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Körperliche Berührung hilft beim Stressabbau

Samstag, 6. August 2022 – Autor:
Während es die Evolution so eingerichtet hat, dass Babys gern geknuddelt werden, um sich gesund zu entwickeln, sind Berührungen unter Erwachsenen nicht mehr so selbstverständlich. Dabei sind für sie genauso wichtig und gesund. Beispiel: Stressabbau.
Alter Vater und erwachsene Tochter umarmen sich und schließen hingebungsvoll die Augen.

Zwischenmenschliche Berührung wirkt wie ein sanftes Arzneimittel: Sie verlangsamt den Herzschlag, baut Stresshormone ab und führt im Körper zu Entspannung. – Foto: AdobeStock/fizkes

Nach den harten Zeiten der Corona-Pandemie mit sozialem Abstandsgebot sehnen sich insbesondere ältere und kranke Menschen nach Berührungen. Dahinter steckt, dass Körperkontakte für den Menschen lebensnotwendig sind. Nur Säugetiere besitzen diesen besonderen Sinn: die affektive Berührung, also Körperkontakt, der Gefühle schenken, auslösen und befriedigen kann. Während es die Evolution so eingerichtet hat, dass Babys gern geknuddelt werden, um sich gesund zu entwickeln, sind Berührungen unter Erwachsenen nicht mehr so selbstverständlich – und doch wichtig, um Stress abzubauen und die innere Balance zu halten oder wieder herzustellen.

Körperkontakte: Positiv für Gesundheit und Stimmung

„Wir wissen grundsätzlich, dass Menschen, die berührt werden, sich schneller von Krankheiten erholen", bestätigt Rebecca Böhme, Assistenzprofessorin an der Universität im schwedischen Linköping, im Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber". Körperkontakte wirken sich nicht nur positiv auf die Gesundheit aus, sie helfen auch die Stimmung zu regulieren. Werden Freude, Trauer oder Angst zu groß, genügt häufig eine Umarmung, um wieder zum psychischen Gleichgewicht zurückzufinden.

 

Auch Selbstberührungen können gut fürs Wohlbefinden sein

Auch wenn es für viele auf den ersten Blick merkwürdig klingen mag: Dieses Wunder können auch Selbstberührungen vollbringen. Ungefähr 400 bis 800 Mal am Tag berührt sich jeder Mensch – meist unbewusst und meist im Gesicht. Aber auch bewusste Selbstberührungen helfen: Einfach mal sich selbst in den Arm nehmen. Bei angenehmen Körperkontakten leiten Rezeptoren Reize an Rückenmark und Gehirn weiter, wo zum Beispiel das Hormon Oxytocin ausgeschüttet wird. Das Glücks- und Bindungshormon verringert den Spiegel des Stresshormons Cortisol im Blut. Herz und Atemfrequenz verlangsamen sich, der Blutdruck sinkt, die Muskelspannung nimmt ab – der Mensch entspannt sich.

„Mehr Mut zu Körperkontakten im Familien- und Freundeskreis“

Solange es das Infektionsgeschehen zulässt, rät Dieter Menacher, Masseur an einer Münchner Klinik, daher wieder zu mehr Körperkontakten im Freundes- und Familienkreis. „Haben Sie den Mut, sich wieder mehr zu berühren. Eine Umarmung ist wie eine kleine Massage." Für Senioren, die keinen Partner oder Familie haben, gibt es die Möglichkeit, eine Physiotherapie für ein Minimum an menschlichem Körperkontakt zu besuchen oder sich ein felltragendes Haustier anzuschaffen. Denn: Wer einen Hund oder eine Katze streichelt, senkt seinen Stresspegel – und tut sich damit nachweislich etwas Gutes.

Wie Berührung im Körper Gesundheit erzeugt

Und so erklären Naturwissenschaftler, welche Prozesse bei Berührung im Körper ablaufen: Emotionsgesteuerter Körperkontakt  im Menschen wird von sogenannten C-taktilen Nervenfasern aufgenommen, die die Haut durchziehen. Sie sind evolutionsgeschichtlich sehr alt und reagieren auf zwischenmenschliche Berührung, wie sie etwa beim Streicheln vorkommt. Gerade dieser sanfte Kontakt hat einen positiven Effekt auf den Körper: Er fühlt sich nicht nur angenehm an, sondern baut auch Stress ab. „Streicheln aktiviert den Parasympathikus – also den Teil unseres Nervensystems, der uns in den Entspannungszustand bringt“, sagt Ilona Croy, Psychologin an der Universität Jena und Leiterin eines dort laufenden Forschungsprojekts zur medizinischen Wirkung von Berührung bei Babys. „Es verlangsamt beispielsweise den Herzschlag.“

Berührung: Für Frühgeborene existenziell wichtig

Wie wichtig Berührung für Menschen ist, zeigen sehr anschaulich etwa auch Studien aus den USA, die mit Frühgeborenen im Brutkasten durchgeführt wurden. Kinder, die dreimal täglich für 15 Minuten gestreichelt wurden, nahmen demnach um fast 50 Prozent schneller zu, waren aktiver und ausgeglichener, weinten seltener und schliefen besser, konnten ihren Entwicklungsrückstand rascher aufholen und im Schnitt sechs Tage früher aus dem Brustkasten entlassen werden. Berührung reduziert Experten zufolge nicht nur die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Es stärkt auch das Immunsystem und wirkt sich günstig auf geistige und psychische Gesundheit aus.

Hauptkategorie: Medizin
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