Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Kritik am Versorgungsstärkungsgesetz reißt nicht ab

Mittwoch, 10. Dezember 2014 – Autor: Angela Mißlbeck
Die Kritik am Entwurf zum Versorgungsstärkungsgesetz (VStG) hält an. Beinahe täglich warnen Ärzteorganisationen vor Verschlechterungen für die Patienten. Der Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) forderte nun einen Stopp des Gesetzgebungsverfahrens, bevor es überhaupt vom Bundeskabinett beschlossen wurde.
In der Kritik: Der Entwurf zum Versorgungsstärkungsgesetz aus dem Bundesgesundheitsministerium

Stopp des Versorgungsstärkungsgesetzes gefordert – Foto: psdesign1 - Fotolia

„Der Entwurf geht von falschen Grundannahmen aus und beseitigt nicht die Krankheit des Gesundheitssystems, sondern vertuscht Symptome“, so BDA-Präsident Professor Götz Geldner. Er kritisiert vor allem den Widerspruch zwischen dem geplanten Abbau von Wartezeiten bei Fachärzten durch eine Vier-Wochen-Frist und Terminvergabestellen einerseits und der andererseits vorgesehenen ersatzlosen Schließung von Arztpraxen in Regionen, die auf dem Papier zuviele Ärzte haben. Diese Regelungen haben auch bereits die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), sämtliche regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen und viele andere Ärzteorganisationen als widersprüchlich und unausgegoren bemängelt.

Versorgungsstärungsgesetz: Onkologen befürchten Chaos in Versorgung

Zuletzt äußerten die Onkologen Sorgen über Chaos bei der Versorgung von Krebspatienten an der Schnittstelle zwischen Arztpraxis und Krankenhaus. In diesem Bereich sieht der Entwurf zum VStG Änderungen für die sogenannte ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) vor, die erst mit dem Versorgungstrukturgesetz vor zwei Jahren geschaffen wurde. Die Krebsspezialisten des Berufsverbands der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO) befürchten ein ordnungspolitisches Chaos, wenn die Regelung so geändert wird, wie jetzt im Gesetzentwurf vorgesehen. „Die Neuregelung wäre eine Rolle rückwärts ins ordnungspolitische Chaos", mahnte der BNHO-Vorsitzende Professor Stephan Schmitz. Der Verband sieht in den Regierungsplänen die Gefahr, dass sich Parallelstrukturen mit unterschiedlichen Behandlungsumfängen für die Patienten entwickeln. Er warnt zudem davor, dass Wirtschaftlichkeit und Qualität der Versorgung dann deutlich schwerer zu prüfen wären.

 

Patientenverband warnt vor Gesetzentwurf

Auch Patientenorganisationen haben sich bereits äußerst kritisch über den Gesetzentwurf geäußert. Der Präsident der Bürger Initiative Gesundheit, Wolfram-Arnim Candidus, bezeichnete ihn Ende November als „ein Versorgungsschwächungs-, wenn nicht gar ein Versorgungszerstörungsgesetz“. Gemeinsam mit vier Vertretern ärztlicher Berufsverbände warnte er vor allem vor der Regelung zur ärztlichen Zweitmeinung. Vorgesehen ist, dass vor bestimmten Eingriffen, wie Knie- und Hüft-Endoprothesen eine zweite Arztmeinung Pflicht werden soll. Einen Anspruch darauf haben Patienten jedoch schon jetzt, dadurch dass ihnen im deutschen Gesundheitssystem freie Arztwahl garantiert ist. Darauf wies der Berufsverband der Deutschen Internisten (BDI) hin.

Foto: psdesign1 - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
 

Weitere Nachrichten zum Thema ambulante Versorgung

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Während es die Evolution so eingerichtet hat, dass Babys gern geknuddelt werden, um sich gesund zu entwickeln, sind Berührungen unter Erwachsenen nicht mehr so selbstverständlich. Dabei sind für sie genauso wichtig und gesund. Beispiel: Stressabbau.


Die elektrische Vagusnerv-Stimulation wird etwa bei Depressionen und Schmerzen eingesetzt. Wissenschaftler aus Wien nutzen das Verfahren für sehr kranke Covid-19-Patienten – offenbar mit Erfolg. Die Stimulation des zehnten Hirnnerven erfolgt am Ohr.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin