Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
08.01.2019

Können Pilzinfektionen dem Gehirn schaden?

Schon länger werden Pilzinfektionen auch mit neurologischen Störungen bis hin zu Demenzerkrankungen in Verbindung gebracht. Wie genau dies zusammenhängt, war bisher jedoch weitgehend unklar. Forscher haben nun eine interessante Entdeckung gemacht.
Candida albicans, Hefepilzinfektion, Gehirn, Gedächtnis, Demenz

Gedächtnisprobleme könnten auch mit Pilzinfektionen in Verbindung stehen - das zeigen neuere Forschungen

Der Hefepilz Candida albicans ist bei nahezu allen Menschen zu finden. Die meisten tragen den Pilz auf ihrer Haut oder im Darm mit sich, oft ohne, dass er Beschwerden macht. Breitet er sich jedoch zu sehr aus – beispielsweise aufgrund eines geschwächten Immunsystems -, kann er zu verschiedenen Erkrankungen führen wie beispielsweise Lungenentzündungen oder sogar Blutvergiftungen. Der Hefepilz kann aber auch die Gehirnfunktionen beeinträchtigen, wie frühere Beobachtungen gezeigt haben. Wie es dazu kommt, war bisher jedoch noch nicht hinreichend erforscht. Wissenschaftler haben nun die Zusammenhänge im Mausmodell untersucht. 

Hefepilz konnte Blut-Hirn-Schranke überwinden

Die Forscher um David Corry vom Baylor College of Medicine in Houston wollten herausfinden, ob Candida albicans Hirninfektionen auslösen kann und welche Konsequenzen das haben könnte. Dazu untersuchten sie die Auswirkungen einer Infektion mit dem Hefepilz bei Mäusen. Wie sich zeigte, konnte der Erreger offenbar die Blut-Hirn-Schranke überwinden – zur Überraschung der Studienautoren.

Die Forscher konnten auch zeigen, dass der Pilz bei den Nagern kurzfristige Gedächtnisprobleme auslöste. Außerdem wurden durch die Infektion die Mikroglia, Immunzellen des Nervensystems, aktiv. Dabei produzierten sie verschiedene Moleküle, welche wiederum Entzündungsreaktionen im Gehirn der Mäuse auslösten. Der Hefepilz wurde dabei in Granulom-artigen Strukturen eingeschlossen.

 

Zusammenhang zwischen Pilzinfektionen und Demenz?

Eine weitere Folge der Infektion: Um die eingeschlossenen Hefezellen herum sammelten sich Beta-Amyloid-Moleküle an. Diese werden häufig mit der Entstehung der Alzheimer-Erkrankung in Verbindung gebracht. Die Forscher vermuten nun, dass Pilzinfektionen an der Entstehung von neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder auch Multiple Sklerose beteiligt sein könnten. Es seien jedoch weitere Studien nötig, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Foto: © freshidea - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gedächtnis , Demenz , Infektionskrankheiten , Gehirn
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pilzinfektionen

18.01.2018

Der Hefepilz Candida auris ist weltweit auf dem Vormarsch. Gefährdet sind vor allem Personen mit einem bereits geschwächten Immunsystem; bei ihnen kann eine Infektion sogar tödlich verlaufen. In Deutschland gibt es bislang aber nur wenige Fälle.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Der AstraZeneca-Impfstoff ist jetzt auch für Senioren zugelassen. Damit könnten die älteren Corona-Risikogruppen schneller durchgeimpft werden. Über Härtefalle, die aus ärztlicher Sicht eine vorzeitige Impfung benötigen, entscheidet in Berlin eine neue Clearingstelle.

Frust-Essen, mehr Alkohol, unfreiwillige Häuslichkeit, weniger Bewegung: Die COVID-19-Pandemie hinterlässt auch bei Gesunden ihre Spuren. 43 Prozent der Verbraucher haben zugenommen – um 5,5 Kilo im Schnitt. Bei jedem Siebten sind es sogar 10 Kilo oder mehr. Das zeigt eine INSA-Umfrage des rbb für sein Sendegebiet Berlin/Brandenburg.

Der sogenannte Bauernhof-Schutz gegen Allergien ist schon länger bekannt. Mit Beta-Laktoglobulin wurde ein Kuhmilch-Protein identifiziert, dass vor allem dafür verantwortlich ist. Das gibt es nun als Lutschtablette.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin