. Schlaganfall-Prophylaxe

Kombipräparat nicht auf Kassenkosten

In welchem Verhältnis stehen Nutzen und Schaden beim Thrombozytenaggregationshemmer Aggrenox? Über diese Frage muss demnächst das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg entscheiden. Dort streiten sich der Hersteller Boehringer Ingelheim und der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA).
Gericht entscheidet über Schlaganfall-Prophylaxe

Gibt es Alternativen bei der Arzneimitteltherapie nach der Diagnose Schlaganfall?

Der GBA hat das Kombipräparat zur Schlaganfallprophylaxe von der Verordnung zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ausgeschlossen. Dieser Beschluss fiel bereits im Mai 2013. Bis er wirksam wurde verging jedoch fast ein Jahr. Denn das Bundesgesundheitsministerium (BMG) forderte im Oktober 2013 eine Begründung für den Beschluss. Erklärungsbedarf sah es vor allem für die dem GBA-Beschluss zugrundeliegende Bewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) und das dazugehörige Studiendesign. Das IQWIG hatte andere Studien zu der Wirkstoffkombination in seine Bewertung einbezogen als das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das die Marktzulassung für Aggrenox erteilt hat. Auf die deutlich positivere Einschätzung durch das BfArM verweist das Ministerium bei seiner Nachfrage an den GBA.

Hersteller klagt gegen Gemeinsamen Bundesausschuss

Gegen den Verordnungsausschluss hatte Boehringer Ingelheim geklagt und einstweiligen Rechtschutz gefordert, damit Aggrenox weiter zulasten der GKV verordnet werden kann, bis gerichtlich geklärt ist, ob der Verordnungsausschluss rechtens ist. Das LSG hat dem Hersteller jedoch keinen einstweiligen Rechtschutz gewährt. In der Begründung seines Beschlusses vom 1. Juli wägt es die wirtschaftlichen Interessen der GKV und des Herstellers gegeneinander ab (AZ: L 7 KA 11/14 KL ER).

Dabei bewertet es die Einsparinteressen der GKV als schwerwiegender im Vergleich zu den Umsatzinteressen der Pharmafirma. Auch wenn die Einsparungen durch den Verordnungsausschluss gemessen an den Gesamtausgaben der GKV für Arzneimittel gering erschienen, seien sie für das System der GKV wichtig. „Denn erst die Summe aller Einsparungen kann eine Ausweitung der Kosten der Arzneimittelversorgung vermeiden“, so das Gericht in seiner Begründung. Es vermisste zudem eine schlüssige Darlegung von Boehringer Ingelheim dafür, dass der (vorübergehende) Verordnungsausschluss den Gesamtumsatz erheblich beeinträchtige.

Verordnungsausschluss wird gerichtlich überprüft

Der Umsatzanteil wird im Gerichtsbeschluss mit 37,5 Millionen Euro von 14,1 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 0,27 Prozent beziffert. Das LSG verweist zudem darauf, dass die Firma Schadenersatz im Wege einer Amtshaftungsklage geltend machen könne, falls das Gericht im Hauptsacheverfahren zu dem Ergebnis kommen sollte, dass der Verordnungsausschluss widerrechtlich war.

Der Hersteller wartet nun auf die Entscheidung im Hauptsacheverfahren, wo der Verordungsausschluss durch den GBA erst inhaltlich betrachtet wird. „Wir sind nach wie vor vom positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis von Aggrenox überzeugt“, so Unternehmenssprecher Dr. Ralph Warsinsky.

Foto: Marco2811 - Fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schlaganfall , Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) , Arzneimittel , Qualität

Weitere Nachrichten zum Thema Schlaganfall

| Die Entfernung der Schädeldecke, die so genannte Hemikraniektomie, erhöht signifikant die Überlebenschancen nach schwerem Schlaganfall. Das teilen Wissenschaftler der Universitätsklinik Heidelberg jetzt mit. Auch Menschen über 60 profitierten von der Operation.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.