. US-Registerstudie

Kleinzelliger Lungenkrebs: Radiochemotherapie kann Leben verlängern

Kleinzelliger Lungenkrebs wächst so schnell, dass er selten operiert werden kann. Im so genannten limitierten Stadium kann eine Radiochemotherapie jedoch lebensverlängernd sein. Das ergab die Auswertung eines amerikanischen Patientenregisters.
Kleinzelliger Lungenkrebs: Radiochemotherapie kann Leben verlängern

Neue Erkenntnisse zur Behandlung von kleinzelligem Lungenkrebs: Im limitierten Stadium ist eine Radiochemotherapie eine wirksame Therapie

Kleinzelliger Lungenkrebs wird nur selten geheilt. Der schnell wachsende Tumor hat bei Diagnose oft das Lungengewebe überschritten, so dass er nicht operiert werden kann. Es gibt jedoch ein so genanntes limitiertes Stadium, wo zumindest der sichtbare Teil noch innerhalb der Lunge liegt. In diesem Stadium ist die gleichzeitige Chemo- und Strahlentherapie die derzeit wirkungsvollste Therapie, wie eine Auswertung eines amerikanischen Patientenregisters nahelegt. Das Register umfasst mehr als 8.600 Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom im limitierten Stadium, die eine Radiochemotherapie erhalten hatten. Darunter auch viele Patienten über 70.

Mit Radiochemotherapie die Überlebenszeit fast verdoppelt

Die Auswertung zeigt: Patienten, die nur einer Chemotherapie bekamen, lebten im Schnitt nur 9 Monate, wohingegen das Überleben bei Patienten mit Radiochemotherapie 15, 6 Monate betrug. Wenn Chemo- und Strahlentherapie gleichzeitig durchgeführt wurden, stieg die Überlebenszeit sogar auf 17 Monate. Nach einer kombinierten Radiochemotherapie waren 22 Prozent der Patienten noch nach drei Jahren am Leben, bei Verzicht auf eine Strahlentherapie waren es nur 6,3 Prozent.

„Das ist ein erstaunliches Ergebnis“, sagt Prof.  Martin Stuschke, Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Essen. Die Studie zeige, dass eine intensivierte Therapie mit simultaner Radiochemotherapie auch für ältere Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs vorteilhaft sei. Die Angst, dass Patienten im fortgeschrittenen Alter die kombinierte Behandlung nicht mehr verkraften, sei häufig unbegründet, findet der Experte. Auch weil die Behandlung schonender geworden sei. „Nebenwirkungen der Zytostatika können heute besser behandelt werden, und die Dosisverteilungen können mit modernen Bestrahlungstechniken gezielter auf die thorakalen Tumore appliziert werden“, sagt der Experte aus Essen: „Auf Komplikationen können wir heute schneller und effektiver reagieren.“

 

Auch ältere Lungenkrebspatienten profitieren

In der Studie waren 56 Prozent der Patienten älter als 70. Daher kann eine Radiochemotherapie auch für ältere Lungenkrebspatienten angezeigt sein. Doch Ärzte müssten die Patienten sorgfältig auswählen, meint Professor Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim. Bei mehreren Begleiterkrankungen, einem fortgeschrittenen Stadium und vor allem bei einem schlechten Allgemeinzustand rät der Experte von einer intensivierten Behandlung ab. Wenz: „Unser Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten und nicht die Lebensverlängerung um jeden Preis.“

Die Studie mit dem Titel “Role of Chemoradiotherapy in Elderly Patients With Limited-Stage Small-Cell Lung Cancer” war im Dezember im Journal of Clinical Oncology erschienen.

Foto: © bittedankeschön - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Lungenkrebs

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Viele Menschen leiden unter Schlafproblemen. Die häufigsten Gründe: Stress und falsche Gewohnheiten. Einige einfache Tricks können dazu beitragen, wieder zu einem besseren Schlafrhythmus zu finden.
Die wegen der Corona-Pandemie nötigen Schutzmasken können Hautirritationen auslösen. Das berichten italienische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Journal of the European Acadamy of Dermatology und Venereology.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.