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Krebsmedikament Carmustin: Hersteller verlangt Mondpreis

Das Krebsmedikament Carmustin wird seit über 40 Jahren zur Behandlung bösartiger Tumore eingesetzt. Jetzt hat der weltweit einzige Hersteller den Preis plötzlich verdreifacht. Onkologen fordern die Politik zum Handeln auf.
Krebsmedikament Carmustin: Hersteller verlangt Mondpreis

Preisexplosion bei Krebsmittel Carmustin: Anbieterwechsel unmöglich

Die Preiserhöhung kam ohne Vorankündigung: Seit 2. Januar 2015 kostet das Krebsmedikament Carmustin mehr als das Dreifache, der Preis stieg von etwa 300 Euro auf über 900 Euro pro Ampulle. Nach Angaben der DGHO trifft die Preisexplosion Transplantationszentren besonders stark, da Carmustin ein fester und unersetzbarer Bestandteil bei der Vorbereitung von Patienten zur Blutstammzelltransplantation ist. Demnach müssen Transplantationszentren mit Mehrkosten von bis zu 300.000 Euro pro Jahr und mehr rechnen. „Eine solche kurzfristige, finanzielle Belastung ist durch die Vergütungen im DRG-System nicht aufzufangen“, sagt der DGHO-Vorsitzende Prof. Mathias Freund. „Diese Risiken können nicht von den Krankenhäusern getragen werden. Medikamente dieser Art müssen über Zusatzentgelte finanziert werden und über Pauschalen“, fordert Freund.

Preise: Abhängigkeit von einem Hersteller ist ein globales Problem

Ursächlich für die Preisexplosion ist die Verengung des Weltmarkts auf nur einen Hersteller. Der frühere Inhaber des Medikamentes hatte die Lizenz für Carmustin 2013 an eine indische Firma verkauft. Sie ist jetzt der weltweit einzige Hersteller – und kann offenbar verlangen, was sie will.

Probleme wie jetzt bei Carmustin häufen sich. Seit mehreren Jahren gibt es wiederholt Lieferengpässe bei Medikamenten gegen Krebs und andere Erkrankungen. Die Gründe sind vielfältig. Sie reichen von Problemen bei der Herstellung bis zu Rückgaben von Zulassungen aus wirtschaftlichen Gründen.

Laut DGHO zeigt der Vorgang die hohe Anfälligkeit der medikamentösen Versorgung von Krebspatienten, vor allem bei älteren Substanzen außerhalb des Patentschutzes. Die Fachgesellschaft sieht die Politik in der Pflicht, endlich Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungssicherheit mit Krebsmedikamenten zu ergreifen. „Die Verengung des Weltmarkts bei Carmustin auf nur einen Hersteller ist ein weiteres Warnsignal, das zum Handeln auffordert“, so DGHO-Sprecher Mathias Freund.

Carmustin vor Blutstammzelltransplantation unentbehrlich

Carmustin wird seit mehr als 40 Jahren in der Behandlung von bösartigen Tumoren, insbesondere von aggressivem Lymphknotenkrebs eingesetzt. Nach DGHO-Angaben ist das Mittel bei der Vorbereitung auf eine Blutstammzelltransplantation alternativlos. Auch in der Behandlung von Hirntumoren spielt Carmustin eine wichtige Rolle. Bei Glioblastomen wird das Medikament mitunter als lokale Chemotherapie eingesetzt.

Foto: © bluedesign - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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