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Körperdysmorphe Störung – ein unterschätztes Leiden

Montag, 3. Oktober 2016 – Autor: Anne Volkmann
Die körperdysmorphe Störung (KDS) ist ein ernstzunehmendes Leiden, das immer noch zu selten diagnostiziert wird. Für die Betroffenen bringt es starke berufliche und private Einschränkungen mit sich.
Der eingebildete Mangel

Bei KDS leiden die Betroffenen an eingebildeten körperlichen Mängeln – Foto: Photographee.eu - Fotolia

Viele Menschen sind aus mehr oder weniger objektiven Gründen unzufrieden mit ihrem Körper. Doch bei manchen steigert sich die Unzufriedenheit bis zu einer sogenannten körperdysmorphen Störung. Diese ist gekennzeichnet durch eine übermäßige Beschäftigung mit einem angeblichen körperlichen Mangel, der anderen Menschen jedoch überhaupt nicht auffällt. Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung leiden Schätzungen zufolge an KDS. Und obwohl sie mit erheblichen psychischen Belastungen für die Betroffenen verbunden ist und zu schwerwiegenden Folgeschäden führen kann, wird die Erkrankung bis heute häufig bagatellisiert und nur sehr selten diagnostiziert. Experten raten daher, Patienten mit entsprechenden Symptomen unbedingt zu einem psychosomatisch-psychiatrisch ausgebildeten Facharzt zu schicken.

Übermäßige Beschäftigung mit dem eigenen Körper

Am häufigsten sehen die Betroffenen Mängel in ihrem Gesicht, insbesondere bezüglich ihrer Hautbeschaffenheit oder der Form von Gesichtsteilen wie Nase oder Augen. Es können aber auch alle anderen Körperteile betroffen sein. Charakteristisch für die körperdysmorphe Störung sind ein permanentes Überprüfen des Defekts im Spiegel und das Bestreben, den vermeintlichen Defekt durch kosmetische und andere Maßnahmen zu verbergen. Die Betroffenen vergleichen ihr Aussehen ständig mit dem von anderen. Dazu kommen beispielsweise häufiges Kämmen, übertriebene Haarentfernen, ständiges Berühren des Defekts oder Zupfen an der Haut. Diese Verhaltensweisen werden (meist unbewusst) vollzogen, um wieder mehr Sicherheit zu erlangen, was jedoch höchstens kurzfristig gelingt. Die Handlungen nehmen zudem übermäßig viel Zeit in Anspruch und sind von den Patienten nicht zu kontrollieren.

Die Folgen der Störung können gravierend sein. Viele Betroffene scheuen soziale Kontakte - das kann bis zur Arbeitsunfähigkeit und sozialen Isolierung führen. Nicht selten sind auch Depressionen und suizidales Verhalten die Folge. Häufig flüchten sich Betroffene auch in die plastische Chirurgie. Doch solche Maßnahmen sind fast immer kontraindiziert, da Untersuchungen zufolge über 90 Prozent der Betroffenen mit dem Ergebnis unzufrieden sind und die Symptome der KDS noch verstärkt werden können.  

 

Diagnose KDS nicht einfach zu stellen

Da die körperdysmorphe Störung fast immer mit starken Schamgefühlen einhergeht, schweigen die Betroffenen in der Regel über ihre Symptome. Dadurch wird nicht nur eine frühzeitige Diagnosestellung verhindert, sondern es kommt auch zu Fehldiagnosen. So besteht unter anderem die Gefahr, dass die Symptome der körperdysmorphen Störung mit den Symptomen anderer psychischer Erkrankungen (Zwangsstörungen, Hypochondrie, soziale Phobie, paranoide Persönlichkeitsstörung, Essstörung) verwechselt werden.

Obwohl es bislang keine empirisch gesicherten Therapieempfehlungen gibt, scheinen bei der KDS verschiedene Therapieansätze sinnvoll zu sein. Die Basis der Behandlung sollte immer eine kognitive Verhaltenstherapie sein. Aber auch pharmakologische Ansätze sowie psychosoziale Interventionen scheinen hilfreich zu sein. Bei der medikamentösen Therapie haben sich selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und MAO-Hemmer als wirksam erwiesen.

Foto: © Photographee.eu - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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