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01.01.2018

Langes Leben: Es sind nicht nur die Gene

Schon länger ist bekannt, dass ein besonders hohes Alter vor allem eine Frage der Gene ist. Forscher haben nun neue Erkenntnisse über das sogenannte „Langlebigkeits-Gen“ FOXO3 gewonnen. Offenbar ist dessen Wirkung nicht völlig unabhängig von der Lebensweise.
Langlebigkeitsgene

Ein langes, gesundes Leben hat verschiedene Ursachen

Das Gen FOXO3 fördert bei Menschen die Langlebigkeit – das haben Mitglieder des Exzellenzclusters „Entzündungsforschung“ vom Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel bereits 2009 für die deutsche Bevölkerung nachgewiesen. Doch bisher war nicht bekannt, welche Veränderungen im FOXO3-Gen zum Erreichen eines besonders hohen Alters beitragen. Nun sind die Forscher zu neuen Erkenntnissen gelangt, die sie in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht haben.

FOXO3 fördert ein langes Leben

„Wir können mit unseren neuen Daten zeigen, dass insbesondere zwei Varianten im Gen FOXO3 ein langes Leben fördern“, fassen die Erstautorinnen Dr. Friederike Flachsbart und Dr. Janina Dose vom IKMB ihre Ergebnisse zusammen. „Diese Veränderungen fanden wir häufiger bei Hundertjährigen als bei Menschen zwischen 60 und 75 Jahren.“ Die Fachleute untersuchten in der aktuellen Studie nicht nur Deutsche, sondern verglichen ihre Ergebnisse auch mit Daten aus Dänemark und Frankreich. Dabei ähnelten sich die genetischen Muster der Hundertjährigen stark. Die identifizierten Varianten führen wahrscheinlich über eine erhöhte Expression des FOXO3 Gens zur Langlebigkeit; einen ähnlichen Mechanismus kennt man auch von Würmern, Fliegen und Mäusen.

Aber nicht nur die genetischen Voraussetzungen, sondern auch die Umwelt- und Ernährungsbedingungen, unter denen Menschen leben, entscheiden darüber, wie alt diese werden. Es scheint, dass die lebensverlängernden Effekte von FOXO3-Gens vor allem dann zum Tragen kommen, wenn das Nahrungsangebot nicht zu reichhaltig ist. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die beiden Langlebigkeitsvarianten in FOXO3 unter normalen und nährstoffarmen Bedingungen zu einer höheren Expression des Gens führen.

 

Reichhaltiges Nahrungsangebot stört die Genexpression

„Unsere experimentellen Daten legen nahe, dass für unser heutiges Ernährungsverhalten, das eher durch ein Zuviel als durch ein Zuwenig gekennzeichnet ist, die jetzt nachgewiesenen Veränderungen im Langlebigkeits-Gen eher ein Nachteil sein könnten“, vermutet Professor Almut Nebel, die Leiterin der Studie.  

Eine interessante Entwicklung zeigt der Vergleich mit publizierten Daten aus menschlichen Skeletten der Jungsteinzeit, also von vor etwa 7000 Jahren: In dieser Zeit kamen die beiden Langlebigkeitsvarianten des FOXO3 in der Bevölkerung deutlich häufiger vor als heute. Ein möglicher Grund ist die erhebliche Veränderung der Nahrungszusammensetzung. Denn vor rund 7000 Jahren wurden die Menschen in Europa sesshaft und begannen, beispielsweise mehr Kohlenhydrate und tierisches Eiweiß in Form von Milch oder Fleisch zu sich zu nehmen. Vermutlich wurden dann im Laufe der Jahrtausende die beiden Langlebigkeitsvarianten von FOXO3 seltener, da sie ihren Trägern infolge des veränderten Ernährungsverhaltens keinen Fitness- und Überlebensvorteil mehr boten.

Foto: © Monkey Business - Fotolia.com

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Autor: anvo
Hauptkategorie: Demografischer Wandel
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