. Neues Diagnoseverfahren

Krank durch Schimmelpilz?!

Wer Schimmelpilz ausgesetzt ist, kann krank werden. Immungeschwächte Menschen können sogar daran sterben. Ein neues Diagnoseverfahren soll helfen, die Therapie schneller einzuleiten.
Krank durch Schimmelpilz?!

Schimmelpilzinfektionen schneller diagnostizieren: Ein neuer radioaktiver Marker könnte dies möglich machen

Schimmelpilz kann überall sein. Besonders dort, wo Feuchtigkeit ist, also etwa im Bad, in der Küche oder auf Pflanzen tummeln sich Schimmelpilzsporen - auch in der Luft.  Deshalb sollten Räume täglich gelüftet werden. Gesunden Menschen bereitet der Aspergillus fumigatus, wie Schimmelpilz in der Fachsprache heißt, normalerweise keine Probleme. Das körpereigene Immunsystem tötet die Eindringlinge ab, bevor sie sich im Körper festsetzen können. Anders bei immungeschwächten Menschen: Schon kleinste Mengen an Schimmelsporen in der Luft können eine gefährliche Schimmelpilzinfektion auslösen, die sogenannte invasive Aspergillose. Diese Infektionskrankheit ist eine der häufigsten Todesursachen bei Patienten mit schwachem Immunsystem. Das sind etwa Menschen, die an AIDS oder Leukämie leiden oder eine Knochenmarkstransplantation hinter sich haben. Dabei ist eine solche Infektion durchaus kurativ behandelbar, doch bislang fehlten schnelle Diagnosemöglichkeiten.

Diagnostischer Marker für Schimmelpilz entwickelt

Das könnte sich jetzt ändern: Wissenschaftler des internationalen Forschungskonsortiums „MATHIAS“ haben ein neues Diagnoseverfahren entwickelt, das eine Schimmelpilzinfektion zuverlässig erkennen soll. Eine Testung an Menschen steht allerdings noch aus. Am nachgestellten Krankheitsmodell konnten die Forscher den Schimmelpilz mit Hilfe von radioaktiv markierten Antikörpern, die sich spezifisch nur an bestimmte Strukturen des wachsenden Schimmelpilzes heften, sichtbar machen. Dafür kombinierten sie die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit der Magnetresonanztomographie (MRT).

„Durch die Antikörper-basierte Bildgebung können wir ausschließen, dass es sich bei auffälligen Strukturen in der Lunge um eine bakterielle oder virale Infektion handelt“, berichten die Studienautoren um Anna-Maria Rolle vom Universitätsklinikum Tübingen und Dr. Mike Hasenberg vom Universitätsklinikum Essen im Fachmagazin „PNAS“. Das Verfahren mit dem neuen diagnostischen Marker könne möglicherweise die bisherige Diagnostik einer Schimmelpilzinfektion - Gewebe oder Flüssigkeit müssen aus der Lunge entnommen und im Labor untersucht werden – ersetzen.

 

Schnellere und spezifischere Diagnose

„Wenn das von uns entwickelte Verfahren sich auf den Menschen übertragen ließe, könnte ihnen diese schmerzhafte und mitunter gefährliche Prozedur in Zukunft erspart bleiben und viel Zeit für eine erfolgreiche Therapie gewonnen werden“, sagt Dr. Stefan Wiehr vom Imaging Center des Universitätsklinikums Tübingen. „Neben einer schnelleren Diagnose wäre die neue Methode auch weitaus zuverlässiger und spezifischer.“

„MATHIAS“ (New Molecular-Functional Imaging Technologies and Therapeutic Strategies for Theranostic of Invasive Aspergillosis) ist ein EU-Konsortium, das die Entwicklung neuer Techniken zur Diagnose und Behandlung der invasiven Aspergillose vorantreiben soll. Das Projekt wird von der EU unterstützt und vom Werner Siemens Imaging Center am Tübinger Universitätsklinikum koordiniert.

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