen auch Wirkstoffe und hemmen beispielsweise die Aufnahme von Schmerzmitteln.
Grapefruit verstärkt die Wirkung von Schmerzmitteln, indem sie ihren Abbau hemmt.

Hormonelle Verhütungsmittel:

Johanniskraut: Das häufig in Nahrungsergänzungsmitteln und Tees vorkommende Johanniskraut ist ein pflanzliches Präparat zur Beruhigung und gegen Depressionen. Aber: Es hemmt auch die Wirkung der Anti-Baby-Pille und kann somit die Wahrscheinlichkeit für eine unerwünschte Schwangerschaft erhöhen.
Trockenobst kann abführend wirken und damit auch die Wirkstoffe der Pille schneller als gewünscht aus dem Körper befördern.
Grapefruit: Der hierin enthaltene Bitterstoff Naringenin verhindert dagegen den schnellen Abbau hormoneller Verhütungsmittel, was wiederum die Gefahr von Thrombosen erhöht.

Bluthochdrucksenker:

Bananen steigern den Kaliumspiegel im Blut. Mögliche Folgen: Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen.
Lakritze: Das hierin enthaltene Extrakt der Süßholzwurzel lässt den Blutdruck ansteigen und torpediert die Wirkung blutdrucksenkender Medikamente.
Grapefruit: Sie verstärkt auch hier die Wirkung der Medikamente.

Asthmamittel:

Schwarzer Pfeffer verstärkt Asthmamittel, die den Wirkstoff Theophyllin enthalten. Mögliche Folgen: Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen.
Schokolade, schwarzer/grüner Tee: Die hierin enthaltenen Tannine verstärken wie schwarzer Pfeffer den Wirkstoff Theophyllin.

Antibiotika:

Milch: Das in der Milch enthaltene Calcium geht mit Stoffen aus Antibiotika schwer lösliche Verbindungen ein. Das bremst die Wirkung und verzögert die Heilung.
Mineralwasser: Stark calciumhaltiges Wasser verzögert wie Milch die Wirkung von
Antiobiotika.
Koffein: Enthalten die verschriebenen Antibiotika sogenannte Gryasehemmer, ist Koffein tabu, denn diese Wirkstoffe hemmen den Koffeinabbau. Mögliche Folgen: Herzrasen, Schlafstörungen.

Schilddrüsenhormone:

Kohlgemüse: Verschiedene Glykoside in Kohlgemüse verhindern die Umwandlung von Jod in Schilddrüsenhormone und verringern die Jodaufnahme durch die Schilddrüse.
Sojabohnen vermindern die Wirkung von Levothyroxin. Dieses Schilddrüsenhormon ist in vielen Medikamenten zur Behandlung einer Unterfunktion enthalten.
Mineralwasser mit viel Calcium und Magnesium: Diese Mineralien können Schilddrüsenhormone wirkungslos machen.

Cholesterinsenker:

Grapefruit: Der Bitterstoff Naringenin hemmt Enzyme, die Arzneimittel im Körper abbauen. Die Wirkung von Cholesterinsenkern wird damit verstärkt.

(Quelle: www.fernarzt.com)

Foto: Fotolia.com/lola1960

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Hauptkategorie: Medizin
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