. Politischer Schwung für die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft gefordert

Koalitionsvertrag: Priorität für E-Health?

Die neue Bundesregierung soll die derzeit schleppende Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft in Deutschland voranbringen. Was sagt der Koalitionsvertrag zu dieser Forderung verschiedener Industrieverbände?
Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft als politische Aufgabe

Legt die neue Bundesregierung den Schalter für E-Health um?

In einem gemeinsamen Aufruf haben die industriellen Branchenverbände im Gesundheitswesen die Bundesregierung aufgefordert, den Prozess der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft politisch zu moderieren. Der Aufruf geht von den Verbänden BIO Deutschland, Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien), bvitg (Bundesverband Gesundheits-IT), BVMed (Bundesverband Medizintechnologie), Spectaris Medizintechnik, VDGH (Verband der Diagnostica-Industrie), vfa (Verband der forschenden Arzneimittelhersteller) und ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie) aus und wird von weiteren Verbänden und Organisationen unterstützt.

Priorität für Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft gefordert

In ihrem gemeinsamen Aufruf fordern die Verbände hohe Priorität für die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft. Sie setzen sich dafür ein, dass die Bundesregierung die Implementierung eines nationalen eHealth-Zielbilds als eine der ersten Aufgaben nach der Regierungsbildung angeht.

Ein solches Zielbild soll nach den Vorstellungen der Branchenverbände der industriellen Gesundheitswirtschaft in einem politisch moderierten Prozess unter Beteiligung aller Akteure ressortübergreifend erarbeitet werden. Es soll als Orientierung für alle Beteiligten im Gesundheitssystem dienen, damit konkrete Ziele definiert und erreicht werden können.

Ein konkreter Aktionsplan soll anschließend die flächendeckende Umsetzung ermöglichen. Die Verbände zeigen sich überzeugt, dass so die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft in Deutschland wesentlich gefördert werden und Deutschland wieder Anschluss an die internationale Entwicklung finden könne. Die Unterzeichner des Aufrufs betonen, dass es Ziel der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft sei, die qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung langfristig sicherzustellen, kontinuierlich zu verbessern und dabei finanzierbar zu halten. Gleichzeitig solle der Standort Deutschland als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort ausgebaut und gestärkt werden.

 

Koalitionsvertrag: Digitalisierung ist Herausforderung

Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD bewertet die Digitalisierung als „eine der größten Herausforderungen des Gesundheitswesens in den nächsten Jahren“. Die Koalitionspartner kündigen an, dass die Telematikinfrastruktur weiter ausgebaut und eine elektronische Patientenakte für alle Versicherten in dieser Legislaturperiode eingeführt werden soll. „Wir werden die E-Health-Initiative und den Strategieprozess Medizintechnik weiterführen“, versprechen sie im Koalitionsvertrag.

Zudem wollen die Koalitionspartner neue Zulassungswege für digitale Anwendungen schaffen, die Interoperabilität herstellen und die digitale Sicherheit im Gesundheitswesen stärken. Die einschränkenden Regelungen zur Fernbehandlung sollen auf den Prüfstand, und die Anwendung und Abrechenbarkeit telemedizinischer Leistungen soll ausgebaut werden. Auch in der Pflege soll die Digitalisierung verstärkt werden, unter anderem indem die Pflege in die Telematikinfrastruktur einbezogen wird.

Foto: Verbohr - fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Telemedizin , Krankenkassen , Krankenhäuser , Gesundheitspolitik
 

Weitere Nachrichten zum Thema Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.
 
. Weitere Nachrichten
Die Studie PAIN2020 steht ab sofort allen Patienten mit chronischen Schmerzen offen. Die Teilnehmer profitieren von einer interdisziplinären Behandlung und verschiedenen Therapiemodulen. Zudem unterstützen sie die Wissenschaft.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.