. Grippeschutz

Krank von der Grippeimpfung? Barer Unsinn

Kann die Grippeimpfung eine Grippe auslösen, wie viele Menschen glauben? Die Antwort lautet nein. Doch das Vorurteil hält sich hartnäckig in der Bevölkerung.
Grippeimpfung: Immunreaktionen nicht mit echter Grippe verwechseln

Grippeimpfung: Immunreaktionen nicht mit echter Grippe verwechseln

Ein Argument vieler Impfskeptiker lautet: Die Grippeimpfung sei gefährlich, weil sie genauso das auslösen könne, was sie zu verhindern versucht: eine Grippe. Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig, und zwar über alle soziökonomischen Schichten hinweg und nicht nur in der Gruppe der verbohrten Impfgegner. Fast jeder kennt Erzählungen aus dem Bekanntenkreis, wonach der Soundso erst nach der Grippeimpfung krank geworden sei.

Ein Bruchstück macht noch keine Grippe

Aber kann das wirklich stimmen? Impfexperten sagen einstimmig, dass eine Grippeimpfung gar keine Grippe auslösen kann. Denn für den Impfstoff werde nur ein winziger Bestandteil des Influenzavirus genommen. Paul van Buynder, Professor für Public Health an der Griffith-University in Australien, erzählte auf der 6. ESWI Influenza-Konferenz am 12. September dazu ein anschauliches Beispiel. „Stellen Sie sich vor, ich werfe jetzt Ihr i-phone an die Wand und es zerbricht in tausend Einzelteile. Versuchen Sie jetzt mal mit einem der Splitter zu telefonieren online zu gehen.“ Genauso verhalte es sich mit der Grippeimpfung. Darum sei das Argument, die Impfung könne Grippe auslösen, barer Unsinn.

Nebenwirkungen einer Grippeimpfung

Was allerdings stimmt ist, dass es nach einer Impfung zu Immunreaktionen kommen kann, eventuell auch leichtem Fieber. Diese Nebenwirkungen sind bei Lebendimpfstoffen ausgeprägter. Darum sollte Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kein Lebendimpfstoff verabreicht werden. In der Regel wird ohnehin nur mit Totimpfstoffen geimpft. Diese Grippeimpfstoffe enthalten vorher abgetötete Erreger bzw. nur Teile davon.

Auch sollte nicht in einen Infekt hineingeimpft werden und schon gar nicht, wenn eine schwere Infektionskrankheit besteht. Die Impfung könnte nämlich den Körper zusätzlich schwächen. Darum ist vor jeder Grippeimpfung eine Untersuchung durch den Arzt angezeigt.

Wenn es tatsächlich nach einer Impfung zu grippeartigen Symptomen kommt, war der Infekt schon vorher im Körper. Es handelt sich dann aber in der Regel nicht um die echte Grippe, sondern um eine Erkältung. Beide Erkrankungen ähneln sich. Doch wer einmal die richtige Grippe hatte, kennt den Unterschied. Die vom Robert Koch-Institut erfassten 21.000 Todesfälle der Grippewelle 2014/2015 gingen auf die nachgewiesene Influenza zurück. In dieser Saison war die Impfrate besonders niedrig.

Foto: #150155835 | © guerrieroale - Fotolia.com

Autor: ham
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Grippe , Grippeschutzimpfung

Weitere Nachrichten zum Thema Grippeimpfung

| In jedem Herbst stellen sich viele Menschen erneut die Frage: Grippe-Impfung, ja oder nein? Einige Ärzte bieten dies ihren Patienten beim Praxisbesuch an. Ausdrücklich empfohlen wird die Impfung aber nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Auch diesen bietet sie keinen 100-prozentigen Schutz.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Bei Frauen mit genetisch bedingtem Lungenhochdruck kann Östrogen eine Rolle bei der Erkrankung spielen. Experimente zeigen nun, dass Medikamente, die das Östrogen hemmen, der Erkrankung vorbeugen und auch zu ihrer Behandlung dienen können.
Knapp drei Millionen Tiere sterben in Deutschland jedes Jahr für die Forschung – viele davon umsonst, weil sich die Ergebnisse aus Tierversuchen oft nicht auf Menschen übertragen lassen. Nun wurde ein Modellsystem ausgezeichnet, das Tierversuche in der Schlaganfallforschung ersetzen soll.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.