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Krebsimmuntherapie: Forscher wollen Resistenzmechanismen überlisten

Die Immuntherapie ist eine der vielversprechendsten neuen Behandlungsoptionen gegen Krebs. Doch viele Tumore sind resistent gegen die sogenannten Checkpoint-Inhibitoren. Ein Forscherkonsortium geht nun den Ursachen nach.
Das T LOCK-Konsortium sucht neue Ansatzpunkte zur Optimierung der Krebsimmuntherapie

Das T LOCK-Konsortium sucht neue Ansatzpunkte zur Optimierung der Krebsimmuntherapie

Den Krebs mit den Waffen des Immunsystems schlagen: Das ist das Prinzip der Immuntherapie. Checkpoint-Inhibitoren hebeln natürliche Bremsen des Immunsystems aus, und befähigen so die T-Zellen den Tumor zu bekämpfen. Bei manchen Krebspatienten führen die neuen Medikamente zu erstaunlichen Erfolgen, die überwiegende Mehrheit spricht jedoch nicht oder nur für kurze Zeit darauf an. Ein wesentlicher Grund sind Resistenzen gegen die Therapie.

Darum geht ein Forscherteam unter Federführung des Westdeutschen Tumorzentrums am Universitätsklinikum Essen nun den Resistenzen auf den Grund. In fünf wissenschaftlichen Teilprojekten werden die Resistenzmechanismen bei schwarzem Hautkrebs, Lungenkrebs und Darmkrebs untersucht. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Vorhaben mit rund 1,3 Millionen Euro.

Resistenzmechanismen bei Melanom, Lungenkrebs und Darmkrebs offenbar ähnlich

„Wir gehen davon aus, dass die Tumorzellen gegenüber den T-Zellen resistent sind oder im Laufe der Immuntherapie resistent werden“, erläutert Prof. Dr. Annette Paschen von der Klinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Essen die mäßigen Ansprechraten. „Und wir vermuten, dass die Resistenzmechanismen bei diesen drei Tumoren sehr ähnlich oder gar identisch sind.“

Üblicherweise besitzt jede Zelle charakteristische Moleküle auf ihrer Oberfläche, sogenannte Antigene. Wenn eine Körperzelle ein für das Immunsystem unbekanntes Antigen präsentiert, ist das ein Hinweis auf eine krankhafte Veränderung. T-Zellen zerstören diese Zelle dann. Obendrein setzen sie Botenstoffe wie Interferon-gamma frei, das auf benachbarte Tumorzellen wirkt und einen Signalweg anschaltet, der ebenfalls zum Zelltod führt. Die Forscher nehmen nun an, dass Veränderungen in den Genen der Tumorzellen dazu führen, dass sie ihre Antigene nicht mehr präsentieren können und somit unentdeckt bleiben. Dies könnte ein Resistenzmechanismus sein. Außerdem gehen die Forscher davon aus, dass Interferon-gamma zwar durch die T-Zellen freigesetzt wird, in den Tumorzellen aber aufgrund einer gestörten Signalgebung nicht mehr zum Zelltod führt.

 

Wirksamere Immuntherapie ist das Ziel

Beide Resistenzmechanismen werden nun mit dem Ziel überprüft, neue Medikamente zu entwickeln, die die T-Zell-Resistenzen überwinden und so die Wirksamkeit der bestehenden Immuntherapien erhöhen. „Das Prinzip der Krebsimmuntherapie funktioniert und ist bereits in der klinischen Praxis angekommen“, sagt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Krebshilfe. "Derzeit profitiert von ihr aber nur ein Teil der Patienten. Der Deutschen Krebshilfe ist es daher ein wichtiges Anliegen, diese Situation durch die Förderung innovativer Forschungsprojekte zu verbessern.

Im Prinzip geht es also um eine Immuntherapie 2.0., die mehr Krebspatienten zu Gute kommt, als es bislang der Fall ist.

Foto: Syda Productions / Fotolia

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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