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Krank vom Schießen? Charité verteidigt Studie an Berliner Polizisten

Als Folge der Berliner Schießstand-Affäre führt die Charité derzeit eine Studie an Polizeibeamten durch. Doch es gibt Kritik am Studiendesign. Die Charité hat nun Stellung bezogen.
Charité untersucht Giftbelastung an 300 Berliner Polizisten. Doch die Studie ist umstritten

Charité untersucht Giftbelastung an 300 Berliner Polizisten. Doch die Studie ist umstritten

Hat ungesunde Luft beim Schießtraining Hunderte Berliner Polizeibeamte krank gemacht? Rund ein Jahr nachdem die Berliner Schießstand-Affäre publik wurde, hat der Berliner Senat für Inneres die Charité mit einer Studie beauftragt, die die gesundheitlichen Auswirkungen einer möglichen Giftbelastung aufklären soll. Konkret geht es um die Frage, ob bei langjähriger Exposition eingeatmete Schadstoffe zu Atemwegsbeschwerden und zu einer Anreicherung von Spurenelementen im Körper führen könnten. Bei einigen Polizisten wurden bereits im Jahr 2015 krebserregende Stoffe wie Antimon im Blut gefunden. Weiter wurde von irritativen Belastungen des Bronchialsystems berichtet. Im April 2016 wurde schließlich die Berliner Schießstand-Affäre daraus, woraufhin etliche Schießanlagen geschlossen wurden.

Kranke Polizisten dürfen nicht mitmachen

Inwieweit diese Symptome auf die eingeatmeten Dämpfe in den maroden Schießanlagen zurückzuführen sind, soll die Charité nun durch die Untersuchung von 300 Polizeibeamten klären. Dabei sollen drei Gruppen miteinander verglichen werden: Beamte, die einer hohen, einer geringen und keinerlei Schadstoffbelastung ausgesetzt waren.

Doch bei der Berliner Polizei ist die Studie umstritten. Einmal, weil die Studie nicht unter den alten Schießbedingungen mit hoher Schadstoffbelastung durchgeführt wird. Und zum anderen, weil Dienstkräfte mit einer Erkrankung aus der Studie ausgeschlossen wurden. In einer Petition forderten erkrankte Beamte der Berliner Polizei am Freitag das Abgeordnetenhaus dazu auf, man möge sie bitte in die Studie mit einbeziehen. Es sei absurd, dass ausgerechnet diejenigen, die Auslöser der Studie seien, nicht darin berücksichtigt würden. Damit würde man die Ergebnisse beschönigen.

 

Charité befürchtet verfälschte Studienergebnisse

Am Samstag hat die Charité nun Stellung bezogen. Während es wohl jedem einleuchten dürfte, dass man aus ethischen Gründen niemanden einer Situation aussetzen kann, die im Verdacht steht, Gesundheitsschäden hervorzurufen, ist das zweite Argument erklärungsbedürftiger. Warum ausgerechnet erkrankte Polizeibeamte von der Studie ausgeschlossen sind, erklärt die Charité so: Es sei nicht auszuschließen, dass erhöhte Werte von Spurenelementen auch aus anderen Quellen stammen und Atemwegsbeschwerden auch andere Ursachen haben könnten als die Exposition gegenüber den Schießpulverdämpfen. Würden Personen mit bestimmten Erkrankungen einbezogen, könnten die Ergebnisse verfälscht werden und die Studie werde angreifbar, so die Charité.

Außerdem weist das Universitätsklinikum darauf hin, dass weder die Senatsverwaltung für Inneres und Sport noch die Polizeiführung Berlins noch die betroffenen Beamten inhaltlich Einfluss auf das Studiendesign genommen hätten. Vielmehr sei die Studie von der Charité gemeinsam dem WHO Collaborating Centre for Occupational Health und dem Klinikum der Universität München entwickelt worden.

Derzeit sucht die Charité noch nach Studienteilnehmern. Sie dürfen allerdings keine Nieren- oder Leberkrankheit sowie keine dauerhaft behandlungsbedürftige Lungenkrankheit haben, und sie müssen Nichtraucher sein.

Foto: © Victority - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
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