Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Krebsfrüherkennung mit Bluttest möglich?

Montag, 30. Januar 2017 – Autor:
Könnte ein einfacher Bluttest künftig zur Früherkennung von Krebs dienen? Im Vorfeld des Weltkrebstags am 4. Februar diskutieren Experten vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) die Möglichkeiten der Liquid Biopsy.
Blutprobe

Ein US-Unternehmen will einen Test zur Krebsfrüherkennung per Blutprobe auf den Markt bringen – Foto: StudioLaMagica - Fotolia

Die kalifornische Firma Grail, zu dessen Kapitalgebern Microsoft-Gründer Bill Gates und Amazon-Chef Jeff Bezos gehören, will 2019 einen Bluttest zur Früherkennung aller nur denkbaren Krebsarten bei gesunden Menschen auf den Markt bringen. Hintergrund: Erbmaterial aus Krebszellen oder auch ganze Krebszellen gelangen kontinuierlich ins Blut. Deren Nachweis wird als „Liquid Biopsy" – flüssige Biopsie – bezeichnet.

Jeder Tumor hat sein charakteristisches Muster an krebsspezifischen Erbgutveränderungen. Mit den heute verfügbaren ultrasensitiven Methoden der DNA-Analyse, können Wissenschaftler die krebstypischen DNA-Schnipsel aufspüren, die auch im Blut herumschwimmen, heißt es weiter in einer DKFZ-Mitteilung.

Krebsfrüherkennung mit Bluttest?

„In vielen Fällen gelingt es bereits, bei Krebspatienten nach der Behandlung anhand des Nachweises von DNA im Blut zu verfolgen, ob der Tumor wiederkehrt. Daher hat sich die Vision entwickelt, dass man in Zukunft Tests auf Tumor-DNA im Blut auch zur Früherkennung von Krebs einsetzen könnte. Dazu gibt es jedoch bisher keine Daten“, sagt Peter Lichter, Leiter der Abteilung Molekulare Genetik im DKFZ. Die Hypothese sei noch nicht belegt.

„Wie bei anderen Früherkennungsuntersuchungen müsste gezeigt werden, dass sie den Menschen tatsächlich nützt, dass er also die Überlebenszeit verlängert oder die Lebensqualität verbessert", ergänzt Susanne Weg-Remers, die im DKFZ den Krebsinformationsdienst leitet.

 

Tumor-DNA im Blut kann Therapieverlauf anzeigen

Holger Sültmann, Leiter der Arbeitsgruppe Krebsgenomforschung im DKFZ, hält es nur für eine Frage der Zeit, bis Tests auf Tumor-DNA im Blut in der Krebsmedizin die klinische Zulassung erhalten. Allerdings werde es sich dabei zunächst nicht um Krebs-Früherkennungstests handeln. Deutlich weiter fortgeschritten ist die Entwicklung von Tests zur Beobachtung des Therapieverlaufs von bereits diagnostizierten Krebserkrankungen.

„Anders als Tumor-Gewebeproben lässt sich Blut problemlos mehrmals in kurzen Abständen abnehmen. So können wir verfolgen, ob und wie lange der Krebs auf ein Medikament anspricht. Das ist wichtig, denn Krebszellen entwickeln gegen viele Wirkstoffe rasch Resistenzen." Wann tatsächlich ein DNA-Test zu Krebsfrüherkennung zur Verfügung steht, lässt sich Sültmanns Meinung nach heute noch nicht abschätzen.

Foto: StudioLaMagica/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebsfrüherkennung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Krebsfrüherkennung

24.05.2016

Die französische Onkologin Prof. Patrizia Paterlini-Bréchot hat einen einfachen Bluttest entwickelt, der die Früherkennung von Krebs lange vor einer Diagnose oder möglichen Symtomen ermöglichen soll. Darüber berichten die Presseagentur AFP und verschiedene Medien.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Plötzlicher Herzstillstand: Für zufällig Anwesende oder Angehörige ist das selbst eine Extremsituation. Aus Aufregung oder aus Angst davor, etwas falsch zu machen, wird oft gar nichts gemacht. Dabei kommt es hier wirklich auf Minuten an – und durch entschlossenes Handeln kann man Leben retten. Eine App der Deutschen Herzstiftung begleitet Laien dabei, im Herznotfall richtig zu reagieren.

 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin