Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
07.04.2017

Krebs bei Kindern: Bei der Strahlentherapie ist weniger manchmal mehr

Auch Kinder können an Krebs erkranken. Nicht selten werden sie dann mit einer Strahlentherapie behandelt. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass niedrigere Strahlendosen und seltenere Bestrahlungen mit einem verringerten Risiko für Rezidive assoziiert sind.
Krebs bei Kindern

Bei an Krebs erkrankten Kindern müssen die Risiken einer Strahlentherapie besonders sorgsam abgewogen werden

Krebs im Kindes- und Jugendalter ist selten, doch immerhin rund 1.800 Kinder unter 15 Jahren erhalten jährlich in Deutschland die Diagnose Krebs. Am häufigsten sind dabei Leukämien – sie machen etwa 30 Prozent der Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen aus. Ein Viertel der Betroffenen erkrankt an Hirntumoren, dann folgen Lymphome, Tumoren des Nervensystems wie das Neuroblastom, Weichteilsarkome und Nierentumoren wie der Wilms-Tumor (Nephroblastom).

Schaden und Nutzen der Behandlung müssen abgewogen werden

Bei der Behandlung von Krebserkrankungen von Kindern stellen sich besondere Herausforderungen. Denn bei ihnen muss noch stärker als bei Erwachsenen sorgfältig zwischen dem Schaden und Nutzen einer Krebstherapie abgewogen werden, um unerwünschte Spätfolgend zu vermeiden. So wurden seit den 1990er Jahren Strahlentherapien bei Kindern zurückhaltender eingesetzt und die Strahlendosen verringert. Nun haben US-amerikanische Wissenschaftler untersucht, wie sich diese Entwicklung auf die Häufigkeit von Rezidiven bei den jungen Krebspatienten ausgewirkt hat. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht.

Für ihre Analyse untersuchten die Forscher um Lucie M. Turcotte vom Masonic Cancer Center der University of Minnesota die Daten von über 23.000 Überlebenden einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter. Bei allen Betroffenen war der Krebs vor dem 21. Lebensjahr diagnostiziert worden, das Durchschnittsalter betrug bei der Diagnose acht Jahre. Wie sich zeigte, traten innerhalb der folgenden 20 Jahre bei 1.639 Patienten insgesamt fast 3.000 weitere Krebserkrankungen auf, am häufigsten Brust- und Schilddrüsenkrebs. 

 

Weniger Rezidive bei jungen Krebspatienten

Im Lauf der Jahre ist der Anteil der Rückfälle bei den im Kindesalter an Krebs erkrankten Patienten jedoch gesunken. Lag die Häufigkeit für ein Rezidiv in den 1970er Jahren noch bei 2,1 Prozent, war sie zehn Jahre später auf 1,7 Prozent und in den 1990er Jahren auf 1,3 Prozent gesunken. Gleichzeitig ging dabei der Anteil der Kinder, die eine Strahlentherapie erhalten hatten, von 77 Prozent auf 33 Prozent zurück. In der Studie konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen einer reduzierten Strahlendosis und einem geringeren Risiko für zweite Krebserkrankungen festgestellt werden.

Die Langzeitstudie zeigt, dass es vor allem bei Kindern, die an Krebs erkrankt ist, sinnvoll sein kann, Strahlentherapien zurückhaltend einzusetzen. Dennoch ist sie eine wirksame Methode in der Bekämpfung von Krebs und kann in vielen Fällen zur Heilung beitragen.

Foto: © Frantab - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kinder , Krebs , Leukämie , Lymphom , Rezidiv , Strahlentherapie , Hirntumor
 

Weitere Nachrichten zum Thema Krebs bei Kindern

Das Medulloblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der meist im Kleinkindes- und Kindesalter auftritt. Forscher der Universität Bonn haben nun gemeinsam mit einem internationalen Team eine Form der Erkrankung identifiziert, die besonders gute Heilungschancen aufweist. Unter Umständen kann man den Betroffenen zukünftig mit einer deutlich schonenderen Behandlung helfen als bisher.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.


Wer spät am Abend viel und Schweres isst, schläft schlecht – und umgekehrt. Das ist bekannt. Eine Studie aus den USA an über 400 Frauen zeigt jetzt: Nicht nur der Zeitpunkt des Essens ist entscheidend, sondern auch die grundsätzliche Auswahl. Wer sich also konsequent gesund ernährt, kann dauerhaft leichter ein- und besser durchschlafen.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin