. Reproduktionsmedizin

Künstliche Befruchtung: Acht Millionen Babys in 40 Jahren

Vor 40 Jahren kam das erste Baby nach einer künstlichen Befruchtung zur Welt. Seitdem wurden auf diese Weise mehr als acht Millionen Kinder gezeugt. Das hat eine Auswertung der Datensammlung ICMART ergeben.
Künstliche Befruchtung

Das Wunschbaby - für viele Paare nur mit Hilfe der Reproduktionsmedizin zu erreichen

Louise Brown – So hieß das erste Baby, das im Jahr 1978 nach einer künstlichen Befruchtung zur Welt kam. Was damals eine Sensation war, ist heute fast schon normal. In den vergangenen 40 Jahren sind mehr als acht Millionen Babys nach einer Frucht­barkeitsbehandlung geboren worden. Das hat eine Auswertung der Datensammlung ICMART ergeben, die beim Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie (ESHRE) in Barcelona vorgestellt wurde. Inzwischen werden demnach jährlich geschätzt mehr als eine halbe Million Babys weltweit nach einer künstlichen Befruchtung geboren.

Etwa jedes 10. Paar gilt als ungewollt kinderlos

Insgesamt gab es europaweit allein im Jahr 2015 rund 800.000 Behandlungszyklen, aus denen über 157.000 Babys hervorgingen. Allerdings seien noch nicht alle Länder bei dieser Auswertung berücksichtigt, so die ESHRE. So fehle in der Statistik zum Beispiel Großbritannien mit üblicherweise etwa 60.000 Zyklen.

Etwa jedes zehnte Paar hat Schätzungen zufolge Schwierig­keiten, auf natürlichem Wege ein Kind zu bekommen. Eine häufige Form der künstlichen Befruchtung ist die In-vitro-Fertilisation (IVF). Dabei findet die Befruchtung nicht im Körper der Frau statt, sondern im Labor. Fast immer wird vorher eine Hormonbehandlung bei der Frau durchgeführt. Anschließend werden ihr Eizellen entnommen, die in einem Laborglas mit den Samenzellen des Mannes befruchtet werden. Gelingt die Befruchtung und entwickeln sich die befruchteten Eizellen weiter, werden ein bis drei Embryonen in die Gebärmutter übertragen.

 

ICSI inzwischen häufigste Form der künstlichen Befruchtung

Den von der ESHRE vorgestellten Zahlen zufolge kommt es bei 36 Prozent der auf diese Weise vollzogenen Einpflanzungen eines Embryos tatsächlich zu einer Schwangerschaft. Die Chancen stehen besser, wenn der Embryo im Alter von fünf statt von drei Tagen in die Gebärmutter übertragenen wird. Weil inzwischen häufiger nur ein Embryo eingesetzt wird, kommt es seltener zu Zwillingsschwangerschaften als früher – für 2015 lag die Rate bei etwa 14 Prozent.

Noch häufiger als die IVF kommt heute die Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI) zum Einsatz. Sie ist vor allem bei Fruchtbarkeitsproblemen des Mannes sinnvoll, etwa wenn er zu wenige oder schlecht bewegliche Spermien aufweist. Der Ablauf ist zunächst derselbe wie bei der IVF, zur Befruchtung wird jedoch eine Samenzelle unter einem Mikroskop direkt in die Eizelle gespritzt.

Foto: © javiindy - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Fruchtbarkeit , Kinderwunsch , Schwangerschaft
 

Weitere Nachrichten zum Thema Reproduktionsmedizin

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Eine akute Typ A-Aortendissektion muss sofort behandelt werden. Doch die Diagnose ist nicht immer leicht. Selbst Notärzte können die Erkrankung mit einem Herzinfarkt verwechseln – nicht selten mit tödlichen Folgen. Das „Aortentelefon“ des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) koordiniert die Behandlung und kann damit Leben retten.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.