. Tag gegen den Lärm am 30. April

Lärm, die unterschätzte Gesundheitsgefahr

Lärm kann nicht nur das Gehör schädigen, sondern auch Stressreaktionen bis hin zum Herzinfarkt auslösen. Anlässlich des Tags gegen den Lärm mahnen Experten vor den Gesundheitsgefahren von Lärm.
Geräuschkulisse am Arbeitsplatz: Ab einem Lärmpegel von65 Dezibel steigt das Risiko für Bluthochdruck und Herzinfarkt

Geräuschkulisse am Arbeitsplatz: Ab einem Lärmpegel von 65 Dezibel steigt das Risiko für Bluthochdruck und Herzinfarkt

Lärm ist nahezu überall, am Arbeitsplatz und auf den Straßen genauso wie in der Freizeit. Nach einer Studie des Helmholtzzentrums für Gesundheit und Umwelt in München fühlen sich rund 80 Prozent der Deutschen vom Lärm des Straßenverkehrs belästigt, knapp 50 Prozent durch Fluglärm, etwa 30 Prozent leiden unter Lärm in der Nachbarschaft und etwa 20 Prozent unter Industrie- und Gewerbelärm. Über 40 Prozent der Bevölkerung halten Lärm für gesundheitsschädlich. Tatsächlich ist Lärm ein ernst zu nehmender Stressfaktor und kann zu erheblichen Gesundheitsbelastungen führen. Während der Körper eine einmalige Überbelastung der Ohren etwa auf einem Konzert oder bei lauten Silvesterböllern noch ganz gut wegstecken kann, sieht es bei der dauerharten Lärmexposition ganz anders aus.

Lärmschwerhörigkeit häufigste Berufskrankheit in Deutschland

Beispiel Arbeit: In Deutschland sind etwa vier bis fünf Millionen Arbeitnehmer gesundheitsgefährdendem Lärm von mehr als 85 Dezibel ausgesetzt. Ab diesem Grenzwert müssen die Beschäftigen laut Arbeitsschutzverordnung einen Gehörschutz tragen. „Nur der richtige Gehörschutz kann tatsächlich vor Lärmschwerhörigkeit schützen", so Dr. Martin Liedtke vom Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) in Sankt Augustin. Am Arbeitsplatz gebe es dazu zahlreiche Maßnahmen, die Lärm verringern sowie das Gehör der Beschäftigen schützen sollen - von lärmgeminderten Maschinen bis hin zu individuellem Gehörschutz. „Da ein einmal erworbener Gehörschaden nicht heilbar ist, ist es so wichtig, das eigene Gehör zu schützen“, betont Liedtke. Zwar haben sich die Präventionsmaßnamen in den letzten Jahren verbessert, dennoch ist die „Lärmschwerhörigkeit“ mit etwa 5.500 Fällen im Jahr die häufigste anerkannte Berufskrankheit in Deutschland.

Hörschädigendem Lärm sind darüber hinaus auch zunehmend Jugendliche ausgesetzt. Laute Musik über Kopfhörer und insbesondere Diskothekenbesuche haben laut Helmholtzzentrum bei Jugendlichen insgesamt zu einem ein Anstieg von Fällen mit einer deutlichen Verminderung des Hörvermögens geführt. Nach Auffassung der Experten ist bei zehn Prozent der Jugendlichen innerhalb von zehn Jahren ein durch Musik bedingter Hörverlust zu erwarten, wenn sich die Gewohnheiten des Musikhörens nicht ändern. Empirische Untersuchungen bestätigen mittlerweile diese Befürchtung.

In lauten Schulen lernen Kinder schlechter

Aber nicht der gehörschädigende Lärm ist problematisch. Geräusche können schon bei relativ niedrigen Schalldruckpegeln als lästig und störend empfunden werden. Dies gilt unter anderem für Einrichtungen, wo viele Menschen zusammen sind, beispielsweise in Schulen, Kindergärten oder Einkaufszentren. Laut Helmholtzzentrum kann ein dauerhaft hoher Geräuschpegel Schlafstörungen und hormonelle Reaktionen auslösen, aber auch kreislaufbedingte Erkrankungen wie Bluthochdruck und sogar Herzinfarkt können die Folge sein. Wissenschaftler des Umweltbundesamtes führen allein in Deutschland jährlich etwa 4. 000 Herzinfarkte auf Straßenverkehrslärm zurück.

Dauerstress durch Lärm beeinträchtigt darüber hinaus die intellektuelle Leistungsfähigkeit. In der RANCH Studie mit etwa 2.800 Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren wurde gezeigt, dass sich die Lernfähigkeit und die Gedächtnisfunktionen signifikant verschlechtert, wenn Schulen in einem mit Fluglärm belasteten Gebiet liegen. Den Experten zufolge werden die Auswirkungen von Lärm heute immer noch unterschätzt. Auf genau diese Gefahren will der Tag gegen den Lärm am 30. April aufmerksam machen.

Foto: © Syda Productions - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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