. Internationale Gesundheitspolitik

Kräftige Finanzspritze für die Antibiotika-Forschung

56,5 Millionen Euro sollen für die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika vorerst zur Verfügung stehen. Das haben die Bundesrepublik Deutschland und weitere internationale Geldgeber am Montag in Berlin zugesagt.
Forschung gegen Antibiotikaresistenzen wird gefördert.

Das Bundesforschungsministerium trägt den Mammutanteil der Fördersumme.

Die Finanzspritze soll die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika vorantreiben. Das ist eine Maßnahme im Kampf gegen zunehmende Antibiotikaresistenzen, die die Gesundheitsminister der G20-Staaten im Rahmen ihrer Berliner Erklärung beschlossen haben.

„Wir können auf wirksame Antibiotika nicht verzichten“, so Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Er warnt: „Trotz der Gefahr durch weltweit zunehmende Antibiotika-Resistenzen sind in den letzten Jahrzehnten kaum neue Antibiotika auf den Markt gekommen.“

Die nun beschlossene Förderung fließt in die sogenannte Globale Partnerschaft für Antibiotika-Forschung und Entwicklung – GARDP (Global Antibiotic Research and Development Partnership). Die gemeinnützige internationale Organisation wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeinsam mit der DNDi (Drugs for Neglected Diseases Initiative) gegründet. Derzeit arbeitet sie an vier konkreten Programmen, die ab 2023 neue Therapien ermöglichen sollen.

Trotz Resistenzen kaum neue Antibiotika in Sicht

„Bislang befinden sich in der Pipeline für neue Antibiotika nur sehr wenige bahnbrechende Innovationen. Wir müssen weiterhin in neue Modelle zur Unterstützung der Entwicklung neuer Antibiotika investieren, um prioritäre Krankheitserreger, einschließlich Tuberkulose, in den Griff zu bekommen“, so Dr. Hajime Inoue, Sonderbeauftragter des Generaldirektors der WHO für Antibiotika-Resistenz.

Die zugesagte Finanzierung unterstützt vier Programme: 

  • Zur Behandlung der Neugeborenen-Sepsis soll ab Ende 2017 ein globales Netzwerk aus Fachzentren eingerichtet werden, das mehr praktische Erkenntnisse für die Anwendung von Antibiotika bei Infektionskrankheiten Neugeborener schafft. 
  • Ein Netzwerk klinischer Studien soll den Antibiotikaeinsatz bei Kindern verbessern und die Entwicklung spezieller Antibiotika für Kinder beschleunigen.
  • Der Wirkstoff Zoliflodacin soll in einer globalen klinischen Phase-III-Studie zur Marktreife gebracht werden. Er ist eines der wenigen in der Entwicklung befindlichen Medikamente zur Behandlung arzneimittelresistenter Gonorrhö. 
  • Das Wissen über Antibiotika-Entwicklungsprojekte soll gesichert und nutzbar gemacht werden. Dazu wurden mehr als 100 Experten mit entscheidenden Kenntnissen über aufgegebene Antibiotika-Entwicklungsprojekte gewonnen, die sich mit Nachwuchswissenschaftlern auf der digitalen Plattform REVIVE austauschen.
 

Deutschland ist mit Abstand der größte Förderer

Das Bundesforschungsministerium allein fördert die GARPD von 2018 bis 2022 mit 50 Millionen Euro. „Internationale Produktentwicklungspartnerschaften wie GARDP sind für Deutschland ein wichtiges Instrument, um dringend benötigte neue Antibiotika und Diagnostika erfolgreich und schnell zu entwickeln“, so Staatssekretär Georg Schütte. Weitere Fördermittel kommen aus den Niederlanden, der Schweiz, Südafrika, Luxemburg, Monaco, Großbritannien, vom Wellcome Trust und von CARB-X (Combating Antibiotic-Resistant Bacteria Biopharmaceutical Accelerator).

Foto: MSchuppich – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antibiotikaforschung

| Mehr als 700 Tonnen Antibiotika werden in Deutschland pro Jahr an Tiere verfüttert. Über das Düngen mit Gülle gelangen die Medikamente dann in die Böden. Biogasanlagen können das offenbar nicht verhindern, wie eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zeigt.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.