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Kunstherzen immer öfter eine Dauerlösung

Kunstherzen sollen die Zeit bis zur Herztransplantation überbrücken. Aufgrund des Organmangels werden die Systeme immer häufiger zur Dauerlösung.
Warten auf ein neues Herz: Kunstherzen sind als Übergangslösung gedacht

Warten auf ein neues Herz: Kunstherzen sind als Übergangslösung gedacht

In Deutschland warten derzeit rund 1.000 Menschen auf ein neues Herz. Im vergangenen Jahr konnten aber nur 344 Herztransplantationen vorgenommen werden. Die Wartezeit beträgt meist mehrere Jahre.

Die Zeit bis zur Transplantation wird mit einem Kunstherzen, einem sogenannten Herzkammerunterstützungssystem überbrückt. Rund 1.000 Menschen werden hierzulande jedes Jahr mit einer solchen Überbrückungslösung versorgt.

Mit Kunstherz auf der Warteliste

Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung sind moderne mechanische Herzhilfen, kurz VADs (Ventricular Assist Devices), technisch inzwischen so ausgereift, dass sie die Lebenserwartung und Lebensqualität von Patienten auf der Warteliste für eine Herztransplantation deutlich erhöhen. Das „künstliche Herz“ pumpt wieder mehr Blut durch den Körper, die Patienten sind körperlich wieder stärker belastbar. Die Systeme haben jedoch auch Nachteile: Das Risiko, Infektionen oder Blutungen zu bekommen, steigen. Auch Blutgerinnsel bilden sich häufiger und können Schlaganfälle herbeiführen. Derzeit arbeiten Forscher daran, diese Risiken mit technischen Verbesserungen zu minimieren.

 

344 Herztransplantationen stehen 1.000 Kunstherzen gegenüber

Aufgrund des Organmangels werden Kunstherzen nun immer häufiger zur Dauerlösung, beklagt die Deutsche Herzstiftung. Dabei seien künstliche Herzen nur als Übergangslösung gedacht. „Wenn alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, ist die Herztransplantation bis heute die beste Therapie einer hochgradigen Herzschwäche“, betont der Herzchirurg und Transplantationsmediziner Prof. Dr. med. Jan Gummert vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung. Zwar müssten Betroffene ihr Leben lang Medikamente nehmen, die eine Abstoßungsreaktion des Körpers verhindern. Nach über 50-jähriger Erfahrung seit der ersten Herztransplantation seien jedoch große Fortschritte erzielt worden. „Nach der Erholungsphase ist die Lebensqualität nach einer Herztransplantation in der Regel sehr gut: Die Patienten sind wieder normal belastbar, können Sport treiben, ihren Beruf ausüben und ein normales Leben führen“, so der Herzspezialist.

Heute beträgt die Lebenserwartung nach einer Herztransplantation rund zehn Jahre. „Für viele Betroffene, die auf ein neues Herz warten, wäre eine höhere Spendenbereitschaft in der Bevölkerung ein Segen“, so Gummert.

Grund für eine Herztransplantation ist eine hochgradige Herzschwäche, die viele Ursachen haben kann: Eine Herzmuskelentzündung, langjähriger Bluthochdruck oder ein überstandener Herzinfarkt. Auch junge Menschen können betroffen sein. Jedes Jahr kommt es in Deutschland allein wegen Herzschwäche zu über 465.000 Klinikeinweisungen.

Foto: © Adobe Stock/totojang1977

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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