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Kostenübernahme für künstliche Befruchtung auch für ältere Frau

Ein privater Krankenversichererer kann verpflichtet sein, die Kosten einer künstlichen Befruchtung auch bei einer älteren - in dem Fall 44 Jahre alten - Frau zu übernehmen.
Künstliche Befruchtung, In-Vitro-Fertilisation, IVF, Kinderwunschbehandlung

Die Kosten für eine Kinderwunschbehandlung können auch bei einer Frau über 40 übernommen werden

Ein privater Krankenversichererer kann verpflichtet sein, die Kosten einer künstlichen Befruchtung auch zu übernehmen, wenn die Frau bereits über 40 ist. Das entschied der Bundesgerichtshof.

Damit erhielt ihr Ehemann recht, der an einer Kryptozoospermie leidet und auf natürlichem Wege keine Kinder zeugen kann. Der Mann wollte sich die Kosten für insgesamt vier Behandlungszyklen einer In-vitro-Fertilisation (IVF) mit intracytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) und anschließendem Embryotransfer erstatten lassen. Sie lagen bei 17.500 Euro.

Unfruchtbarkeit ist eine Krankheit

Sein Versicherer lehnte dies ab und verwies insbesondere auf das Alter der 1966 geborenen Ehefrau des Klägers und eine für ihre Altersgruppe vorliegendes erhöhtes Fehlgeburts-Risiko. Auch handele es sich nicht um eine medizinisch notwendige Heilbehandlung.

Der BGH bestätigte nun ein Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichtes Bremen, gegen das der Versicherer in Revision gegangen war. Bei der Unfruchtbarkeit des Mannes handele es sich um eine Erkrankung und bei der künstlichen Befruchtung um eine Heilbehandlung.

 

Fehlgeburtsrisiko nicht relevant

Die maßgeblichen klinischen Befunde und Laborwerte wiesen die Ehefrau als "reproduktiv gesunde" Frau aus, die erfolgreich mit einer IVF/ICSI zu behandeln sei. Es bestand eine Wahrscheinlichkeit von mindestens 15 Prozent, dass ein Embryotransfer zur erwünschten Schwangerschaft führe.

Auf den weiteren Schwangerschaftsverlauf zielt die Behandlung nicht ab und nimmt darauf auch nicht notwendigerweise Einfluss. Deshalb komme es auf die in der Altersgruppe der Ehefrau des Klägers hoch liegende Fehlgeburtsrisiko nicht an. Dieses sei Teil eines allgemeinen Lebensrisikos, welches werdende Eltern unabhängig davon zu tragen haben, ob ihr Kind auf natürlichem Wege oder mit medizinischer Hilfe gezeugt wurde.

Kostenübernahme für künstlichen Befruchtung auch für ältere Frau

Das Selbstbestimmungsrecht der Ehegatten umfasst grundsätzlich auch die Entscheidung, sich den Kinderwunsch in fortgeschrittenem Alter unter Inkaufnahme altersspezifischer Risiken zu erfüllen, argumentierten die Richter. Der Anspruch auf die Kostenübernahme für eine künstliche Befruchtung gilt also auch für eine ältere Frau.

Anders könne die Entscheidung höchstens dann ausfallen, wenn es wegen der Gesundheit der Eltern nur wenig wahrscheinlich sei, dass das Kind lebend zur Welt komme. Der Versicherer muss nun die Kosten bis auf eine Selbstbeteiligung übernehmen.

Staatliche Zuschüsse in vielen Bundesländern

Bei gesetzlich versicherten Patienten zahlen die Kassen nur für die ersten drei Versuche - und das auch nur anteilig. In vielen Bundesländern kann aber ein staatlicher Zuschuss für die Behandlungen beantragt werden: Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Foto: vchalup/adobe.com

Autor: bab
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