. Depression

Langzeitwirkung von Depressionsmittel Ketamin noch nicht erforscht

Ketamin gilt derzeit als großer Hoffnungsträger in der Therapie von schweren Depressionen. Ob das Narkosemittel am Ende mehr schadet als nutzt, ist jedoch noch nicht erforscht.
Ketamin wirkt kurzfristig bei therapieresistenten Depressionen. Über positive oder negative Langzeitwirkungen ist wenig bekannt

Ketamin wirkt kurzfristig bei therapieresistenten Depressionen. Über positive oder negative Langzeitwirkungen ist wenig bekannt

Im Jahr 2006 wurde Ketamin erstmals bei schweren Depressionen erprobt. Dr. Carlos Zarate vom US-amerikanischen National Institute of Mental Health verabreichte einem Patientenkollektiv Ketamin in sehr geringen Dosen – mit verblüffendem Erfolg: Bei rund 71 Prozent der Probanden schienen die Depression bereits nach wenigen Stunden wie ausgelöscht. Seither wurden zahlreiche Studien mit Ketamin bei Patienten durchgeführt, die auf gängige Antidepressiva nicht ansprachen. Im Schnitt wirkte das Mittel bei rund 50 Prozent der Patienten. Doch bei manchen erfolgreich therapierten Patienten wurden auch wieder schwere Rückfälle beobachtet. Bei einigen führte Ketamin außerdem zu Nebenwirkungen wie Blutdruckanstieg, Schwindel und Muskelzuckungen und auch Halluzinationen.

Ketamin lässt noch viele Fragen offen

Als Standardtherapie ist Ketamin deswegen ungeeignet, auch weil man noch nichts über die Langzeitwirkungen weiß. Ketamin greift in viele unterschiedliche Systeme im Gehirn, es bindet etwa an den NMDA-Rezeptor und sorgt dafür, dass der Botenstoff Glutamat länger im Umlauf bleibt. Was diese Manipulation langfristig im Gehirn bewirkt, ist derzeit noch unklar. Bestenfalls hat es einen positiven Langzeiteffekt. Derzeit nimmt man an, dass durch die Einnahme von Ketamin Wachstumsfaktoren ausgeschüttet werden, die die Bildung von neuen Nervenverbindungen fördern, die krankheitsbedingt abgebaut worden sind. Doch auch negative Langzeitwirkungen sind möglich. Große placebo-kontrollierte Studien sind deshalb dringend geboten.  

Trotz dürftiger Studienlag werden Ketamin-Behandlungen in den USA und Deutschland mittlerweile von einigen Privatpraxen angeboten. Doch dafür sei es viel zu früh, sagte der Psychiater Malek Bajbouj der Neuen Züricher Zeitung. Bajbouj führt an der Berliner Charité eine Studie mit Ketamin durch, in der unter anderem mögliche negative Auswirkungen bei einer wiederholten Verabreichung untersucht werden.

Beliebter Turboglücksbringer in der Drogenszene

Ketamin kam ursprünglich als medizinisches Anästhetikum und Narkosemittel auf den Markt. Wegen seiner glücksbringenden Eigenschaften wird Ketamin auch als Modedroge unter den Namen "K", "Migthy K" "Special K" oder "Kitcat" konsumiert. Die Beschaffung ist relativ einfach. Ketamin ist zwar verschreibungspflichtig, unterliegt aber nicht dem Betäubungsmittelgesetz.

Foto: © BillionPhotos.com - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychiatrie , Depression , Antidepressiva , Psychopharmaka

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Depression

| Patienten mit Depressionen haben zurzeit die Wahl zwischen einer Vielzahl verschiedener Antidepressiva, die unterschiedlich wirken und unterschiedliche Nebenwirkungsprofile haben. Eine amerikanische Studie hat nun gezeigt, dass ein EEG bereits im Vorfeld der Therapie Hinweise liefern kann, welches Medikament für einen Patienten am besten geeignet ist.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Keine Altersgruppe wächst so schnell wie die der Hochbetagten. Viele, die auf die 100-Jahre-Marke zusteuern, verfügen über eigene Ideen und Strategien für ein gutes Altern. Die Wissenschaft, kritisiert jetzt eine der wenigen Altersforscherinnen, habe dies bisher aber so gut wie übersehen.
Autismus ist eine neurologische Entwicklungsstörung. Betroffene haben unter anderem Schwierigkeiten mit der sozialen Interaktion und neigen zu stereotypen Verhaltensmustern. Nun hat eine Studie gezeigt, dass der Einsatz von Neurofeedback dazu beitragen kann, die Symptome zu lindern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Evangelisches Geriatriezentrum Berlin gGmbH, Reinickendorfer Straße 61, 13347 Berlin

Anzeige
 

. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Kliniken
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.