Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
21.10.2020

Körperliche Erkrankungen erhöhen Risiko für Trennung nicht, psychische Erkrankungen schon

Eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit eines Partners gefährdet die Stabilität von Beziehungen. Das Risiko einer Trennung innerhalb von zwei Jahren ist bei einer psychischen Erkrankung doppelt so hoch. Für körperliche Erkrankungen gilt das nicht.
Psychische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen bedeuten eine große Belastung für Beziehungen

Psychische Erkrankungen wie Depressionen belasten nicht nur den Erkrankten selbst, sondern auch sein Umfeld, besonders den Partner. Eine Studie des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Universität Erlangen-Nürnberg zeigt: Psychische Probleme machen eine Trennung deutlich wahrscheinlicher. Wird ein Partner jedoch körperlich krank, hat dies keine negativen Folgen für die Stabilität der Beziehung. Für ihre Studie hatten die Forscher Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) aus den Jahren 2004 bis 2018 analyisert. Der Datensatz enthält Informationen über rund 10.000 Paare.

Häufiger Trennungen bei psychischen Problemen

Den Befragten wurden unter anderem zwölf Fragen zum körperlichen, mentalen und emotionalen Befinden gestellt, aus denen Gesamtwerte für die psychische und körperliche Gesundheit abgeleitet werden. Die Wissenschaftler betrachteten Verschlechterungen der Gesundheit, die mit einer Verringerung des jeweiligen Gesamtwertes um mindestens 25 Prozent innerhalb von zwei Jahren einhergingen, und setzten dies mit der Häufigkeit von Trennungen innerhalb dieses Zeitraums in Beziehung.

Dabei zeigte sich: Körperliche Erkrankungen machen eine Trennung nicht wahrscheinlicher, eher im Gegenteil. Und wenn sich die körperliche Gesundheit beider Partner gleichzeitig verschlechtert, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Trennung in den nächsten zwei Jahren sogar. Psychische Probleme hingegen erhöhen das Risiko für eine Trennung.

 

Kein Schutz durch Heirat

Das Zerbrechen der Beziehung ist allerdings etwas weniger wahrscheinlich, wenn es sich beim psychisch erkrankten Partner um die Frau handelt. Gleiches gilt für den Fall, dass die Verschlechterung des psychischen Befindens den ökonomisch schwächeren Partner trifft. Die Unterschiede sind jedoch statistisch nicht signifikant.

Die Effekte blieben weitestgehend unverändert, wenn lediglich verheiratete Paare betrachtet wurden. Eine Heirat scheint also nicht vor einer Trennung infolge von psychischen Problemen zu schützen. Bei jüngeren Paaren unter 65 Jahren wirken sich psychische Probleme etwas stärker auf die Trennungswahrscheinlichkeit aus als bei älteren Paaren. Dabei wurden generelle Unterschiede im Trennungsverhalten zwischen verschiedenen Altersgruppen bereits berücksichtigt.

Psychische Erkrankungen belasten Partnerschaft enorm

Nach Ansicht der Autoren gibt es für die Ergebnisse der Studie verschiedene mögliche Erklärungen: Zum einen könnten die Auswirkungen von psychischen Erkrankungen auf den gesunden Partner so stark sein, dass er oder sie beschließt, die Beziehung zu beenden. Zum anderen könnten die psychischen Probleme die Einstellung zur Beziehung oder die Empfindungen des betroffenen Partners beeinträchtigen, selbst wenn er oder sie vom gesunden Partner unterstützt wird.

„Die Studie belegt einmal mehr die hohe gesellschaftliche Relevanz psychischer Erkrankungen. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass psychische Probleme erhebliche Folgen auf die Stabilität von Beziehungen haben“, so RWI-Gesundheitsökonom Christian Bünnings. „Hinzu kommt, dass Trennungen häufig das psychische Befinden weiter verschlechtern. Umso wichtiger ist es, psychische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.“

Foto: Adobe Stock / Yakobchuk Olena

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychische Krankheiten , Depression , Stress
 

Weitere Nachrichten zum Thema Psychische Erkrankungen

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Betäubungsspritzen-Stiche, Schmerzen beim Bohren, Würgereiz oder HIV-Infektion: Zwei Drittel der Deutschen haben Angst davor, zum Zahnarzt zu gehen – manche sogar so sehr, dass sie sich dadurch auf Dauer die Zähne ruinieren. Dabei gibt es eine Handvoll nichtmedikamentöse Methoden, um diese nur allzu verständliche Angst in den Griff zu bekommen.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin