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29.07.2015

Langzeitwirkung von Depressionsmittel Ketamin noch nicht erforscht

Ketamin gilt derzeit als großer Hoffnungsträger in der Therapie von schweren Depressionen. Ob das Narkosemittel am Ende mehr schadet als nutzt, ist jedoch noch nicht erforscht.
Ketamin wirkt kurzfristig bei therapieresistenten Depressionen. Über positive oder negative Langzeitwirkungen ist wenig bekannt

Ketamin wirkt kurzfristig bei therapieresistenten Depressionen. Über positive oder negative Langzeitwirkungen ist wenig bekannt

Im Jahr 2006 wurde Ketamin erstmals bei schweren Depressionen erprobt. Dr. Carlos Zarate vom US-amerikanischen National Institute of Mental Health verabreichte einem Patientenkollektiv Ketamin in sehr geringen Dosen – mit verblüffendem Erfolg: Bei rund 71 Prozent der Probanden schienen die Depression bereits nach wenigen Stunden wie ausgelöscht. Seither wurden zahlreiche Studien mit Ketamin bei Patienten durchgeführt, die auf gängige Antidepressiva nicht ansprachen. Im Schnitt wirkte das Mittel bei rund 50 Prozent der Patienten. Doch bei manchen erfolgreich therapierten Patienten wurden auch wieder schwere Rückfälle beobachtet. Bei einigen führte Ketamin außerdem zu Nebenwirkungen wie Blutdruckanstieg, Schwindel und Muskelzuckungen und auch Halluzinationen.

Ketamin lässt noch viele Fragen offen

Als Standardtherapie ist Ketamin deswegen ungeeignet, auch weil man noch nichts über die Langzeitwirkungen weiß. Ketamin greift in viele unterschiedliche Systeme im Gehirn, es bindet etwa an den NMDA-Rezeptor und sorgt dafür, dass der Botenstoff Glutamat länger im Umlauf bleibt. Was diese Manipulation langfristig im Gehirn bewirkt, ist derzeit noch unklar. Bestenfalls hat es einen positiven Langzeiteffekt. Derzeit nimmt man an, dass durch die Einnahme von Ketamin Wachstumsfaktoren ausgeschüttet werden, die die Bildung von neuen Nervenverbindungen fördern, die krankheitsbedingt abgebaut worden sind. Doch auch negative Langzeitwirkungen sind möglich. Große placebo-kontrollierte Studien sind deshalb dringend geboten.  

Trotz dürftiger Studienlag werden Ketamin-Behandlungen in den USA und Deutschland mittlerweile von einigen Privatpraxen angeboten. Doch dafür sei es viel zu früh, sagte der Psychiater Malek Bajbouj der Neuen Züricher Zeitung. Bajbouj führt an der Berliner Charité eine Studie mit Ketamin durch, in der unter anderem mögliche negative Auswirkungen bei einer wiederholten Verabreichung untersucht werden.

 

Beliebter Turboglücksbringer in der Drogenszene

Ketamin kam ursprünglich als medizinisches Anästhetikum und Narkosemittel auf den Markt. Wegen seiner glücksbringenden Eigenschaften wird Ketamin auch als Modedroge unter den Namen "K", "Migthy K" "Special K" oder "Kitcat" konsumiert. Die Beschaffung ist relativ einfach. Ketamin ist zwar verschreibungspflichtig, unterliegt aber nicht dem Betäubungsmittelgesetz.

Foto: © BillionPhotos.com - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
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