. Bildgebende Verfahren

Kontrastmittel können DNA-Schäden bei CT verstärken

Bei einigen radiologischen Untersuchungen werden Kontrastmittel gegeben, um eine genauere Darstellung zu ermöglichen. Doch Kontrastmittel können bei einer CT offenbar die strahleninduzierten Schäden verstärken. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie.
Erhöhen Kontrasmittel das Krebsrisiko?

Kontrasmittel können die Bildgebung verbessern

Wird bei einer Computertomografie oder anderen radiologischen Untersuchungen ein Kontrastmittel gespritzt, kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen, die jedoch meist harmlos sind und schnell vorübergehen. Häufig spüren die Patienten nur ein vorübergehendes Kribbeln oder Wärmegefühl im Körper; einige reagieren auch mit Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit. Schwere Nebenwirkungen, wie allergische Reaktionen oder eine Beeinträchtigung der Nieren- oder Schilddrüsenfunktion, sind hingegen seltener.

Nun hat eine neue Studie gezeigt, dass es zu diesen Nebenwirkungen noch zu anderen unerwünschten Folgen durch Kontrastmittel kommen kann. Demnach können intravenös applizierte jodhaltige Kontrastmittel die bekannten strahleninduzierten Schäden an der DNA, die bei einer Computertomografie auftreten, verstärken. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Untersuchung, die von Forschern um Dr. Eike I. Piechowiak von der Philipps Universität Marburg zusammen mit Kollegen des Inselspitals in Bern durchgeführt wurde. Die Studie bestätigt Ergebnisse von früheren in-vitro-Untersuchungen.

Kontrastmittel absorbieren Strahlung stärker

Für ihre Studie nutzten die Forscher ein etabliertes Verfahren, die Messung des phosphorylierten Histons H2AX. H2AX kommt in den Zellkernen vor und dient der Stabilisierung der DNA. Bei bestimmten DNA-Schäden wird H2AX durch Kinasen phosphoryliert und bildet Komplexe um den beschädigten Abschnitt. Solche Komplexe sind also Indikatoren für DNA-Schäden und können mittels Immunfluoreszenz-Mikroskopie sichtbar gemacht werden.

An der Studie nahmen 245 Patienten teil, die eine Lungen-CT erhalten sollten – zum Teil mit und zum Teil ohne Kontrastmittel. Es zeigte sich, dass die Kontrastmittelgabe die messbaren CT-bedingten DNA-Schäden signifikant erhöhte. Die Studienautoren erklären dies unter anderem damit, dass Kontrastmittel viel dichter sind als die umgebenden Weichteile und daher mehr Strahlung absorbieren. Nach Ansicht der Forscher sollte daher in Zukunft die Verwendung von Kontrastmitteln noch gründlicher erwogen werden als bisher.

 

Chancen und Risiken abwägen

Kontrastmittel verbessern die Darstellung von Strukturen und Funktionen des Körpers bei radiologischen Verfahren wie Röntgen, Computertomografie, Magnetresonanztomografie oder Sonografie. So werden beispielsweise beim Röntgen die Strahlen vom Kontrastmittel stärker absorbiert als vom umliegenden Gewebe. So können einzelne Strukturen genauer abgebildet werden.  

Bei der Gabe von Kontrastmitteln gilt immer die Nutzen-Schaden-Abschätzung. So könnte es zu einem größeren Schaden für den Patienten  kommen, wenn aufgrund der Sorge vor DNA-Schäden und einem damit möglicherweise verbundenen Krebsrisiko auf eine Kontrastmittelgabe verzichtet wird und es dadurch zu Fehldiagnosen kommt. Dennoch raten die Autoren der aktuellen Studie dazu, Kontrastmittel wirklich nur dann einzusetzen, wenn sie unbedingt notwendig sind.

Foto: © Bergringfoto, Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Radiologie

| Kontrastmittel stehen im Verdacht, sich im Gehirn abzulagern. Nun ist es Forschern gelungen, Gehirntumore mit einem neuen MRT-Verfahren sichtbar zu machen, bei dem auf Kontrastmittel verzichtet werden kann. Stattdessen nutzten sie eine einfache Zuckerlösung.
| Nachdem die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA im vergangenen Jahr vor möglichen Ablagerungen von gadoliniumhaltigen MRT-Kontrastmitteln im Gehirn gewarnt hatte, waren viele MS-Patienten verunsichert. Doch nach Meinung von Experten sind die Kontrastmittel weiterhin sicher.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Infliximab hat einen festen Platz in der Behandlung von Morbus Crohn. Offen ist die Frage, ob der TNF-Hemmer nach längerer Remission abgesetzt werden kann. Eine Untersuchung aus Korea liefert nun Erkenntnisse zum Wiederauftreten von Krankheitsschüben.
Patienten müssen vor einer Operation umfassend über den geplanten Eingriff aufgeklärt werden. Forscherinnen der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten jetzt am Beispiel der Herzkatheteruntersuchung zeigen, dass ein Comic dabei helfen kann.
Wissenschaftler haben weitere Ursachen gefunden, warum Nervenzellen bei Amyotropher Lateralsklerose (ALS) unwiderruflich absterben. Die Autophagie (Zell-Reininigung) spielt dabei eine wesentliche Rolle. In pre-klinischen Studien wird nun das therapeutische Potenzial eines verstärkten Proteinabbaus in den Zellen geprüft.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Gesundheitsakademie, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin, Haus A, Aufgang D 06, 1. OG, Seminarraum siehe Info-Tafel am Eingang
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.