. Gerichtsurteil

Laktoseintoleranz kein Grund für mehr Geld bei Hartz IV

Ein Hartz-IV-Empfänger hat keinen Anspruch auf mehr Geld vom Jobcenter, wenn er an einer Laktoseintoleranz leidet. Das hat das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz in Mainz entschieden.
Gerichtsurteil: Hartz-IV-Empfänger können sich auch ohne laktosefreie Produkte ausgewogen ernähren

Gerichtsurteil: Hartz-IV-Empfänger können sich auch ohne laktosefreie Produkte ausgewogen ernähren

Ein Mann aus Rheinland-Pfalz, der an Laktoseintoleranz leidet, hat die Klage auf mehr Geld gegen sein Jobcenter verloren. Der Hartz-IV-Empfänger argumentierte, dass er höhere Kosten für den Kauf von Milchersatzprodukten habe, nachdem bei ihm eine Milchzuckerunverträglichkeit festgestellt worden war. Schon kleinsten Mengen Laktose führten bei ihm zu erheblichen gesundheitlichen Problemen. Doch beim Landessozialgericht Rheinland-Pfalz in Mainz kam er damit nicht durch. Der Mann verlor nun in zweiter Instanz.

Gutachten sieht keine Notwendigkeit für laktosefreie Produkte

Das Gericht stützt sein Urteil auf das Gutachten einer als Diätassistentin und Diabetesberaterin ausgebildeten Sachverständigen, wonach es möglich ist, sich laktosefrei zu ernähren, ohne dass hierdurch krankheitsbedingte Mehrkosten gegenüber einem Gesunden entstehen. Eine ausgewogene Ernährung sei kostenneutral möglich, der Kauf von speziellen laktosefreien Produkten sei nicht erforderlich, stellte die Gutachterin fest, nachdem sie einen konkreten Ernährungsplan für 30 Tage ausgearbeitet hatte.

Grundsätzlich deckt eine Grundsicherung nach Hartz IV sämtliche Kosten für die Ernährung ab. Etwas anderes gilt bei Leistungsberechtigten, die aus medizinischen Gründen einer kostenaufwändigen Ernährung bedürfen. Sie können einen Mehrbedarf in angemessener Höhe beim Jobcenter geltend machen. Auf eine Laktoseintoleranz trifft dies nun offenbar nicht zu. Nach den Berechnungen der Sachverständigen verbleibt bei einer Ernährung mit frischen Produkten auch noch genügend Spielraum für nahrungsbezogene persönliche Vorlieben des Klägers.

Der Mann, der unter anderem auch an einem behandlungsbedürftigen Diabetes leidet, hatte zuvor bereits beim Sozialgerichts Speyer geklagt und den Prozess gegen das Jobcenter verloren. Gestützt auf das Gutachten hat das Landessozialgericht nun im Wesentlichen das erstinstanzliche Urteil bestätigt.

Bei Laktoseintoleranz fehlt das Enzym Laktase

Bei einer Laktoseintoleranz wird Milchzucker nicht vertragen. Die Unverträglichkeit kann zu unterschiedlich starken Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall führen. Ursache für eine Laktoseintoleranz ist ein Mangel des Enzyms Laktase. Laktosefreie Milchersatzprodukte sind inzwischen in allen gut sortierten Supermärkten zu haben. Die Produkte sind aber etwas teurer als herkömmliche Milchprodukte.

Foto: © minoandriani - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung

Weitere Nachrichten zum Thema Lebensmittelunverträglichkeiten

| Lebensmittelallergien nehmen in den Industrieländern zu. Kinder sind stärker betroffen als Erwachsene. Bei Reaktionen auf Kuhmilch und Hühnerei kann die Allergie aber bis zum Schulalter wieder verschwinden, Allergien gegen Erdnüsse oder Fisch bleiben indes oft bestehen. Zum Tag der Lebensmittelallergien am 21. Juni sprachen wir mit Prof. Regina Treudler, Leiterin des Leipziger Interdisziplinären Centrums für Allergologie (LICA) am Universitätsklinikum Leipzig.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.