Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Komplikationen mit künstlichen Gelenken besser erfassbar

Dienstag, 2. Februar 2016 – Autor: Angela Mißlbeck
Rund 4,6 Prozent der Patienten mit Kniegelenksersatz unterziehen sich innerhalb von fünf Jahren einer Wechsel-Operation wegen Komplikationen. Das hat das AQUA-Institut mithilfe eines neuen Instruments der externen Qualitätssicherung jetzt herausgefunden.
Wieviele Komplikationen treten nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks auf? Ein neues Verfahren gibt Antworten

Einer von 20 Patienten nach Kniegelenksersatz braucht eine Wechsel-OP wegen Komplikationen – Foto: stockdevil - Fotolia

Wird einem Patienten eine Hüft- oder Knie-Endoprothese eingesetzt, erfasst die externe gesetzliche Qualitätssicherung (QS) bisher nur den Eingriff, nicht aber mögliche Folgen. Um das Geschehen nach einem Gelenkersatz an Knie oder Hüfte besser beurteilen zu können, hat das AQUA-Institut im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses ein neues Instrument der Qualitätssicherung entwickelt.

Das neue Verfahren ermöglicht eine Nachverfolgung der betroffenen Patienten, ein sogenanntes Follow-up. Dadurch können Komplikationen besser erfasst werden. „Erscheint ein Patient beispielsweise nach dem Eingriff wegen einer Thrombose oder Lungenembolie erneut im Krankenhaus, fehlt die Verbindung zur vorangegangenen Operation in der Qualitätssicherung“, erklärt Professor Joachim Szecsenyi, Geschäftsführer des AQUA-Instituts.

Krankenkassendaten geben Aufschluss über Komplikationen

Der neue Bericht des AQUA-Instituts zeigt, wie diese Lücke mit Hilfe von Sozialdaten bei den Krankenkassen geschlossen werden kann. Das neue Verfahren würde es ermöglichen, das weitere Behandlungsgeschehen der Patienten im Krankenhaus zu erfassen. Für die Erfassung der Folgebehandlung in der ambulanten Versorgung wären weitere Instrumente nötig.

Je nach Qualitätsindikator können mit Hilfe der Sozialdaten verschiedene Zeiträume der Krankenhausbehandlung erfasst werden. Bei Thrombosen erstreckt sich das Follow-up zum Beispiel auf einen Zeitraum von 90 Tagen. Bei anderen Indikatoren, wie etwa Wechsel-Operationen bei Knie-Endoprothesen reichen die Beobachtungszeiträume bis zu fünf Jahren.

 

Gut zwei Prozent Wechsel-Eingriffe zwei Jahre nach Hüft- und Knie-OP

Gut 6000 Patienten unterziehen sich demnach innerhalb von fünf Jahren nach einem Kniegelenksersatz einem Wechsel-OP. Innerhalb von zwei Jahren sind es etwa 3100 Patienten. Das entspricht einem Anteil von 2,14 Prozent. Dieser Anteil ist ungefähr genauso hoch wie bei den Patienten mit Hüft-Endoprothesen. In diesem Bereich steht bei 2,02 Prozent der Patienten mit eine Wechsel-Operation aufgrund von Komplikationen an.

Der vorgelegte Bericht ist aus Sicht des AQUA-Instituts ein wichtiger Meilenstein. Über die weitere Umsetzung dieses QS-Verfahrens entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss. „Als nächster Schritt wäre eine Erweiterung der Qualitätssicherung auf den ambulanten Bereich sinnvoll. Die Grundlagen hierfür wurden von AQUA geschaffen“, sagt Szecsenyi.

Foto: stockdevil - Fotolia

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
 

Weitere Nachrichten zum Thema Knie- und Hüft-Endoprothesen

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Die der Patienten mit Aids im fortgeschrittenen Stadium nimmt aber offenbar zu, weil viele nicht zum HIV-Test gehen. Experten warnen deshalb: „Aids ist noch nicht vorbei.“


Normalerweise beginnt die Grippesaison nach dem Jahreswechsel. Weil das Immunsystem bei vielen dank der Hygienemaßnahmen aus der Corona-Pandemie auch bei Grippe aus der Übung ist, erwarten Experten die Winter-Welle diesmal früher, schneller und heftiger.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin