. Website vom Netz genommen

Krebs bei Kindern: Warb die Charité für Homöopathie?

Auf einer Website der Kinderonkologie der Charité wurden offenbar jahrelang homöopathische Mittel als wirksam gegen Krebs bezeichnet. Die Verantwortlichen wussten davon jedoch anscheinend nichts. Nach heftiger Kritik wurde die Seite nun aus dem Netz entfernt.
Homöopathie, Krebs, Kinderonkologie, Charité

Globuli gegen Krebs bei Kindern? Auf einer Website der Charité wurde dafür offenbar geworben

Globuli gegen Krebs? Ein heikles Thema – ganz besonders, wenn es sich um Krebs bei Kindern handelt. Experten sind davon überzeugt, dass homöopathische Mittel bei Krebs keinerlei Wirkung haben – dies sei durch Studien belegt worden. Dennoch warb die Berliner Charité im Internetauftritt der Kinderonkologie offenbar jahrelang für die Homöopathie. So hieß es auf der Homepage der Charité-Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie: „Aus empirischer Sicht ist die Wirkung homöopathischer Höchstpotenzen unbestritten“. Nach heftigen Protesten ist die entsprechende Seite nun aus dem Netz entfernt worden.

Senatskanzlei will Vorfall untersuchen

Auf der Seite wurde auch behauptet, „dass die homöopathische Medizin auch bei schwersten Krankheitszuständen Heilung oder eine Verbesserung der Beschwerden bieten kann“. Man habe die Eintragung entfernt, „um die Verbreitung von Fehlinformationen zu stoppen“, so ein Sprecher der Senatskanzlei für Wissenschaft und Forschung, der zuständigen Aufsichtsbehörde. Die Propagierung von Globuli stehe in keinem Zusammenhang mit den Behandlungsmethoden der Klinik. Die Senatskanzlei will nun untersuchen, wie es an einer so renommierten Klinik wie der Berliner Charité zu dieser Veröffentlichung kommen konnte.

Zurzeit gibt es Hinweise darauf, dass der entsprechende Beitrag zwar über Google zu finden war, aber nicht über andere Charité-Seiten verlinkt wurde. Wie er also seinen Weg ins Netz gefunden hat, ist bisher unklar. Die Website gehörte zur Abteilung „Integrative Medizin in der pädiatrischen Onkologie“.

Wie der Tagesspiegel am gestrigen Mittwoch berichtete, habe deren Leiter Georg Seifert zwar Forschungsarbeiten zum Thema homöopathische Therapien in der Kinderonkologie veröffentlicht. Dass Homöopathie aber tatsächlich gegen Krebs wirke, behauptet der Mediziner nicht. Charité-Sprecherin Manuela Zingl erklärte derweil gegenüber dem Tagesspiegel, Seifert haben den Inhalt der Webseite, der die Homöopathie als wirksam beschreibt, nicht gekannt. Seifert selbst hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

 

Experten: Homöopathie nicht wirksam bei Krebs

Besorgt zeigte sich auch Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer. Die Homöopathie sei bei Krebs nicht wirksam, erklärte er gegenüber dem Tagesspiegel: Solche Heilungsversprechen dürfe man daher in einer wissenschaftlich orientierten Klinik nicht geben. Zusätzlich zu den gängigen Behandlungen könne eine homöopathische Behandlung zwar bei einigen Patienten durchaus eine positive Wirkung auf die Psyche haben. Gefährlich sei es aber, wenn die Patienten dafür auf Chemotherapien oder andere klassische Behandlungsmethoden verzichten.  

Auch der SPD-Gesundheitsexperte und Vorsitzende der Zukunftskommission „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ Karl Lauterbach erklärte, es gebe „keinerlei wissenschaftliche Belege“, dass Homöopathie bei Krebserkrankungen Wirkung zeige. Eine Werbung dafür sei daher „unethisch“ – insbesondere, weil Angehörige krebskranker Kinder oft so verzweifelt seien, dass sie für Heilsversprechungen verschiedener Art besonders empfänglich seien. Der Politiker warnte jedoch davor, von diesem Vorfall auf die gesamte Arbeit der Kinderonkologie an der Charité zu schließen, die seiner Ansicht nach ansonsten „gute Arbeit“ leiste.  

Foto: © thingamajiggs - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kinder , Kinderheilkunde , Komplementärmedizin , Charité
 

Weitere Nachrichten zum Thema Homöopathie

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Statt Widerspruchslösung kommt nun die erweiterte Zustimmungslösung. Die neue Regelung tritt aber erst in zwei Jahren in Kraft. Die geltende Rechtslage einer aktiven Entscheidung für oder gegen die Organspende bleibt indes unverändert.
Die Augen lasern zu lassen, ist teuer. Daher locken viele Anbieter im Ausland mit niedrigen Preisen. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) rät jedoch von solchen Angeboten ab, da die notwendige Qualität häufig nicht gewährleistet sei.
. Top-Termine
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die Universitätsmedizin Essen ist Smart Hospital und aktiv am Aufbau des virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen beteiligt. Über die Chancen der digitalen Transformation und die Hürden auf diesem Weg hat Gesundheitsstadt Berlin mit der Digital Change Managerin der Universitätsmedizin Dr. Anke Diehl gesprochen.