. Prävention

Krebs: Übergewicht wahrscheinlich schlimmer als Zucker

Kann man Krebs vorbeugen? Studien zeigen, dass ein gesunder Lebensstil tatsächlich etwas bewirkt. Übergewicht scheint nach dem Rauchen der größte Risikofaktor zu sein. Für Zucker gibt es bislang keine stichhaltigen Beweise.
Rauchen und Übergewicht erhöhen das Krebsrisiko. Bei Zucker und Ernährung sind die Zusammenhänge nicht so deutlich

Rauchen und Übergewicht erhöhen das Krebsrisiko. Bei Zucker und Ernährung sind die Zusammenhänge nicht so deutlich

Selbst die Tabakindustrie würde heute nicht mehr einen Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs bestreiten. Wissenschaftler sind sich einig, dass das Risiko für Lungenkrebs bei chronischem Nikotinmissbrauch ungefähr um das 10- bis 20-Fache steigt. Doch was ist mit den anderen Risikofaktoren wie Übergewicht, Alkohol, Zucker und Bewegungsmangel? Sind das auch Stellschrauben zur Vermeidung von Krebs?

Grundsätzlich gilt: 80 bis 90 Prozent der nicht übertragbaren chronischen Krankheiten gelten als lebensstilbedingt. Bei Krebs ist das nicht ganz so viel. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass rund ein Drittel der Hauptkrebsarten durch einen gesunden Lebensstil vermieden werden könnte. Immerhin.

Übergewicht verdoppelt Brustkrebsrisiko

„Solide nachgewiesen ist der Einfluss von Übergewicht oder Adipositas auf das Risiko, an bestimmten Krebsarten zu erkranken“, sagt Prof. Dr. Olaf Ortmann, Direktor der Universitätsfrauenklinik Regensburg und Mitglied des Vorstands der Deutschen Krebsgesellschaft. Diese Risikosteigerung falle jedoch deutlich geringer aus als beim Rauchen. Dennoch sei Übergewicht ein bedeutsamer Risikofaktor. „Wer etwa bei einem Body-Mass-Index von mehr als 30 sein Gewicht reduziert, der kann auch tatsächlich sein Krebsrisiko senken.“

Studien zeigen, dass Adipositas das Brustkrebsrisiko verdoppelt. In Ländern, in denen Übergewicht weniger häufig vorkommt, erkranken deutlich weniger Frauen an Brustkrebs. Noch höher steigt das Risiko bei übergewichtigen Frauen für das Endometriumkarzinom an. In Deutschland erkranken jährlich 11.000 Frauen an diesem Unterleibskrebs. „Länder, in denen Adipositas häufiger ist, haben höhere Raten an Endometriumkarzinomen“, betont Ortmann.

 

Ob Zucker den Krebs beeinflusst, ist wissenschaftlich nicht belegt

Welche Rolle die Nahrungszusammensetzung beim Krebsrisiko spielt, ist deutlich schlechter belegt. Zucker steht immer wieder als Krebstreiber unter Verdacht. Laut Ortmann gibt es dafür bislang aber keine handfesten wissenschaftlichen Beweise. Krebszellen brauchen zwar Zucker, um zu überleben. Aber dass eine Senkung der Zuckerzufuhr Einfluss auf Krebsentstehung oder das Krebswachstum hat, gilt als unwahrscheinlich – wenn auch noch Forschungsbedarf besteht.

Die Effekte der mediterranen Ernährung auf das Krebsrisiko sind – anders als bei kardiovaskulären Erkrankungen – bislang nicht ganz so deutlich erkennbar. Einige Hinweise auf eine Krebsrisikoreduktion gibt es aber genau wie auf die positiven Effekte von Bewegung.

„Wer also etwas für sich tun möchte, sollte sich ausgewogen ernähren, tierische Fette reduzieren, mehr Gemüse essen, Normalgewicht halten oder anstreben und sich täglich körperlich betätigen“, rät Krebsarzt Ortmann.

Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Prävention fängt im Kopf jedes einzelnen an und die Maßnahmen müssen im Alltag tatsächlich umgesetzt werden. Wie das bei über 80 Millionen Bundesbürgern gelingen soll, dafür gebe es in Deutschland kein schlüssiges Konzept, kritisiert Krebsexperte Ortmann: „Im Vergleich zu anderen medizinischen Maßnahmen vernachlässigt das Gesundheitswesen den Bereich der Prävention.“ Hier müsse deutlich nachgelegt werden. 

Foto: viperagp/fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Krebsprävention

| Mit dem Motto «We can – I can» rückt der Weltkrebstag 2018 Krebsvermeidungsstrategien gegen Krebs in den Vordergrund. Im Kern geht es um ein gesünderes Leben.
| Dicke Menschen gelten oft als gemütlich und widerstandsfähig. Was das Krebsrisiko angeht, stimmt die Formel allerdings nicht. Körperfett ist bei manchen Tumorarten an jeder zweiten Krebserkrankung schuld.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Immer wieder wird die gesundheitsfördernde Wirkung von Weihrauch diskutiert. Kleinere Studien konnten bereits die Wirksamkeit bei einigen Krankheiten belegen. Sie beruht offenbar vor allem auf den im Weihrauch enthaltenden entzündungshemmenden Substanzen.
Immer öfter klagen Verbraucher nach dem Verzehr von Produkten aus Weizenmehl über gesundheitliche Probleme. Kurios dabei ist: Manche vertragen die Brötchen vom einen Bäcker nicht, die vom anderen schon. Viele haben Probleme mit Weizen, aber nicht mit Dinkel – dabei sind beide Getreide eng verwandt. Ein Forschungsprojekt der Uni Hohenheim liefert neue Erkenntnisse darüber, warum.
Müdigkeit ist in der Regel ein normales, gesundes Gefühl, das uns darauf aufmerksam macht, dass wir Erholung brauchen. Doch manche Menschen fühlen sich immer müde, auch wenn sie ausreichend schlafen. Dann können ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.