Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
01.09.2019

Kopfschmerzen bei Kindern: Nur wenige Betroffene suchen Hilfe beim Arzt

Mehr als zwei Drittel aller Schulkinder leiden regelmäßig unter Kopfschmerzen, wie eine Studie festgestellt hat. Häufig ist das auch ein Grund für Fehltage in der Schule. Dennoch wird nur selten die Hilfe eines Arztes in Anspruch genommen, wie Experten kritisieren.
Kopfschmerzen, Kinder

Viele Schulkinder leiden regelmäßig unter Kopfschmerzen

Kopfschmerzen sind durchaus nicht nur ein Problem von Erwachsenen. Auch viele Kinder und Jugendliche haben damit zu kämpfen. Wie Wissenschaftler um Dr. Gudrun Goßrau, Neurologin am Dresdner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, in einer Studie festgestellt haben, leiden mehr als zwei Drittel der deutschen Kinder und Jugendliche regelmäßig unter Kopfschmerzen; bei den Oberschülern lag der Anteil sogar bei fast 80 Prozent. Einen Arzt suchen jedoch nur die wenigsten auf, was nach Ansicht der Forscher zeigt, dass Kopfschmerzen in unserer Gesellschaft nicht als „echte“ Krankheit wahrgenommen werden. Die Schmerz-Experten kritisieren zudem das mangelnde Bewusstsein für die Kopfschmerzproblematik bei Kindern und Jugendlichen.

Kopfschmerzen sind relevantes Gesundheitsproblem

Bleiben Kopfschmerzen bei Kindern unbehandelt, können die Betroffenen in einen Teufelskreis geraten: Schulfehltage können zu Leistungsabfall, Schulversagen und Schulangst führen, viele betroffene Kinder isolieren sich sozial, und auch die Gefahr einer Depression ist erhöht. Umso wichtiger sind eine rechtzeitige ärztliche Diagnose und individuelle Therapie dieser Kinder und Jugendlichen. Doch die Dresdner Studie zeigt, dass nahezu alle Kinder, die nur einmal im Monat Kopfschmerzen aufwiesen, und etwa 80 Prozent derjenigen, die mehr als zweimal im Monat unter Kopfschmerzen litten, keinen Arzt aufgesucht hatten.

„Dabei stellen Kopfschmerzen bereits im Kindes- und Jugendalter ein relevantes Gesundheitsproblem dar und sollten rechtzeitig und individuell von einem Arzt behandelt werden“, erklären Prof. Reinhard Berner, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Dresdner Uniklinikums und Dr. Matthias Richter, beides Co-Autoren der Publikation.

 

Kopfschmerzen bei Kindern häufig

Über 2.700 Schüler hatten an der Umfrage teilgenommen. Gefragt wurde, wie oft die Kopfschmerzen in den vergangenen drei Monaten aufgetreten waren, wie stark sie waren und welche Maßnahmen ergriffen wurden. Das Ergebnis: Nur knapp 32 Prozent der Befragten gaben an, gar nicht unter Kopfschmerzen zu leiden, fast 37 Prozent hatten einmal pro Monat Kopfschmerzen und fast 32 Prozent mehr als zweimal im Monat.

Die letztgenannte Gruppe untersuchten die Forscher genauer: 55 Prozent hatten an zwei bis fünf Tagen pro Monat Kopfschmerzen, 27 Prozent an fünf bis zehn Tagen. Sieben Prozent derjenigen, die mehr als zweimal im Monat Kopfschmerzen hatten, gaben sogar an, mehr als 15 Tage pro Monat unter diesen Schmerzen zu leiden.

Betroffene suchen zu selten einen Arzt auf

Viele der befragten Kinder gaben an, die Kopfschmerzen mit Schmerzmedikamenten oder homöopathischen Mitteln zu behandeln. In der Gruppe derer, die mehr als zweimal im Monat von Kopfschmerzen gequält wurden, gab fast die Hälfte an, regelmäßig Schmerzmittel einzunehmen. Ein Arzt wurde trotzdem meistens nicht aufgesucht.

Goßrau sieht in der mangelnden Bereitschaft, sich ärztlich behandeln zu lassen, auch den Ausdruck eines fehlenden Bewusstseins für Kopfschmerzen als ernstzunehmende Krankheit in unserer Gesellschaft: „Doch diese Form des Schmerzes ist bereits in Kindheit und Jugend ein relevantes Gesundheitsproblem. Wie unsere Erhebung gezeigt hat, sind bei jungen ebenso wie bei älteren Menschen Lebensqualität und Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt.“

Bei Kopfschmerzen droht Chronifizierung

Kritisch sehen die Ärzte auch die häufig unbedachte Schmerzmitteleinnahme. Schließlich können häufig eingenommene, frei verkäufliche Kopfschmerzmedikamente ihrerseits Kopfschmerzen verursachen oder verstärken. Kinder und Jugendliche, die wiederholt unter Kopfschmerzen leiden, sollten daher unbedingt einen Arzt aufsuchen. 

Ein unbehandelter Kopfschmerz, der bereits im Kindes- und Jugendlichenalter zu Fehltagen in der Schule führt, kann sich im weiteren Verlauf zu einer chronischen Erkrankung entwickeln, an deren Ende nicht selten auch eine Erwerbsunfähigkeit und Frühverrentung steht.

Foto: © Maskot - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kinder , Kopfschmerzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kopfschmerzen

22.07.2019

Obwohl sie zu den häufigsten und belastendsten Krankheiten gehört, wird Migräne noch immer zu selten therapiert. Anlässlich des World Brain Day erklärt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG): „Jeder Mensch, der unter Kopfschmerz leidet, kann behandelt werden!“

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Vor der Covid-19-Impfung Schmerzmittel einzunehmen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ist nicht ratsam. Denn Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol könnten die Wirkung des Impfstoffs beeinflussen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln direkt nach der Impfung könnte die Immunantwort abschwächen.

Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin