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04.11.2019

Kortison-Spritzen in Hüfte oder Knie könnten Gelenk schaden

Ein Studie der Boston University School of Medicine zeigt, dass Kortison-Spritzen in Hüfte oder Knie dem Gelenk schaden könnten. Sie rufen besonders bei Risikopatienten Komplikationen hervor.
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Die häufig bei Knie-Arthrose eingesetzten Kortison-Spritzen sind nicht ganz ungefährlich

Ein Studie der Boston University School of Medicine (BUSM) zeigt, dass Kortison-Spritzen in Hüfte oder Knie dem Gelenk schaden könnten. Sie rufen besonders bei Risikopatienten Komplikationen hervor.

Zu den unbeabsichtigten Folgen der intraartikulären Kortikosteroid-Injektionen zählen eine beschleunigte Arthritis und die zunehmende Zerstörung des Gelenkes, berichten die Wissenschaftler.

Kortikosteroid-Injektionen gegen Arthrose-Schmerzen

Arthrose der Hüfte und des Knies gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen. Eine weltweit tausendemale pro Tag durchgeführte Behandlung von Arthrose und anderen Gelenkschmerzen sind intraartikuläre Kortikosteroid-Injektionen.

Ärzte injiziereng entzündungshemmende Kortikosteroide in das Gelenk, um die mit Arthrose verbundenen Schmerzen und Schwellungen zu behandeln. Das Verfahren wird allgemein als sicher angesehen. In den Einverständniserklärungen für Patienten werden hauptsächlich die selten auftretetenden Nebenwirkungen des nadelbasierten Verfahrens wie Blutungen oder Infektionen erwähnt.

 

Acht Prozent der Patienten hatten Komplikationen

Für ihre Untersuchung überprüften die Forscher bereits vorliegende Befunde von Patienten, denen Kortikoide in die Gelenke injiziert wurden, und stellten fest, dass acht Prozent von ihnen Komplikationen hatten, zehn Prozent in den Hüften und vier Prozent in den Knien.

"Wir sehen jetzt, dass diese Injektionen für die Gelenke sehr schädlich sein können, mit schwerwiegenden Komplikationen wie Osteonekrose, subchondraler Insuffizienz und schnell fortschreitender Osteoarthritis", sagte Dr. Ali Guermazi, Chef der Radiologie am VA Boston Healthcare System und Professor der Radiologie bei BUSM.

Kortison-Spritzen in Hüfte oder Knie können Gelenk schaden

Subchondrale Insuffizienzfrakturen sind Belastungsfrakturen, die unter dem Knorpel auftreten, Osteonekrose bedeutet das Absterben des Knochengewebes. Diese Erkrankungen beschleunigen die Zerstörung des Gelenks und damit die Notwendigkeit eines totalen Hüft- und Kniegelenkersatzes.

Kortison-Spritzen in Hüfte oder Knie könnten folglich dem Gelenk schaden. Patienten sollten daher vor der Einwilligung zu diesem Eingriff auch über diese möglichen schädlichen Nebenwirkungen aufgeklärt werden, was bislang nicht der Fall ist.

Bildgebende Befunde stärker beachten

Die Forscher empfehlen eine sorgfältige Untersuchung von Patienten ohne oder mit nur leichter Arthrose, die zur Behandlung von Gelenkschmerzen zur Injektion überwiesen werden, insbesondere wenn die Schmerzen im Verhältnis zu den bildgebenden Befunden unverhältnismäßig sind. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass bei diesen Patienten das Risiko besteht, nach Injektionen einen schnell fortschreitenden Gelenkspaltverlust oder eine zerstörerische Arthrose zu entwickeln.

Ärzte könnten eine geplante Injektion auch überdenken, wenn die Schmerzen eines Patienten zugenommen haben, sich das aber nicht durch das Röntgenbild erklären lässt. Womöglich wirkt sich eine Grunderkrankung auf die Gesundheit der Gelenke aus. Vor allem müssen jüngere Patienten, die sich am Anfang des Krankheitsverlaufes befinden, über die möglichen Folgen einer Kortikosteroid-Injektion informiert werden, bevor sie diese erhalten. Die aktuelle Studie erschien in der Fachzeitschrift Radiology.

Foto: sebra/adobe.com

 

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