. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin

Klimawandel steigert die Belastung für Allergiker, Asthma- und COPD-Patienten

Der Klimawandel trägt dazu bei, dass Patienten mit Atemwegserkrankungen mehr Gesundheitsprobleme haben. Das stellte die Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) fest.
Hitzewellen sind für Asthma- und COPD-Patienten schlecht

Klimawandel führt bei Kranken zu schlimmeren Atembeschwerden

Die Belastung für Allergiker steigt. Das bestätigte der Lungenfacharzt Professor Christian Witt von der Berliner Uniklinik Charité. Er verweist darauf, dass das wärmere und trockenere Klima hierzulande dazu führt, dass mehr allergene Substanzen in der Luft sind und neue allergene Pflanzen, wie Ambrosia, bei uns Fuß fassen. „Es wächst mehr das, was den Patienten schadet“, sagt Witt.

Auch bei Asthmapatienten und Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) erwarten Pneumologen aufgrund des Klimawandels gehäufte Komplikationen. Ihnen machen vor allem die zunehmenden Hitzewellen im Sommer zu schaffen. Denn in der wärmeren und trockeneren Luft seien auch mehr Schadstoffe, wie etwa Feinstaub. „Die Lunge als Portalorgan ist davon besonders betroffen, denn sie hat den ersten Kontakt zur Luft“, sagt Witt. Er weist jedoch darauf hin, „dass nicht der Klimawandel an sich die Menschen krank macht, sondern dass er dazu beiträgt, dass der Patient mehr Symptome hat, mehr Notfallmedikamente braucht oder sogar ins Krankenhaus aufgenommen werden muss“.

Hitze macht Patienten mit Allergien, Asthma und COPD zu schaffen

An heißen Tagen stellen wissenschaftliche Studien nach Witts Angaben eine Zunahme der Sterblichkeit (Mortalität) , aber auch deutliche Anstiege der Krankheitslast (Morbidität) von bis zu 80 Prozent fest. Sommerliche Hitzewellen erhöhen nach Angaben der DPG das zusätzliche tägliche Sterberisiko bei Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen um bis zu 14 Prozent, bei längeren Hitzewellen bis zu 43 Prozent.

Verschlechterungen der COPD, die oft mit Atemnot, Husten und Schleim einhergehen– sogenannte Exazerbationen -, treten schubweise demnach auf. „Durch die Zunahme von Hitzewellen und –tagen kommt es zusätzlich im Sommer zu einem Anstieg der Exazerbationen“, so Witt. Lungenerkrankungen seien im Sommer mittlerweile die wichtigste Ursache für Notaufnahmen ins Krankenhaus.

 

Experten setzen auf Frühwarnsysteme und Telemedizin

„Wir brauchen deshalb Strategien, um Lungenpatienten während der heißen Sommermonate besser zu unterstützen, beispielsweise durch eine zusätzliche telemedizinische Betreuung“, so Witt weiter. Damit könnte der Zustand der Patienten auch zuhause kontrolliert werden.

Die DGP empfiehlt zudem, dass Frühwarn- und Interventionssysteme erarbeitet werden. Diskutiert wird außerdem eine klimaadaptierte Arzneimitteltherapie. Das könnte bedeuten, dass zum Beispiel Asthmatiker die Dosierung ihrer Medikamente vorsorglich erhöhen, damit der Gesundheitszustand nicht einbricht, wenn eine Hitzewelle kommt.

Foto: Andrey Popov - fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Berlin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Allergie , Asthma , COPD , Lungenerkrankungen , Luftverschmutzung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Atemwegsbeschwerden

| Bis zum Jahr 2050 wird es in Berlin so heiß werden, wie es derzeit im Australischen Canberra ist. Das sagen Schweizer Forscher voraus. Auch andere europäische Städte werden immer heißer. Das kann unter anderem für die Wasserversorgung schwerwiegende Folgen haben.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.