. Barmer Heil- und Hilfsmittelreport

Krankenkasse: Gezieltere Therapie bei Schlaganfall nötig

Bei der Versorgung von Patienten nach einem Schlaganfall im Krankenhaus klaffen Lücken. Das kritisiert die Barmer GEK auf der Basis von Daten ihres aktuellen Heil- und Hilfsmittelreports.
Nach einem Schlaganfall auf die STroke Unit und in die Reha - das klappt nicht oft.

Schlaganfallversorgung: Nicht alles läuft optimal.

Der Report zeigt: Nur gut jeder zweite Patient wird nach einem Schlaganfall auf einer speziellen Schlaganfallstation, einer sogenannten Stroke Unit, behandelt. Im Jahr 2012 bekamen demnach nur 54,7 Prozent der über 65-jährigen Schlaganfallpatienten eine neurologische Komplexbehandlung, die auf einer Spezialstation unter anderem mit Neurologen, Logopäden und Physiotherapeuten erfolgt. Stroke Units gelten als Goldstandard in der Schlaganfallversorgung. Die Rettungsdienste sind gehalten Schlaganfallpatienten direkt dorthin zu bringen. In Berlin funktioniert das wohl bereits sehr gut. Schwieriger dürfte es dagegen in ländlichen Regionen sein.

Schlaganfall wird noch zu selten auf Stroke Units behandelt

„Bei einem Schlaganfall kommt es auf Minuten und eine sehr individuelle Behandlung an, die eine Spezialstation am besten leisten kann. Hier scheinen noch Verbesserungen in der Akutversorgung des Schlaganfalls möglich zu sein“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Dr. Christoph Straub. Laut Report überlebten 90,8 Prozent der in den Kliniken behandelten Patienten überlebten den Schlaganfall.

 

Die meisten Schlaganfallpatienten erhalten keine Rehabilitation

Ein weiteres Ergebnis des Reports: Knapp 85 Prozent aller Patienten über 65 Jahre erhalten in Deutschland nach einem Schlaganfall entweder Rehamaßnahmen oder Heilmittelverordnungen. Als erstaunlich bewertet Straub, dass lediglich 38,7 Prozent der überlebenden Patienten eine Rehabilitation begannen, überwiegend direkt nach dem Klinikaufenthalt. 7,1 Prozent erhielten eine Frührehabilitation im Krankenhaus. 21 Prozent der Patienten bekamen in den ersten drei Monaten nach dem Krankenhausaufenthalt eine normale Krankengymnastik verordnet, 14,5 Prozent eine spezielle Krankengymnastik und 11,6 Prozent eine Ergotherapie.

Der Autor des Reports, Professor Gerd Glaeske, kritisierte, dass für die Nachbehandlung von Schlaganfallpatienten eindeutige Richtlinien fehlen. In den vorhandenen medizinischen Leitlinien vermisst er vor allem Empfehlungen zur Dauer der Reha nach einem Schlaganfall. Die rehabilitative Versorgung ist nach seiner Einschätzung überwiegend kurzfristig ausgerichtet. „Eine Überarbeitung der Schlaganfall-Leitlinien wäre sinnvoll, um die Therapie, so individuell sie auch sein mag und muss, nachhaltiger anzulegen“, sagte Glaeske. Er kritisiert zudem, dass die Leitlinien zu den rehabilitativen Maßnahmen nach einem Schlaganfall nicht den höchsten wissenschaftlichen Standards entsprechen. „Im Sinne einer bestmöglichen Patientenversorgung sind weitere Studien erforderlich, um die Leitlinien zur rehabilitativen Schlaganfallbehandlung zu optimieren“, so der Gesundheitssystemforscher.

Foto: psdesign1 - fotolia

Autor: Angela Mißlbeck
 

Weitere Nachrichten zum Thema Akute und rehabilitative Versorgung von Schlaganfallpatienten

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Besonders Arznei-Wirkstoffe aus Antibiotika, Verhütungspillen oder bestimmten Schmerzmitteln können die Umwelt schädigen – mit Rückwirkung auf den Menschen. Dabei haben es die Verbraucher selbst in der Hand, alte Medikamente verantwortungsbewusst zu entsorgen.
Die Zahl der Masernerkrankungen hat sich im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr innerhalb Europas verdreifacht. Erwartungsgemäß kommen die Masern in den Ländern am häufigsten vor, in denen die Impfquoten besonders niedrig sind. Das ist zum Beispiel in der Ukraine der Fall.
. Top-Termine
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.