Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
19.04.2017

L-Thyroxin nicht mit Milch einnehmen

Das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin sollte nicht gemeinsam mit Milch eingenommen werden. Das ist da Ergebnis einer Studie, die auf der Jahrestagung ENDO 2017 in Orlando veröffentlicht wurde.
Milchprodukte

Milch stört die Aufnahme von L-Tyroxin

L-Thyroxin erhalten Patienten mit einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose), durch die zu wenig des natürlichen Schilddrüsenhormons Thyroxin (T4) produziert wird. Es zählt zu den häufig verschriebenen Medikamenten und muss ein Leben lang eingenommen werden.

Studienleiterin Deborah Chon von der UCLA David Geffen School of Medicine in Los Angeles und ihr Team untersuchten 10 Erwachsene (sechs Männer und vier Frauen) mit einem Durchschnittsalter von 33,7 Jahren, die keine bekannte Schilddrüsenerkrankung hatten und zu Beginn der Studie eine normale Schilddrüsenhormonfunktion aufwiesen. Keine der Frauen war schwanger oder nahm die Pille als Verhütungsmittel.

Blutprobe nach der L-Thyroxin-Einnahme

Die Teilnehmer fasteten über Nacht vor den beiden Studienbesuchen. Bei ihrem ersten Besuch nahmen die Teilnehmer 1.000 Mikrogramm orales L-Thyroxin ein. In Deutschland beträgt die Höchstdosis für die orale Einnahme üblicherweise täglich 200 Mikrogramm. Bei einem zweiten Besuch nach einem Monat nahmen sie die gleiche Dosis mit etwa 340 ml Milch (Fettgehalt 2 Prozent) ein. Davor und eine, zwei, vier und sechs Stunden nach der Einahem von L-Tyroxin gaben die Teilnehmer Blutproben ab.

Die Forscher ermittelten die Levothyroxin-Absorption als die Konzentration des Gesamt-T4 im Blut über den Messzeitraum auf einer grafischen Kurve. Nach sechs Stunden hatten die Teilnehmer, die das Präparat mit Milch einnahmen, eine signifikant niedrigere Gesamt-T4-Absorption, als wenn sie die Droge allein nahmen – im Durchschnitt 67,3 gegenüber 73,5 Prozent.

 

L-Thyroxin nicht mit Milch einnehmen

„Diese Ergebnisse unterstützen die bisherige Forschung, die zeigt, dass die Einnahme von Kalzium die Levothyroxin-Absorption stören kann“, sagt Chon. Das bedeutet, dass Patienten nicht die volle Dosis des Schilddrüsenhormons erhalten, die ihnen verordnet wurde. Nun wurde das konkret für Kuhmilch nachgewiesen. Sie sollte also nicht gemeinsam mit L-Thyroxin eingenommen werden.

Die Hersteller von Levothyroxin empfehlen, das Medikament vorzugsweise auf nüchternen Magen, mindestens aber 30 oder sogar 60 Minuten vor dem Essen einzunehmen – auch bevor andere Medikamente oder Vitamine eingenommen werden, da es zu Wechselwirkungen kommen kann.

Milchprodukte stören auch Antibiotika-Aufnahme

Milchprodukte können auch die Aufnahme anderer Wirkstoffe stören: Antibiotika der Tetrazyklin-Gruppe können nicht richtig wirken, wenn der Patient kurz vor oder nach der Einnahme Milch, Käse, Quark und Joghurt ist. Tetracycline verbinden sich mit dem Kalzium der Milchprodukte zu Klümpchen. Dadurch können die Wirkstoffe nicht mehr durch die Darmwand in die Blutbahn dringen. Sie werden verdaut und ausgeschieden.

Auch Fluortabletten für die Zähne sollte man nicht zusammen mit Milch einnehmen. Die Kalziumteilchen besetzen in den Zähnen die gleichen Stellen wie Fluor, so dass nur ein Bruchteil davon an die richtige Stelle gelangt. Auch Bisphosphonate, die zum Beispiel bei Störungen des Knochenstoffwechsels wie Osteoporose verordnet werden, kann der Körper nur noch teilweise verwerten, wenn man sie mit einem Glas Milch herunterschluckt.

Foto: baibaz/Fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schilddrüse
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schilddrüsenunterfunktion

24.04.2016, aktualisiert: 23.01.2020

Allerweltsymptome wie Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Verstopfung können Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion sein. Auch Kinder können daran leiden. Der Mangel an Schilddrüsenhormonen kann zu bleibenden Schäden am Herzen oder zu Halluzinationen führen und gehört deshalb unbedingt behandelt.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin