. Kehlkopfentzündung

Laryngitis gastrica: Alkalisches Wasser statt PPI?

Die Laryngitis gastrica wird im Regelfall mit Protonenpumpenhemmern behandelt. Doch eine pflanzlich basierte, mediterrane Diät kombiniert mit alkalischem Wasser könnte die Beschwerden eventuell genauso gut lindern.
Alkalisches Wasser

Basisches Wasser könnte einer durch Reflux bedingten Kehlkopfentzündung entgegenwirken

Die Laryngitis gastrica oder Kehlkopfentzündung wird durch einen Reflux von Magensäure in den Kehlkopf verursacht. Dabei kommt es zunächst zu einem Rückfluss des sauren Mageninhalts in die Speiseröhre und den Rachen, was symptomfrei verlaufen kann. Nach und nach treten dann jedoch oft typische Refluxsymptome wie Sodbrennen und Druckgefühle auf. Schließlich kann die Magensäure sogar den Kehlkopf angreifen, was zu einer Reizung der Schleimhaut und in der Folge zu Heiserkeit und einem Fremdkörpergefühl im Hals führen kann.

Üblicherweise werden gegen die Symptome Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) eingesetzt. Doch Craig Zalvan, ein US-amerikanischer Laryngo­loge vom New York Medical College, berichtet nun im Fachmagazin JAMA Otolaryngology Head Neck Surgery, dass alkalisches Wasser und eine mediterrane, proteinarme Diät genauso effektiv zu einer Linderung der Laryngitis gastrica führen können.

Proteinarme Ernährung und basisches Wasser könnten helfen

Zalvan vertritt die Theorie, dass weniger die Magensäure für die Irritation der Schleimhaut verantwortlich ist als vielmehr das im Magensaft enthaltene Pepsin. Pepsin ist ein Enzym, das im sauren Milieu des Magens aktiv ist und durch einen alkalischen pH-Wert inaktiviert wird. Proteinreiche Mahlzeiten steigern hingegen die Produktion von Pepsin. Daher riet der Arzt seinen Patienten, sich nach den Regeln der sogenannten Mittelmeer-Diät zu ernähren, also wenig Fleisch und Milchprodukte zu verzehren und stattdessen mehr Olivenöl, Nüsse, Fisch, Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Zudem sollten sie alkalisches Wasser trinken.

Wasser hat normalerweise einen pH-Wert von 7. Hat es einen höheren Wert, ist das Wasser alkalisch beziehungsweise basisch, bei Werten unter 7 ist es sauer. Basisches Wasser wird häufig auch im Rahmen von Fastenkuren empfohlen, da es den Stoffwechsel antreiben, den Säuregehalt im Blut mindern und dem Körper helfen soll, Nährstoffe schneller aufzunehmen. Einen Beweis für die Wirksamkeit von basischem Wasser zur Vermeidung angeblich übersäuerungsbedingter Krankheiten konnte bisher jedoch nicht erbracht werden.

 

Weitere Studien müssen Ergebnisse noch bestätigen

Nach Angaben von Zalvan erreichten unter Protonenpumpenhemmern 54,1 Prozent seiner Patienten eine klinisch bedeutsame Reduktion des Reflux Symptom Index (RSI) um sechs oder mehr Punkte; unter der Diät­ kombiniert mit dem alkalischen Wasser waren es 62,6 Prozent. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen war damit insgesamt nicht signifikant. Da PPIs aber auf Dauer schädliche Nebenwirkungen haben können, wäre diesen Ergebnissen nach die Diättherapie zu bevorzugen.

Da es sich bei der Analyse jedoch nicht um eine randomisierte klinische Studie handelt, können noch keine konkreten Empfehlungen daraus abgeleitet werden. Die Ergebnisse müssten nun durch weitere Studien bestätigt werden. Dennoch könnte es sich bei der proteinarmen Diät in Kombination mit alkalischem Wasser um einen interessanten neuen Therapieansatz für die Laryngitis gastrica handeln.

Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sodbrennen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Reflux

| Symptome können manchmal irreführend sein – Beispiel Refluxkrankheit. Bei jedem fünften Patienten fehlen die klassischen, bekannten Beschwerden wie das Sodbrennen. Stattdessen leiden Organe jenseits des Verdauungstraktes wie die Atemwege – bis hin zur Lungenentzündung.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Kopflausbefall ist europaweit die häufigste Parasiten-Erkrankung im Kindesalter. Fälschlicherweise wird der Befall oft auf mangelnde Hygiene zurückgeführt. Betroffene schämen sich und schweigen. Dabei ist es wichtig, über das Tabuthema offen zu sprechen und die Parasiten so schnell es geht zu behandeln. Sonst können sie weitere Familienmitglieder, Mitschüler oder Freunde befallen.
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.