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Klinische Studie prüft neue Therapie gegen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Forscher des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ haben eine neue Therapie gegen Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa entwickelt. Eine klinische Studie der Phase II soll nun zeigen, dass der Wirkstoff „Olamkicept“ sicher und wirksam ist. Ergebnisse werden im Sommer erwartet.
Ein neuer Wirkstoff verspricht Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa eine Entzündungshemmung ohne Immunsuppression. Studien müssen das jetzt beweisen

Ein neuer Wirkstoff verspricht Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa eine Entzündungshemmung ohne Immunsuppression. Studien müssen das jetzt beweisen

Olamkicept ist ein neuer Wirkstoff gegen Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Wie Forscher des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) berichten, wurde der von ihnen entwickelte Wirkstoff bereits an einer kleiner Patientengruppe mit Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn getestet und soll hoch wirksam sein. „Der Wirkstoff tut beim Menschen mechanistisch wirklich genau das, was er soll. Der IL-6-Trans-Signalweg wird blockiert, die Entzündung dadurch gedämpft“, erklärt Professor Stefan Schreiber, Sprecher des Exzellenzcluster PMI so Schreiber in einer Medienmitteilung.

Medikament blockiert alternativen Signalweg

Anders als andere Antikörper gegen Interleukin (IL)-6 blockiert Olamkicept jedoch nicht das komplette Signalmolekül, sondern nur einen bestimmten Signalweg. Dadurch werde das Immunsystem weniger stark unterdrückt – und Nebenwirkungen vermieden, berichtet Co-Autor Professor Philip Rosenstiel. „Das Besondere an Olamkicept ist, dass es gezielt nur einen Teil der IL-6-Wirkung über den sogenannten IL-6-Trans-Signalweg hemmt. Indem wir gezielt nur den Trans-Signalweg blockieren, bleibt der für eine gesunde Immunreaktion wichtige klassische IL-6-Signalweg ungestört“, so Rosenstiel.

Forscher des heutigen Exzelenzclusters hatten den alternativen Signalweg vor mehr als 20 Jahren entdeckt und daraufhin das Fusionsprotein „sgp130Fc“ entwickelt. Dieser Prototyp von Olamkicept fängt den Komplex aus IL-6 und löslichem Rezeptor aus dem Blut ein und blockiert dadurch den Trans-Signalweg, ohne die positiven Wirkungen von IL-6 über den „klassischen“ Weg zu stören. Gemeinsam gemeinsam mit der Biotechnologiefirma CONARIS Research Institute haben die Forscher das Fusionsprotein schließlich zu dem Arzneimitte Olamkicept weiterentwickelt.

 

Ergebnisse der Phase-II-Studie im Juli erwartet

Die gerade im Fachmagazin „Gastroenterology“ veröffentlichten Ergebnisse sind Teil eines größeren Programms, das auch Placebo-kontrollierte Wirksamkeitsuntersuchungen bei einer kleinen Zahl von Patienten umfasst. Während die Forscher bereits von einem „Durchbruch in der Therapie von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen „sprechen, stehen die Ergebnisse einer klinischen Phase-II-Studie mit Colitis Ulcerosa-Patienten noch aus. Die Studie ist bereits abgeschlossen und wird gerade ausgewertet. Die Ergebnisse sollen im Juli veröffentlicht werden.

Therapien mit weniger Nebenwirkungen benötigt

In Deutschland leiden rund 320.000 Menschen an einer Chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Am häufigsten treten Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auf. Ursache ist eine gestörte Immunantwort, die zu schubartigen Entzündung im Magen-Darm-Trakt führt. Symptome der Autoimmunerkrankung sind Durchfall, Fieber, Schmerzen sowie eine allgemeine Abgeschlagenheit.

Die wenigen zugelassenen Medikamente für diese Erkrankungen wirken nur bei einem Teil der Patienten. Zudem unterdrücken die Medikamente das Immunsystem, wodurch es zu schweren Nebenwirkungen kommen kann. Die Hoffnung ist nun, dass Olamkicept die Entzündungen dämpft, ohne das Immunsystem zu unterdrücken.

Foto: © Adobe Stock/ Vitalii Vodolazskyi

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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