. Gesundheitswesen

Kliniken legen bei Notfallversorgung eine Milliarde Euro drauf

Die Rettungsstellen der deutschen Krankenhäuser sind beliebt. Doch die Notfallversorgung bescherte den Kliniken im letzten Jahre ein Defizit von einer Milliarde Euro. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht Handlungsbedarf.
Notfallambulanzen der Krankenhäuser: Ständige Erreichbarkeit wird von den Kassen nicht refinanziert

Notfallambulanzen der Krankenhäuser: Ständige Erreichbarkeit wird von den Kassen nicht refinanziert

Deutsche Krankenhäuser haben im vergangenen Jahr 2016 rund 11,9 Millionen ambulante Notfälle versorgt. Diese Zahl geht aus dem "Krankenhaus Barometer 2017" des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervor. Die Befragung kommt  aber noch zu einem weiteren Ergebnis: Für 96 Prozent der Häuser war die Versorgung keinesfalls kostendeckend: Das gesamte Defizit wird auf rund eine Milliarde Euro beziffert. Grund ist die anhaltend schlechte Finanzierung. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Georg Baum hält die Defizite nicht für akzeptabel.

Krankenhäuser fordern maßgeschneiderte Finanzierung

„Aus Krankenhaussicht muss im Mittelpunkt einer Lösung eine auf die Kliniken zugeschnittene Finanzierung der Leistungen stehen“, sagte Baum anlässlich der Veröffentlichung des Barometers. Dazu gehöre auch die direkte und ungedeckelte Abrechnung der Notdienstleistungen mit den Krankenkassen. Konzepte, die im Wesentlichen die Fortsetzung der sektorgetrennten Patientenzuordnung propagierten, seien rückwärtsgewandt und führten nicht weiter. „Deshalb lehnen auch die Krankenhäuser die zentralen Punkte des Sachverständigenratsgutachtens ab", so Baum.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung des Gesundheitswesens hatte im September ein bundesweit einheitliche Notrufnummer und integrierte Notfallzentren (INZ) vorgeschlagen, die von den Kassenärztlichen Vereinigungen betrieben werden sollen. Den Krankenhäusern gefällt das gar nicht. Sie werten die starke Beanspruchung der Notaufnahmen als Zeichen für ihre Qualität und permanente Erreichbarkeit.

 

Notfallambulanzen 24/7 erreichbar

Immerhin kommen 36 Prozent der Patienten an Werktagen, also auch dann, wenn Arztpraxen geöffnet sind. 34 Prozent der Notfälle kommen am Wochenende und an Feiertagen sowie 14,5 Prozent an Mittwochnachmittagen. Der Krankenhaus-Barometer zeigt, dass eine KV-Notdienst-Praxis am oder in der Nähe eines Krankenhauses häufig keine Lösung ist, da nur 14 Prozent durchgehend am Wochenende geöffnet haben. An normalen Werktagen sind nur 15 Prozent der KV-Notdienst-Praxen über Nacht geöffnet. Meist öffnen sie aber erst gegen 19 Uhr und schließen am nächsten Morgen um 7 Uhr. Schlussendlich sind 85 Prozent der Praxen zumeist nur zwischen 19 und 22 Uhr besetzt. Dazu Georg Baum: „Diese Zahlen machen sehr deutlich, dass von einer wirklichen Sicherstellung durch den ambulanten Bereich in der Notdienstversorgung nicht gesprochen werden kann.“

Foto: © bluedesign - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Berlin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Notaufnahme , Krankenhäuser
 

Weitere Nachrichten zum Thema Notaufnahmen

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Starkes Übergewicht und Mangelernährung sind zwei Risikofaktoren für eine schwere Infektion mit dem Coronavirus. Ein Ernährungsmediziner erklärt, mit welcher Ernährung man das Immunsystem stärken kann.
Eine App, in der alle Diagnosen, Medikamente und Rezepte zusammengefasst sind – das soll ab kommendem Jahr die elektronische Patientenakte (ePA) bieten. Die Nutzung wird freiwillig sein. Dennoch sind nicht alle zufrieden mit dem Ergebnis.
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.