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Kohlenmonoxid-Vergiftung: Erste Anzeichen ähneln einer Grippe

Montag, 25. Oktober 2021 – Autor:
Eine Kohlenmonoxid-Vergiftung kann rasch zum Tod führen. Die Vergiftung kann aber auch schleichend verlaufen. Betroffene haben anfangs grippeähnliche Symptome, im Verlauf kann es schweren gesundheitlichen Schäden wie Herzinfarkten, Lähmungen bis hin zu Psychosen kommen. Mit dem Beginn der Kaminsaison warnen Experten nun vor den Gefahren.
Vorsicht CO-Vergiftungsgefahr: Kamine und Kachelöfen können zu hohen Kohlenmonoxid-Konzentrationen in Innenräumen führen

Vorsicht CO-Vergiftungsgefahr: Kamine und Kachelöfen können zu hohen Kohlenmonoxid-Konzentrationen in Innenräumen führen – Foto: ©Initiative zur Prävention von Kohlenmonoxid-Vergiftungen/ Fotograf: Maurizio Gambarini

Es gibt viele traurige Beispiele von akut tödlichen Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Das Unglück passiert, wenn sich zu viel Kohlenmonoxid (Co) in der Raumluft anreichert, etwa im Partykeller durch einen Kohleofen. Kohlenmonoxid ist ein besonders gefährliches Atemgift, da es unsichtbar, geschmacklos und geruchsneutral ist. Betroffene reagieren weder mit Husten noch mit akuter Atemnot, sondern werden bei zu hohen Konzentrationen im Raum bewusstlos.

Sauerstoff wird verdrängt

"Kohlenmonoxid verdrängt den Sauerstoff im Blut und blockiert die Versorgung lebenswichtiger Organe, insbesondere des Gehirns und des zentralen Nervensystems“, sagt Dr. Hella Körner-Göbel von der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands e.V. (BAND). Während bei hohen CO-Konzentrationen schnell der Tod eintrete, „können bei niedrigen Werten über einen längeren Zeitraum schwerwiegende Vergiftungssymptome auftreten.“ Diese reichten von Gedächtnisstörungen über Verhaltensänderungen bis hin zur Parkinson-Krankheit."

 

Folgen für Herz und Zentrales Nervensystem

Das heißt, eine Kohlenmonoxid-Vergiftung kann auch schleichend verlaufen und zu Langzeitschäden führen. Die lautlose Gefahr lauert in der Shisha-Bar genauso wie in der Berghütte am Kachelofen oder im Wohnzimmer mit offenem Kamin. Auch undichte oder blockierte Abgasrohre können Grund für eine CO-Vergiftung sein – etwa wenn der Schornstein durch ein Laub oder Vogelnest verstopft ist.

Die Initiative zur Prävention von Kohlenmonoxid-Vergiftungen warnt nun vor diesen Gefahren. Anfangs ähnelten die Beschwerden einer CO-Vergiftung denen einer normalen Erkältung, schreibt die Initiative, der mehrere Bundesverbände von Rettungsdiensten, Feuerwehr und Schornsteinfegern angehören. Das sei besonders fatal. Betroffene würden vom Hausarzt dann mit Grippe-Medikamenten versorgt oder auf COVID-19 getestet „und legen sich zuhause schlafen, wo die lautlose Gefahr auf sie wartet. Im schlimmsten Fall wachen die Opfer nicht mehr auf. Viele andere tragen ernsthafte gesundheitliche Schäden davon.“

Die Langzeitschäden einer CO-Vergiftung

Laut der Initiative erleiden zehn Prozent aller Vergifteten innerhalb von viereinhalb Jahren einen Herzinfarkt, während etwa ein Drittel der mäßig bis schwer vergifteten Patienten Herzfunktionsstörungen aufweist. Auch Psychosen bis hin zu Lähmungen und Parkinson können Folgen einer Kohlenmonoxid-Vergiftung sein. Hinzukomme  eine erhöhte Langzeitsterblichkeit.

CO-Melder warnen vor der unsichtbaren Gefahr

„Wenn jemand zum Beispiel bereits bewusstlos ist, stellen wir bei einem Notruf oft erst beim Eintreffen vor Ort fest, dass eine gefährliche Kohlenmonoxid-Belastung in der Wohnung vorliegt. Denn Feuerwehren und Rettungsdienste tragen in der Regel ein mobiles CO-Messgerät zum Zwecke des Arbeitsschutzes bei sich, das in einem solchen Fall sofort Alarm schlägt", erklärt Dr. Holger Wißuwa vom Bundesverband Ärztlicher Leiter Rettungsdienst und ergänzt: "Das Gefährliche an Kohlenmonoxid ist, dass es unsichtbar ist und man es weder riecht noch schmeckt. Ein fest installierter CO-Melder ist daher die einzige Möglichkeit für die Bewohner, die Gefahr rechtzeitig zu erkennen."

CO-Melder sollten darum überall dort installiert werden, wo Kamine oder Kachelöfen betrieben werden. Schlägt der Melder Alarm, sollten Haus oder Wohnung sofort verlassen und der Notruf 112 gerufen werden.

Hauptkategorie: Prävention und Reha
 

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