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17.08.2020

Kombination von Diabetes und Gicht erhöht Risiko für Amputation

Menschen mit Diabetes haben ohnehin ein erhöhtes Risiko, dass eine untere Extremität amputiert werden muss. Kommt noch Gicht hinzu, ist das Risiko 25 Mal so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie mit Daten von rund 190 Millionen Patienten.
Amputationen von Fuß, Zehe und Unterschenkeln: Kombination von Diabetes und Gicht erhöht Risiko deutlich

Amputationen von Fuß, Zehe und Unterschenkeln: Kombination von Diabetes und Gicht erhöht Risiko deutlich

Diabetes und Gicht gehören zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen in der westlichen Welt. Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden rund 60 Millionen Europäer an Diabetes, von Gicht sind bis zu 18 Millionen Europäer betroffen. Beide Volksleiden ziehen weitere Folgeerkrankungen nach sich. Bei Diabetes ist das unter anderem der Diabetische Fuß – eine Durchblutungsstörung der unteren Extremitäten, die eine Amputation von Zehen, Füßen oder ganzen Unterschenkeln nach sich ziehen kann. Auch die Folgen der Gicht sind weitreichend für das kardiovaskuläre System, die Nieren und auch das Amputationsrisiko ist erhöht.  

Daten von 190 Millionen Patienten ausgewertet

Wenn beide Erkrankungen zusammen auftreten, dann steigt das Amputationsrisiko erheblich – nämlich auf das 25-fache im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Das zeigt eine Studie aus den USA, für die anonymisierte Datensätze von rund 190 Millionen Patienten ausgewertet wurden. Die Ergebnisse wurde jetzt auf dem virtuellen Jahreskongress der europäischen Rheumaliga EULAR präsentiert.

Das Augenmerk der Studie lag auf dem Amputationsrisiko in vier Gruppen: Patienten mit Gicht, Patienten mit Diabetes, Patienten mit Gicht und Diabetes und Patienten, die an keiner der beiden Erkrankungen litten.

 

Amputationsrisiko steigt auf das 25-fache

Die Auswertung der Daten zeigt: Bei Patienten ohne Gicht oder Diabetes betrug die Amputationsrate 0,03 Prozent. Demgegenüber stieg sie bei Patienten mit Gicht allein bereits auf 0,16 Prozent. Bei Menschen, die nur an Diabetes litten, verdreifachte sich dieser Wert nahezu auf 0,46 Prozent. Und bei Patienten, die an Gicht und Diabetes litten stieg der Wert auf 0,77 Prozent. Das heißt: Patienten mit Gicht und Diabetes hatten sich 25 Mal so häufig einer Amputation unterziehen müssen wie Patienten ohne diese beiden Stoffwechselerkrankungen.

„Diese Erkenntnisse sind auch für den klinischen Alltag von höchster Relevanz“, betonte Professor Dr. med. John Isaacs, Vorsitzender des wissenschaftlichen Programm-Komitees beim EULAR „Je mehr wir über die Risiken und Präventionsmöglichkeiten von Diabetes und Gicht wissen, desto besser können wir Patienten gezielt aufklären und therapeutische Strategien entwickeln – und sie so möglicherweise vor gravierenden Eingriffen wie einer Amputation bewahren.“ Gerade der Verlust eines Körperteils sei für viele Menschen schwerwiegend.

Quelle:

EULAR Abstract No. 2058: Amputation procedures in patients with gout compared to patients with diabetes, LaMoreaux et al., DOI: 10.1136/annrheumdis-2020-eular.2058

Foto: © Adobe Stock/Kadmy

Autor: ham
 

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