. IQWIG Abschlussbericht

Kniegelenk-Spiegelung bei Arthrose so gut wie ein Placebo

Die Kniegelenk-Spiegelung (Arthroskopie) bei Gonararthrose gehört zu den Routineeingriffen in der Orthopädie. Laut IQWIG ist der Eingriff aber ohne Nutzen. Daran ändern auch neue Studiendaten nichts.
Kniegelenk-Arthroskopie bei Arthrose so gut wie ein Placebo

Physiotherapie soll bei Arthrose genauso wirksam sein wie eine therapeutische Kniegelenk-Spiegelung

Schon lange wird über den Sinn oder Unsinn von therapeutischen Kniegelenk-Arthroskopien diskutiert. Im Mai hat nun das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ein vernichtendes Urteil gefällt. Genau wie in seinem Vorbericht, der letzten September erschien, sieht das Institut auch in seinem Abschlussbericht keinen Nutzen in der Kniegelenk-Arthroskopie bei Kniegelenk-Arthrose (Gonararthrose). Auch eine neue hinzugezogene Studie, in der Trainingstherapie unter physiotherapeutischer Aufsicht als Vergleichstherapie eingesetzt wurde, ändert nichts an dieser Bewertung. Der Bericht basiert auf elf randomisierten, kontrollierten Studien mit über 1.000 Patienten. Das IQWIG zog diese Studien heran, um Kniegelenk-Arthroskopie mit Nichtbehandlung, Scheinbehandlung und aktiven Behandlungen ohne Arthroskopie, zum Beispiel Injektionen von Glukokortikoiden ins Kniegelenk zu vergleichen.

IQWIG sieht keinen Nutzen belegt

Von besonderem Interesse war dabei, wie sich diese Behandlungen auf die täglichen Aktivitäten und die Lebensqualität der Betroffenen auswirken. Aber auch Veränderungen der Symptomstärke und mögliche Nebenwirkungen der Therapien wurden verglichen, zum Beispiel Infektionen nach Operationen. Das IQWIG räumt zwar ein, dass einige Studien mit Unsicherheiten behaftet gewesen seien, zum Beispiel wegen fehlender Verblindung. Dennoch kommt das Institut zu dem Ergebnis, dass ein Nutzen der therapeutischen Arthroskopie im Vergleich zur Scheinoperation (Placeboarthroskopie) und zur Nichtbehandlung aus den meisten Studienergebnissen nicht ableiten lasse. Ebenso sei die Arthroskopie auch anderen aktiven Maßnahmen nicht überlegen. Nur gegenüber der Injektion von Glukokortikoiden ins Kniegelenk habe die Arthroskopie einen leichten Vorteil gezeigt, heißt es in dem neuen Bericht. Ob sich auch die Lebensqualität der Betroffenen besser entwickelte als bei der Injektion, ergab sich aus dieser Studie aber nicht. Zu möglichen Schäden durch unerwünschte Therapiewirkungen konnte das IQWIG keine eindeutige Aussage treffen. „Somit lautet das Gesamtergebnis ebenso wie im Vorbericht: Der Nutzen einer Arthroskopie des Kniegelenks zur Behandlung von Gonarthrose ist nicht belegt“, schreibt das IQWIG.

Kniegelenk-Arthroskopie soll Beschwerden lindern

Die Kniegelenk-Arthrose ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung. Bei einer therapeutischen Kniegelenk-Arthroskopie wird das Kniegelenk gespiegelt und mit Kochsalzlösung gespült (Lavage); gegebenenfalls werden auch krankhaft veränderte Meniskus- oder Knorpelanteile abgetragen oder geglättet (Debridement). Diese Maßnahmen sollen Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern.

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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