. Europa Studie

Krankenhausinfektionen: Deutschland europaweit nur Mittelmaß

Deutschland liegt mit einer halben Million Krankenhausinfektionen pro Jahr im europäischen Mittelfeld. Staaten wie Lettland und Rumänien schneiden besser ab. Auf dem Nationalen Qualitätskongress Gesundheit wurden die neuesten Daten der ECDC-Studie präsentiert.
Krankenhausinfektionen: Multiresistente VRE kleben nahezu überall

Multiresistente VRE kleben nahezu überall

Laut European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) infizieren sich jedes Jahr 3,2 Millionen Menschen in Europa mit einem Krankenhauskeim. Täglich müssen etwa 80.000 Patienten wegen einer nosokomialen Infektion in europäischen Krankenhäusern behandelt werden. Das ECDC hatte in einer Studie zwischen 2011 und 2012 die Ausbreitung von nosokomialen Infektionen in Europas Kliniken untersucht. Die Daten wurden im Herbst veröffentlicht.

„Deutschland liegt bei den nosokomialen Infektionen im unteren Mittelfeld“, berichtete Prof. Dr. Petra Gastmeyer, Hygieneexpertin der Charité auf dem Nationalen Qualitätskongress in Berlin Ende November mit Blick auf die Daten der neuesten ECDC-Studie. So würden sich in Deutschland 5,1 Prozent der Krankenhauspatienten eine nosokomiale Infektion zuziehen, im EU-Schnitt seien es 5,9 Prozent. Die höchsten Infektionsraten gebe es in Portugal mit etwa elf Prozent und in Griechenland und Spanien mit jeweils etwa neun Prozent. Am besten schnitten die Länder Lettland, Rumänien und Litauen ab.

In Europa werden täglich 80.000 Menschen wegen einer Krankenhausinfektion behandelt

„Erstaunlicherweise haben die skandinavischen Länder hohe Infektionsraten“, sagte Gastmeier. Und selbst die Niederlande, die immer als so vorbildlich gelten, belegen einen hinteren Platz. „Die Niederlande sind nur bei MRSA gut, sie haben aber eine hohe Rate an Wundinfektionen“, so die Hygieneexpertin der Charité. In Deutschland und allen andern europäischen Ländern gehören Wundinfektionen zusammen mit Harnwegsinfekten und Lungenentzündungen zu den häufigsten nosokomialen Infektionen.

Gastmeier zufolge kommt es in Deutschland jedes Jahr zu rund 500.000 Krankenhausinfektionen. Über 31.000 dieser Infektionen gingen mittlerweile auf multiresistente Erreger zurück, davon 14.000 auf MRSA, 9.500 auf E.coli-Bakterien und 5.500 auf die Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE). „Der Anteil der Infektionen mit VRE ist in Deutschland sehr hoch“, interpretierte Gastmeier die aktuellen Zahlen.

 

Ein Drittel der Krankenausinfektionen wäre vermeidbar

VRE sind gegen das Reserveantibiotikum Vancomycin resistent und in vielen Ländern ein zunehmendes Problem. Frankreich habe mit einer konsequenten Strategie seine VRE-Infektionsraten auf unter ein Prozent eingedämmt, berichtete Prof. Dr. Markus Dettenkoffer vom Hygieneinstitut der Uniklinik Freiburg. Um das wachsende Problem unter Kontrolle zu bekommen, helfe nur eine konsequente Händedesinfektion und eine bessere Compliance des Personals. Ebenso wichtig seien ein frühes Screening der Patienten und die strikte Isolierung der betroffenen Patienten. Aber nicht nur das medizinische Personal, auch die Reinigungskräfte sollten besser geschult werden, meinte der Hygieniker, denn VRE klebten nahezu überall. Die Experten schätzen, dass rund ein Drittel aller Krankenhausinfektionen vermeidbar wären.

Mehr zum Nationalen Qualitätskongress Gesundheit unter www.qualitaetskongress-gesundheit.de/

Foto: © spotmatikphoto - Fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Nosokomiale Infektion , Infektionskrankheiten , Händedesinfektion
 

Weitere Nachrichten zum Thema Krankenhausinfektionen

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Ins Fitness-Studio gehen erleben viele als stressig – sich davor drücken auch. Einfache Tätigkeiten in Haus und Garten haben einer Studie zufolge oft eine entspannendere Wirkung als tapfer absolvierte Workout-Torturen.
Oxidativer Stress in unseren Zellen beschleunigt das Altern und verringert die Lebenserwartung. Zink scheint eine schützende Funktion zu haben, wenn das Spurenelement mit bestimmten Lebensmitteln zum Beispiel Schokolade kombiniert wird. Das hat ein deutsch-amerikanisches Forscherteam jetzt herausgefunden.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.