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Lauterbach sieht noch kein Ende der Pandemie

Sonntag, 9. Januar 2022 – Autor:
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hält den Glauben, dass Omikron das Ende der Pandemie ist, für naiv. Doch es gibt führende Experten, die das anders sehen. Das sind die Gründe.
Ist Omikron der Weg aus der Pandemie? Experten kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen

Ist Omikron der Weg aus der Pandemie? Experten kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen – Foto: © Adobe Stock/ denisismagilov

Die Frage, wann die Pandemie zu Ende ist, treibt wohl jeden um. Und wie soft kommen Experten zu unterschiedlichen Einschätzungen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht noch kein Ende der Pandemie in Sicht. Auch nicht durch die deutlich mildere Omikron-Variante. „Der Glaube, dass die Omikron-Variante das Ende der Pandemie ist, ist naiv“, sagte er im Interview mit der Zeitung „Welt“. Denn, es könne niemand garantieren, „dass sich demnächst nicht eine Variante entwickelt, die sehr viel gefährlicher ist.“ Dieses Risiko denke er mit. Darum ist er auch für eine Impfpflicht. „Eine Omikron-Infektion macht nicht zwingend immun vor der nächsten Virusvariante", sagte er.

Es wird neue Varianten des Coronavirus geben

Bei Naturkatastrophen ist natürlich nichts auszuschließen. Und niemand bestreitet, dass es weitere Coronavirus-Varianten geben wird. Doch werden die auch gefährlicher sein, als alle vorherigen Varianten, wie Lauterbach es für möglich hält?

Es gibt Erfahrungswerte aus früheren Pandemien und mit anderen Viren, die für die jetzige Situation genutzt werden können, um Wahrscheinlichkeiten zu bestimmen. Vor diesem Hintergrund kommt der Epidemiologe und Virologe Klaus Stöhr zu einer ganz anderen Einschätzung als Karl Lauterbach.

 

Das Virus passt sich an

Stöhr sagt, das Coronavirus sei gerade dabei, sich an den Menschen anzupassen. „Wenn man sich anschaut, wie sich die Viren in den letzten Monaten entwickelt haben, ist es ein deutlicher Schritt Richtung Ende der Pandemie", sagte Stöhr in der phoenix-Sendung corona nachgehakt. Das Virus werde sich vielleicht nicht mehr so tief in der Lunge vermehren, dafür seien mit Omikron verstärkt andere Organe, "vielleicht nur die Nase oder die Schleimhaut im Nasen-, Rachenraum", betroffen. Zudem verkürze sich die Inkubationszeit. „All das sind eigentlich Zeichen der Anpassung an den Menschen, und das ist der richtige Ansatz, wenn man näher an das Ende der Pandemie kommen will", so der ehemalige Leiter des Globalen Influenza-Programms für die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Alle gängigen Viren seien mal vom Tier auf den Menschen übergesprungen und hätten sich dann dem Menschen angepasst, argumentiert Stöhr. Das Ziel eine Virus sei, „nicht den Wirt zu töten, sondern zu überleben.“ Und genau diesen Anpassungsprozess sehe man gerade an Omikron. Laut Stöhr ist das Virus also bereits auf dem Weg, endemisch zu werden –und es werde möglicherweise so harmlos wie die anderen Corona-Erkältungsviren, betonte der Pandemieexperte.

Übergang zur Endemie muss vorbereitet werden

Man müsse den Übergang zur Endemie jetzt vorbereiten, fordert Stöhr auf Twitter. Und er fragt: „Wo sind die Handlungskonzepte? Welche Parameter und Indikatoren werden verwendet? Welche Maßnahmen wann und wie stufenweise zurückgefahren?“ Und weil die Frage ins Leere geht fügt er hinzu: „Failure of planning is planning for failure.“

Karl Lauterbach indes zweifelt noch, ob uns Omikron in die endemische Lage führen wird. „Das könnte sein, aber es ist nicht sicher“, sagte er „Welt.“ Es hänge davon ab, wie viele Menschen sich infizierten und wie geschützt die Menschen vor neuen Varianten seien. Man sei auf alle Szenarien vorbreitet.

Hauptkategorien: Corona , Gesundheitspolitik , Medizin
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