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24.01.2017

Kriegstraumatisierte Kinder brauchen dringend Unterstützung

Kriegstraumatisierte Kinder entwickeln im Laufe der Zeit häufig chronische Störungen, die nur durch therapeutische Interventionen in den Griff zu bekommen sind. Israelische Forscher fordern daher frühe Unterstützung für Kinder aus Kriegsgebieten und ihre Familien.
Traumatisierte Kinder

Kinder aus Kriegsgebieten leiden später häufig an chronischen psychischen Störungen

Zu einem Trauma kann es kommen, wenn sich ein Mensch einer Situation hilflos ausgesetzt fühlt – beispielsweise durch körperliche Misshandlung, Unfälle, Naturkatastrophen oder Krieg. Vor allem Kinder können solche übermächtigen Eindrücke nicht angemessen verarbeiten. Nicht selten entwickeln sie dann später psychische Erkrankungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Von alleine heilen solche Störungen selten aus. Nun haben israelische Wissenschaftler die Entstehung psychischer Störungen bei kriegstraumatisierten Kindern untersucht und nach Prädikatoren für deren weitere Entwicklung gesucht.

Folgen des Traumas ändern sich mit dem Alter

Die Forscher um Galit Halevi von der Bar-Ilan-Universität in Ramat-Gan haben 148 Kinder, die in einem Kriegsgebiet aufgewachsen sind, über zehn Jahre lang beobachtet. Alle Kinder lebten in Sderot, einer kleinen israelischen Stadt nahe dem Gazastreifen, und waren jahrelang immer wieder Raketenangriffen ausgesetzt. Als Vergleichsgruppe wurden 84 Kinder aus Tel Aviv untersucht, die keine Kriegserfahrungen hatten. Das Verhalten der Kinder wurde zu drei Zeitpunkten verglichen: im Alter zwischen eineinhalb und fünf Jahren, zwischen fünf und acht sowie zwischen neun und elf Jahren.

Wie die Forscher feststellten, entwickelten 81 Prozent der kriegsexponierten Kinder psychische Störungen; in der Kontrollgruppe waren es 45 Prozent. Dabei herrschte bei den Kleinkindern bis fünf Jahre vor allem die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) vor, während im Alter von fünf bis acht Jahren die Angsterkrankungen überwogen und auch Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) zunahmen. Bei den neun- bis elfjährigen Kindern nahmen dann Angststörungen und PTBS ab, dafür stieg das Risiko für ADHS sowie Verhaltensauffälligkeiten und Aggressionen an. Insgesamt entwickelten 30 Prozent der kriegstraumatisierten Kinder chronische Störungen; Jungen waren dreimal häufiger betroffen als Mädchen.

 

Posttraumatische Belastungsstörung heilt nicht von alleine

Die Forscher betonen, dass die psychischen Probleme, die aus extremen Stresssituationen in den ersten Lebensjahren entstehen, in der Regel nicht von alleine verschwinden. Die Folgen scheinen sich hingegen mit der Zeit eher zu verschlimmern. Dies zeige, wie wichtig für betroffene Kinder diagnostische Früherkennungssysteme sowie individuelle Behandlungskonzepte seien.

Auch die Mütter zu unterstützen, ist wichtig, wie die Studie zeigt. Denn nicht nur das Trauma selbst spielte eine Rolle für die weitere Entwicklung der Kinder – auch das Verhalten der Mutter hatte Einfluss. Psychische Instabilität, unkontrolliertes Verhalten und das Unvermögen, dem Kind Halt zu geben, steigerten in der Studie das Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen sowie deren Chronifizierung beim Kind.

Foto: © Sebastiano Fancellu - Fotolia.com

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Hauptkategorie: Medizin
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