. Gesundheitsförderung und Prävention

Krankenkassen finanzieren deutlich mehr Prävention

Das Präventionsgesetz ist umgesetzt – zumindest bei den Krankenkassen. Sie gaben 2016 mehr als anderthalb mal so viel für Prävention aus wie im Jahr zuvor und erreichten damit auf Anhieb die Zielvorgaben des Gesetzgebers.
Gesundheitsförderung in Lebenswelten wird größer geschrieben

Gesundheitsförderung in Schulen: Die Krankenkassen stellen mehr Geld bereit.

Innerhalb eines Jahres haben die Krankenkassen ihre Ausgaben für Prävention vervielfacht. Sie stiegen 2016 um rund 172 Millionen auf rund 485 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs um 55 Prozent. Wie vom Gesetzgeber mit dem Präventionsgesetz gefordert investierten die Kassen vor allem in die Prävention in Kitas, Schulen, Stadtteilen und Betrieben.

Die Ausgaben für Leistungen zur individuellen Prävention stiegen mit einem Zuwachs von 7,8 Prozent verhältnismäßig wenig. Sie umfassen vor allem Kursangebote für Entspannung, Ernährung und Sport. Verglichen mit den anderen beiden Bereichen der Prävention sind mit 217 Millionen Euro jedoch immer noch der größte Ausgabenposten.

Für betriebliche Gesundheitsförderung gaben die Krankenkassen im vergangenen Jahr 143 Millionen Euro aus. Im Jahr 2015 flossen nur 75 Milliarden Euro in die betriebliche Gesundheitsförderung. Die Differenz entspricht einem Anstieg um 89 Prozent. Am stärksten gewachsen sind die Ausgaben für die Prävention in nichtbetrieblichen Lebenswelten. Sie wuchsen um satte 240 Prozent von 37 auf 125 Millionen Euro. Verglichen mit den beiden anderen Präventionsbereichen ist der absolute Betrag noch immer der kleinste.

Richtwerte des Präventionsgesetzes erreicht

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) würdigt das finanzielle Engagement der Krankenkassen für die Prävention. Es teilte mit, dass die vorgesehenen Richtwerte bereits im ersten Jahr nach Inkrafttreten des Präventionsgesetzes weitestgehend erreicht worden seien. Das Präventionsgesetz sieht vor, dass die Krankenkassen pro Versicherten mindestens sieben Euro in Präventionsleistungen nach § 20 SGB V und mindestens zwei Euro pro Kopf in Präventionsmaßnahmen in betrieblichen und nicht betrieblichen Lebenswelten investieren.

„Durch diese erfreuliche Entwicklung gerade in den betrieblichen und nichtbetrieblichen Lebenswelten, also in den Bereichen, in denen wichtige Weichenstellungen für ein gesundheitsbewusstes Leben vorgenommen werden können (z.B. in Kitas, Schulen und Betrieben), konnte das bisher vor allem in den Lebenswelten sehr geringe Engagement der Krankenkassen deutlich ausgebaut werden“, so das Ministerium.

Förderung für Selbsthilfe und Hospize steigt ebenfalls

Auch für die Förderung von Selbsthilfegruppen stiegen die Ausgaben der Krankenkassen deutlich. Sie wuchsen von rund 45 auf rund 71 Millionen Euro um 56 Prozent. „Auch hier konnte der gesetzlich vorgesehene Förder-Richtwert von 1,05 Euro je Versicherten insgesamt weitgehend eingehalten werden“, so das BMG.

Deutliche Zuwächse, die das Ministerium ebenfalls positiv bewertet, gab es außerdem bei den Ausgaben für die Hospiz- und Palliativversorgung. In die Förderung der Hospize investierten die Krankenkassen 2016 rund 45 Millionen Euro mehr (+ 27,6% je Versicherten) und in die spezialisierte ambulante Palliativversorgung rund 73 Millionen Euro (+21,5% je Versicherten) mehr als im Jahr 2015.

Foto: Shmel – Fotolia.com

Weitere Nachrichten zum Thema Präventionsausgaben der Krankenkassen

| "Ich bin zuversichtlich, dass es dieses Mal mit dem Präventionsgesetz klappt“, verkündete Simone Stammer, Referentin für Rechtsfragen der primären Prävention und Gesundheitsförderung im Bundesgesundheitsministerium beim Gesundheitskongress des Westens in Köln. Und wie gute Beispiele für Betriebliche Gesundheitsförderung aussehen können, zeigten Experten aus der Praxis.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Anlässlich des internationalen Tages der Gehörlosen machen Gehörlosen-Verbände auf die Situation der bundesweit ca. 80.000 gehörlosen Menschen aufmerksam und werben zudem für das Erlernen der Gebärdensprache, um Betroffenen mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Hoher Blutdruck ist ein Männerproblem, niedriger Blutdruck eins der Frauen: Das klingt nach Klischee – und trifft im Grundsatz trotzdem zu. Im Alter ziehen die Frauen aber an den Männern vorbei. Der Risikofaktor hat aber nichts mit Bewegungsmangel oder ungesunder Ernährung zu tun.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.