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19.07.2018

Kopfhörer führen bereits bei Kindern zu Hörschäden

Immer mehr Studien zeigen: Das Hören von lauter Musik über Kopfhörer kann bei Kindern zu dauerhaften Hörschäden führen. Offenbar sind dabei Kinder aus bildungsferneren Schichten besonders gefährdet.
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Das Hören von lauter Musik über Kopfhörer erhöht das Risiko für Hörschäden

Kinder und Jugendliche hören gerne laute Musik, häufig auch über Kopfhörer. Doch das kann dem Hörvermögen schaden. Belastbare Zahlen zu der Frage, ob Kinder heute häufiger unter lärmbedingter Schwerhörigkeit leiden, gab es dennoch bisher nicht. Dies wollten nun HNO-Ärzte um Carlijn le Clercq vom Erasmus University Medical Center in Rotterdam ändern. Sie haben untersucht, wie es um die Prävalenz lärmbedingter Hörverluste bei Kindern steht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie Fachmagazin JAMA Otolaryngology-Head & Neck Surgery.

Über 14 Prozent der Kinder hatten Probleme mit dem Hören

Für ihre Studien nutzten die Mediziner die Daten der Rotterdamer Generation-R-Studie, einer prospektiven Kohortenstudie, bei der die Teilnehmer von Geburt an bis zum jungen Erwachsenenalter begleitet und regelmäßig untersucht werden. Dabei wird unter anderem bei Kindern zwischen neun und elf Jahren das Hörvermögen geprüft. Insgesamt flossen die Daten von 3116 Kindern in die Analyse ein. Dabei zeigten 443 Kinder (14,2 Prozent) Probleme beim Hören oder sogar eine Hochtonschwerhörigkeit.

140 Kinder erfüllten demnach die Kriterien eines audiometrischen Notches, bei 238 wurde eine Hochtonschwerhörigkeit festgestellt, bei 65 Kindern beides. Von den 443 Kindern mit lärmbedingtem Hörverlust waren 52 beidseits betroffen. 232 Kinder berichteten über Beschwerden wie Klingeln im Ohr, Geräuschempfindlichkeit oder Verzerrungen; bei 16 bestanden diese Probleme dauerhaft.

Die Forscher befragten außerdem die Eltern hinsichtlich der Hörgewohnheiten der Kinder und deren Nutzungsverhalten von tragbaren Audio-Playern. Dabei zeigte sich, dass es zwischen dem Gebrauch von tragbaren Audio-Playern bzw. Kopfhörern und einem Hochfrequenzhörverlust tatsächlich einen Zusammenhang gab: Das Risiko war dadurch fast dreimal so hoch.

 

Moderne Geräte schützen besser

Ein endgültiger Beweis für eine Kausalität sei dies allerdings nicht, erklärten die Forscher. Dennoch raten sie dazu, Eltern über die Risiken des Gebrauchs von portablen Audioplayern und Kopfhörern durch Kinder und Jugendliche zu informieren. Ein weiteres interessantes Ergebnis betrifft das Bildungsniveau der Eltern: Je niedriger es war, desto höher war das Risiko für eine Schwerhörigkeit der Kinder. Bei geringen finanziellen Mitteln sank es jedoch wieder.  

Wie die Ärztezeitung berichtete, werden die Ergebnisse der Studie durch Dr. Kevin H. Franck, HNO-Arzt aus Boston, noch etwas anders beurteilt. Er erinnert daran, dass sich seit der Studie einiges verändert habe. So wurde unter anderem durch die Europäischen Kommission entschieden, dass die Standardlautstärkeeinstellung tragbarer Geräte in einem gesundheitlich unbedenklichen Bereich liegen muss. Auch technische Innovationen könnten das Problem eindämmen. So können moderne Geräte durch eine Selbstvermessung aktiv das Hörverhalten steuern und so vor zu lauter Musik schützen.

Foto: © goodluz - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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