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Krankenhaushygiene: Plusminus macht Rückzieher

Mit einer interaktiven Karte wollte das ARD-Magazin "Plusminus" die schlechte Hygiene in deutschen Krankenhäusern dokumentieren. Jetzt wurde nicht nur die Karte, sondern der gesamte Beitrag aus dem Netz genommen. Die Daten waren veraltet und falsch.
Plusminus-Beitrag über Hygiene in deutschen Krankenhäusern: Wegen Recherchemängeln aus dem Netz genommen

Plusminus-Beitrag über Hygiene in deutschen Krankenhäusern: Wegen Recherchemängeln aus dem Netz genommen

Dass es mit der Hygiene in deutschen Krankenhäusern nicht immer zum Besten bestellt ist, ist nicht gerade neu. Für Recherche-Magazine wie Plusminus sind Hygienemängel ob ihres breiten Interesses dennoch ein gefundenes Fressen. Aufgewärmt wurde das Thema in der Sendung am 11. Januar. Gemeinsam mit dem Recherchezentrum correctiv behaupteten die Investigativjournalisten der ARD, dass nur jedes vierte Krankenhaus die Hygienevorschriften des Robert Koch-Instituts erfülle. Etliche Medien berichteten über den „Hygieneskandal.“

Plusminus-Beitrag enthielt fehlerhafte Daten

Doch nun rudert die ARD zurück. Eine interaktive Karte, auf der Kliniken verzeichnet waren, die angeblich nicht die Hygienevorschriften erfüllten, wurde aus dem Netz entfernt. Auch der komplette Beitrag ist nicht mehr abrufbar. Die Redaktion bedauere, „dass es in Einzelfällen zu missverständlichen Angaben kam und wir derzeit keine Möglichkeit sehen, umfassende Transparenz für die Patienten herzustellen“, schreibt die ARD auf ihrer Plusminus-Seite. Daher habe man nun die Karte aus dem Netz genommen. „Da grafische Darstellungen im Fernsehbeitrag ebenfalls auf den Daten des G-BA fußten, verbreiten wir auch diesen Beitrag nicht weiter“, heißt es außerdem. 

Für die Berichterstattung hatten die Sendungs-Macher auf Zahlen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für 2014 zurückgegriffen. Die Daten sollten zeigen, ob die Krankenhäuser entsprechend der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts ausreichend Hygiene-Personal beschäftigen und ob sie damit die Mindestkriterien für Hygiene erfüllen. Danach erfüllten 26 Prozent der Häuser die Vorgaben nicht.

Heute mehr Hygienepersonal in Kliniken als 2014

Unter anderem die Deutsche Krankenhausgesellschaft hatte heftig dagegen protestiert. „Die Daten, die Plusminus verbreitet, sind veraltet“, erklärte DKG-Geschäftsführer Dr. Georg Baum. 2014 sei das Förderprogramm gerade erst angelaufen, heute sei die Ausstattung an Hygienikern und Hygienebeauftragten deutlich besser. Ärgerlich findet Baum auch, dass Krankenhäuser in der Sendung als mangelhaft bewertet wurden, weil sie 2014 im Qualitätsbericht nicht gemeldet hatten, ob sie einen Hygienebeauftragten in der Pflege haben. Dabei verschweige Plusminus, dass die Information im Qualitätsbericht nicht notwendig war. "Die Redaktion bewerte offensichtlich nicht nach den gesetzlichen Vorgaben, sondern nach selbst gesetzten Kriterien", kritisierte Baum. 

Das Magazin hat die Kritik eingesehen und räumt ein, es habe „offenbar technische Schwierigkeiten bei der Datenübermittlung an den G-BA gegeben.“ Außerdem sei es aufgrund von Landesverordnungen in einigen Bundesländern zu Missverständnissen in der Auswertung der Daten gekommen, „mithin in Einzelfällen auch zu Fehlern in unserer Karte.“ So hätten etwa einige Kliniken in 2014 Hygienepersonal beschäftigt, dies jedoch mitunter nicht angegeben.

Rechercheergebnisse nicht hinterfragt

Am Ende des Eingeständnisses versucht die Redaktion jedoch den schwarzen Peter zurückzugeben und empört sich, dass sie mit veralteten Zahlen arbeiten musste. „Der Patient hat darauf ein Anrecht in diesem – bei der Krankenhausauswahl so wichtigen Punkt – und muss sich ein Urteil auf einer verlässlichen, einheitlichen Datengrundlage bilden können. Dafür haben die Verantwortlichen leider bislang noch nicht gesorgt“, heißt es wörtlich.

Was Plusminus nicht sagt: Auch der Gebührenzahler hat ein Anrecht auf sorgfältige Recherche. „Plusminus muss sich fragen lassen, ob eine ausreichende Überprüfung der Rechercheergebnisse stattgefunden hat“, meint dazu Georg Baum. Dies gelte übrigens auch für den BKK-Landesverband Ost, der im Bericht aufgrund der falschen und veralteten Daten ebenfalls Beschuldigungen gegen Krankenhäuser erhoben hatte.

Foto: © RioPatuca Images - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Berlin
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