Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Langes Fernsehen erhöht Risiko für venöse Thromboembolien

Freitag, 18. Februar 2022 – Autor:
Durch Corona wird mehr ferngesehen. Doch das lange Sitzen vor dem TV-Gerät kann die Gefahr für venöse Thromboembolien erhöhen. Sport kann das nicht ausgleichen.
Langes Sitzen vor dem Fernseher kann die Entstehung von Blutgerinnseln begünstigen

– Foto: Adobe Stock/Kaspar Grinvalds

Durch Corona wird mehr ferngesehen. Doch das lange Sitzen vor dem TV-Gerät kann die Gefahr für venöse Thromboembolien (VTE) erhöhen. Vier Stunden oder mehr pro Tag sind mit einem um 35 Prozent höheren Risiko für diese Blutgerinnsel verbunden, verglichen mit Menschen, die weniger als 2,5 Stunden pro Tag fernsehen. Das fand eine Forscherteam der University of Bristol heraus.

Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin European Journal of Preventive Cardiology veröffentlicht. Die Studie untersuchte das Auftreten von Lungenembolie (Blutgerinnsel in der Lunge) und tiefer Venenthrombose (ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene, normalerweise in den Beinen, die in die Lunge wandern und eine Lungenembolie verursachen kann).

Langes Fernsehen erhöht Risiko für venöse Thromboembolien

Die Analyse umfasste drei Studien mit insgesamt 131.421 Teilnehmern ab 40 Jahren ohne VTE. Die vor dem Fernseher verbrachte Zeit wurde anhand eines Fragebogens bewertet, und die Teilnehmer wurden in intensive Zuschauer (mindestens vier Stunden Fernsehen pro Tag) und Nie-/Selten-Zuschauer (weniger als 2,5 Stunden Fernsehen pro Tag) eingeteilt.

Die Dauer der Nachbeobachtung lag bei 5,1 bis 19,8 Jahren. 964 Teilnehmer entwickelten in diesem Zeitraum eine VTE. Langzeitzuschauer hatten eine um 35 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, eine VTE zu entwickeln, als Nie-/Selten-Zuschauern. Der Zusammenhang war unabhängig von Alter, Geschlecht, BMI und körperlicher Aktivität. Langes Fernsehen erhöht also das Risiko für venöse Thromboembolien.

 

Was Forscher den Fernsehzuschauern raten

"Unsere Studienergebnisse deuten auch darauf hin, dass körperliche Aktivität das erhöhte Risiko von Blutgerinnseln im Zusammenhang mit längerem Fernsehen nicht beseitigt", sagte Hauptautor Dr. Setor Kunutsor von der Bristol Medical School. Sein Tipp: "Wenn Sie fernsehen, müssen Sie Pausen einlegen. Sie können alle 30 Minuten stehen und sich strecken oder einen Heimtrainer benutzen. Und vermeiden Sie es, Fernsehen mit ungesunden Snacks zu kombinieren."

Zu den möglichen Gründen für den beobachteten Zusammenhang sagte er: "Längerer Fernsehkonsum ist mit einer Immobilisierung verbunden, die ein Risikofaktor für VTE ist. Sitzen Sie über einen längeren Zeitraum in einer verkrampften Position, sammelt sich das Blut eher in Ihren Extremitäten als dass es zirkuliert, und dies kann zu Blutgerinnseln führen." Auch wer im Beruf lange vor dem Computer sitzt, sollte zwischendurch aufstehen und sich bewegen.

Deutsche sitzen 10 Stunden am Tag vor dem Bildschirm

Wie eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergab, beträgt die durchschnittliche Bildschirmzeit der Deutschen (beruflich und privat) mittlerweile 10 Stunden pro Tag, 70 Stunden in der Woche. Dieser Wert ist seit Beginn der Pandemie vor zwei Jahren von damals 8 Stunden um noch einmal 2 Stunden pro Tag gewachsen. Starke Anstiege verzeichnen vor allem Videostreaming, Videotelefonie und Online-Shopping.

 

Weitere Nachrichten zum Thema Bildschirm

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Damit eine Sonnenbrille nicht trügerische Sicherheit vorgaukelt, sondern unsere empfindlichen Augen vor aggressiver UV-Strahlung wirksam schützt, muss sie bestimmte Mindeststandards erfüllen. Der UV-Schutz bis 400 Nanometer ist nur einer davon.


Innenstädte leiden besonders unter Hitzewellen. Was Grünflächen leisten können, um die Temperaturen zu drücken, haben jetzt Forscher der TU München untersucht. Demnach kommt es neben dem Anteil der Vegetation auch auf die Art der Bepflanzung an.
 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin