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Krebs treibt viele Menschen in die Armut

Dienstag, 30. Juni 2015 – Autor:
Eine schwere Erkrankung wie Krebs kann Menschen in die Armut treiben. Neuen Studien zufolge hat jeder dritte bis vierte Krebspatient mit finanziellen Engpässen zu kämpfen.
Krebs und Armut: Mediziner sprechen von einer alarmierenden Entwicklung

Krebs und Armut: Mediziner sprechen von einer alarmierenden Entwicklung

Krebs ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung. Viele Betroffene kämpfen aber nicht nur gegen den Feind in ihrem Körper, sondern auch um ihr wirtschaftliches Überleben. Denn neben Einkommensverlusten müssen Betroffene auch höhere Ausgaben etwa durch Zuzahlungen oder benötigte Alltagshilfen verkraften. Einer bislang unveröffentlichten Studie der German Hodkin Study Group zufolge klagen bis zu 35 Prozent der Patienten mit Lymphdrüsenkrebs nach ihrer Heilung über finanzielle Probleme. Das berichtete das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" in der Sendung am 23. Juni. In der zitierten Studie aus 2014 wurden über 1.000 Patienten befragt. Dass es Brustkrebspatientinnen ähnlich ergeht, zeigt eine weitere Langzeitstudie der Universität Heidelberg und der Medical Association of Saarland: Demnach leiden 25 Prozent der älteren Patientinnen unter Geldsorgen. Aber auch jüngere im Alter zwischen 18 und 49 Jahren klagen dreimal so häufig über finanzielle Engpässe wie gesunde Altersgenossinnen.

Finanzielle Sorgen überschatten Genesung

"Wenn wir Zahlen sehen, dass ein Viertel bis ein Drittel der Patienten Jahre nach einer Krebserkrankung unter finanziellen Problemen leiden, dann ist das ein riesiges Problem. Das wird so nicht wahrgenommen", sagte Onkologe Prof. Bernhard Wörmann von der Charité im Interview mit "Report Mainz". Das sei eine alarmierende Entwicklung und eine sehr eigene belastende Dimension für Patienten. "Wir sehen, dass Patienten manchmal sogar durch die finanziellen Probleme stärker belastet sind kurzzeitig als durch die Krankheit selbst. Die Sorge, wie es der Familie weitergeht, wie man selbst über die Runden kommt, überlagert dann das Problem, was wir für wichtiger halten, nämlich des Gesundwerdens“, so der Krebsmediziner aus Berlin.

Um die abstrakten Studiendaten mit Beispielen zu füttern, wurden in der Sendung mehrere Betroffene nach ihren Einkommensverlusten befragt. Besonders krass wirkte sich die Krebserkrankung bei einem selbstständigen Tischler aus. Der 60-Jährige muss heute auf 70 Prozent seines Einkommens verzichten und mit 300 Euro über die Runden kommen.

 

Immer mehr Menschen überleben ihren Krebs

Aus Sicht des Chefarztes der Marburger Reha-Klinik Sonnenblick Dr. Ulf Seifart ist das Problem der Verarmung von Krebspatienten relativ neu. "Patienten können in einem zunehmenden Maße ihre Krebserkrankung ganz überleben und dadurch Probleme entwickeln, die wir viele Jahre gar nicht gesehen haben ", zitiert ihn der „Report Mainz.  Darauf müsse sich das Gesundheitssystem erst einmal einstellen. Der Mediziner plädierte für eine längere Auszahlung des Krankentagegelds, das augenblicklich nach 78 Wochen endet. Der tatsächliche Bezug ist aber meist sehr viel kürzer, weil auf diese Dauer Reha- und/oder Wiedereingliederungszeiten in den Arbeitsmarkt mit angerechnet werden. „Gerade bei so langwierigen Therapieverläufen würde es den Patienten helfen, wenn das Krankengeld dann etwas länger gezahlt würde", sagte Reha-Arzt Ulf Seifart. Eine weitere Lösungsmöglichkeit bestünde im Ausbau einer unabhängigen Beratung für die Patienten – einem Lotsen, der frei von finanziellen Interessen der sozialen Sicherungssysteme wie Kranken- oder Rentenkassen sei.

Auch Onkologe Wörmann von der Charité hält unabhängige Berater für eine gute Sache. „Aber es muss ein qualifizierter Lotse sein und es muss dafür auch ein bestimmtes Curriculum da sein, was so ein Lotse leisten muss“, sagte Wörmann dem Report Mainz. „Wichtig ist, dass es eine objektive und hochqualifizierte sozialmedizinische Beratung gibt.“

Foto: © michaelcourtney - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

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